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Das jüdische Echo · 1924-09-19 · 38 (19.9.1924) · p. Seite 284

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
38 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
Seite 284 (sequence 8)
Language
German
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284 Das Jüdische Echo Nr. 38 landwirtschaftlichen Arbeiter), Mereschin, Sch. Dimanstein und J. Goldle (die letzten drei Leiter der jüdischen Sektion). Wie man sieht, sitzen in diesem Komitee mehrere der führenden Persönlichkeiten Sowjetrußlands. Der „Brnes“ bemerkt, daß das Komitee eine höchst autoritative Macht besitzt. Es gehe schon aus der Zusammensetzung' hervor, daß die kommunistische Partei die landwirtschaftliche Ansiedlung der jüdischen Massen nicht als eine jüdische Angelegenheit, sondern als eine staatspolitische Aufgabe betrachtet. Die Registrierung der Pogromschäden in Rußland. Moskau (J. T. A-). Laut Punkt 7 des allgemeinen Abkommens zwischen Rußland und England wurde die Regelung einer ganzen Reihe gegenseitiger Forderungen einem späteren Termin überlassen. Eine der Forderungen russischerseits ist die, daß England die durch die militärischen Interventionen entstandenen Schäden wieder gutmacht. Zu diesen Schäden zählt man auch die Verwüstungen durch; Pogrome. Die jüdische kommunistische Presse fordert zur möglichst genauen Registrierung der durch die Juden Pogrome entstandenen Schäden auf, damit für die vergossenen Ströme Bluts und den zerstörten Ertrag jüdischer Arbeiterhände einigernjaßen Ersatz geschaffen wird. Das kulturelle jüdische Leben in Buchara. Samarkand (J. T. A.). Die jüdische Gemeinde in Samarkrand, der Hauptstadt von Buchara, wandte sich an die Sowjetregierung mit der Bitte, eigene Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache eröffnen zu dürfen. Der Verein jüdischer Lehrer Buchara’s hat in Samarkand ein „Bildungshaus“ eröffnet, in welchem Kurse für Hebräisch und Esperanto abgehialtem werden. Schon jetzt existieren in Samarkand zwei Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache; eine Bialik- Schuile und eine J. Ch. Bronner-Schule. Ende August wurde im Arbeiterhaus Samarkands das Drama des Bucharaer jüdischen Dichters Abraham Philosoph dargestellt. Das Drama schildert einen Konflikt zwischen Orthodoxie und Aufklärung in einer Bucharaer jüdischen Familie. In Samarkand hat sich eine jüdische ethnographische Gesellschaft zum Studium des Bucharaer jüdischen Lebens unter der Führung der Herren Lurjc und Wilenkin gegründet. Polen Emigrationsstrom aus Polen. — 22 000 arbeitslose Juden. Warschau (J. T. A.). Angesichts der fortdauernden; Arbeitslosigkeit nimmt die Auswanderung aus Polen beständig zu- Etwa 3000 polnische Arbeiter wandern in der Woche aus Polen nach Frankreich aus, um an der Wiederaufbauarbeit in den verwüsteten Gebieten tätig zu sein. Die Auslese der Arbeiter geschieht durch eine französische Kommission, unter Mitwirkung des polnischen staatlichen Arbeitsnachweises. Nur qualifizierte Landwirte, Bergleute, Maurer, Ziimmerleute usw. werden angenommen. Dadurch ist die Arbeitslosigkeit unter den polnischen Arbeitern zurückgegangen,; jedoch unter der jüdischen Arbeiterschaft herrscht die Arbeitslosigkeit nach wie vor. Man zählt jetzt über 22 000 jüdische Arbeitslose in Polen. Deutschland Die Frage der jüdischen Lehrer vor der Berliner Schuldeputation. Berlin (J. T. A.). In der letzten Sitzung beschäftigte sich die Berliner Schuldeputation mit der Frage der Ernennung jüdischer Konrektoren an Berliner Schulen. Es wurde beschiossen. an evangelischen Schulen jüdische Konrektoren zu ernennen,. Der Antrag wurde von dem Stadtverordneten Goß damit begründet, daß Berlin eigentlich keine konfessionellen Schulen habe, daß jüdische Lehrer an evangelischen und katholischen Schulen unterrichten, katholische Lehrer an evangelischen Schulen und evangelische Lehrer an katholischen Schulen beschäftigt werden. Es wäre angebracht, den jüdischen Lehrern die Möglichkeit des Aufstiegs zu geben- Da Berlin jüdische Schulen nicht besitzt, müßten jüdische Lehrer also an evangelischen und katholischen Schulen Konrektoren werden können, Die Vertreter der bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Demokraten wandten sich scharf gegen diese Ausführungen, auch der juristische Dezernent führte aus, daß es gesetzlich nicht zulässig wäre, an Schulen, die einen konfessionellen Charakter tragen, jüdische Konrektoren, die im Vertretungsfalle amtl. Leistungsbefugnisse haben, zu ernennen. Bei der Abstimmung über den Antrag Goß herrschte Stimmengleicbheiit. Der demokratische Turnlehrer Zobel enthielt sich, der Stimme. Der Vor sitzende Stadtschulrat Paulson stimmte für den Antrag und gab so den Ausschlag für dessen Annahme. Dr. Schmarjahu Levin und Leo Motzkin in Berlin. Berlin (J. T. A.). Der bekannte zionistische Führer Herr Dr. Schmarjahu Levin, dessen Gattin vor einigen Tagen in Berlin verschieden ist, ist am 10. September in Berlin, eingetroffen. Er hat auf die Nachricht von der Erkrankung seiner Gattin hin die Reise nach Berlin angetreten, hat sie aber nicht mehr lebend angetroffem. Herr Dr. Schmarjahu Levin begibt sich von hier in kurzer Zeit nach Kanada,, wo er auf die Einladung der dortigen Zionisten hin die diesjährige Keren Hajessod-Aktion einleiten wird. Herr Dr. Lovin wird auch andere überseeische Länder besuchen. Der Vorsitzende der Jüdischen Welthiilfskonferenz, zugleich geschäftsführender Vorsitzender des Komitees der jüdischen Delegationen, Herr Leo Motzkin, ist zu kurzeimi Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Frau Grete Wassermann gestorben. Dienstag, den 9. September, ist die Gattin des Vorsitzenden des deutschen Keren Hajessod, Direktors Oskar Wassermann, Frau Grete Wasser mann, geb- Fürst, im Alter von 42 Jahren gestorben. Die Verblichene hihterließ zwei Kinder. Das Mitgefühl weitester Kreise, insbesondere der im Keren Hajessod tätigen, wendet sich Herrn Wassermann zu. Palästina eint Musterbeispiel. Wie wir gemeldet haben, hat der Vorsitzende des jüdischen Parlamentsklubs in Polen, Dr. Leon Reich, als Delegierter auf der Interparlamentarischen Konferenz eine Rede über das Palästina-Mandat und das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina gehalten. Wie nachträglich gemeldet wird, hat diese Rede auf die Mitglieder der Konferenz einen starken Eindruck gemacht. Dr. Reich wurde von verschiedenen Seiten zu seiner Rede beglückwünscht, so von Professor Schücking, vom ehemaligen Reichstagspräsidenten Loebe, wie auch von den polnischen Delegierten. Nationalrat Moutet bemerkte in seiner Erwiderung u. a., was das jüdische Volk in Palästina bereits geleistet habe, sei grandios, ebenso wie es geleistet wurde; es könne als Musterbeispiel für Kolonisation dienen-

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