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Das jüdische Echo · 1924-09-19 · 38 (19.9.1924) · p. Seite 281

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
38 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
Seite 281 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 281 Das Jüdische Echo sammenkunft der in einem Bunde Vereinigten geschaffen wurde. Alte Freunde trafen sich, frühere Bekanntschaften wurden erneuert, neue geschlossen. Dazwischen unaufhörliches Singen der einander abwechselnden Züge. Petrus dort oben scheint jedenfalls ein stärkeres Gefühl für Toleranz zu haben, als seine Nachfolger hier auf Erden; sei) dem, wie es wolle, fest steht, daß der; Regen nachiließ und' die Jagst, die sich ganz ungebührlich! weit über Felder und Wiesen hin ausgedehnt! hatte, sich fein manierlich wieder ito ihr Bett zurückzog. Das ließ man sich nicht zweimal gesagt sein. In ein paar Stunden war ein großes tadelloses Zeltlager errichtet, das sicihi, was Ordnung und System anbelangt, ruhig mit einem militärischen Zeltlager messen konnte. Damit nicht genug. Neben dem Lager wurde für die Sitzungen von den Handwerkern des Blauweiß ein großes hausartiges Zelt errichtet, das gegen 600 Sitzplätze und noch eine ganz beträchtliche Anzahl von Stehplätzen hatte, so daß die gesamte Älterenschaft des Bundes an den Beratungen teinebmeni konnte. Die Elektrotechniker hatten eine Feldleitung gelegt und so erstrahlte das Hauptzelt, wie das Lager bald im Glanze der elektrischen Lampen. Es soll hier weniger über den Inhalt der Sitzungen gesprochen werden; das nächste Führerheft des Blauweiß wird allen denen, die sich für den Inhalt der Beratungen interessieren, Auszüge aus den einzelnen Referaten bringen —, wir wollen vielmehr versuchen, einige stimmungsmäßige Eindrücke und nicht mehr als das festzuhalten, denn gerade hier kann der aufmerksame Beobachter am meisten lernen. Wer einmal irgendwelche Tagungen, seien sie nun wissenschaftlicher oder politischer Art, wer einmal auch zionistische Kongresse besucht hat, der weiß, daß das Interessanteste nicht in den Sitzungen, sondern in den Besprechungen, in den Ausschüssen und vor allen Dingen in den Couloirs verhandelt wird. Das ist ein unaufhörliches Kommen und Gehen der Delegierten und mehr noch natürlich der übrigen Zuhörer, in dem oft noch nicht einmal die Stimme des Redners durchdringen kann. Ganz anders hier. Hier gibt es keine Couloirs und! die Sitzungen der Ausschüsse sind so gelegt, daß sie mit den Plenarsitzungen kollidieren können. Mit angespanntester Aufmerksamkeit lauscht das große Plenum den Ausführungen der Redner, die infolgedessen ohne übermäßigen Stimmenaufwand und eine besondere rhetorische Begabung ihre Meinungen darlegten. Und hier schon eine zweite Beobachtung: Man** hat in diesen Sitzungen gar kein Verständnis für „schöne“ Reden, nur auf den Inhalt kommt es an und hier wird allerdings dann auch gegebenenfalls scharfe Kritik angesetzt. Der Vorteil, der hieraus entspringt, leuchtet ohne weiteres ein. „Nur-Redner“ werden automatisch ausgeschaltet, rednerisch wenig Begabte dagegen, die wirklich etwas zu sagen, haben, können ohne Scheu zum Worte kommen. Sichtlich stark ist auch das Bemühen, ein Aneinandervorbeireden: zu vermeiden, unsachliche Polemik und Dialektik auszuschalten. Selbstverständlich ist dies alles auch hier nur zu einem gewissen Grade möglich, aber immerhin wird1 so bewirkt, daß das Niveau der Diskussion niemals auf oder unter den Nullpunkt sinkt, wie man das leider so oft bei1 den Tagungen der „Großen“ beobachtet. Die Referate selbst beschäftigten sich im wesentlichen mit Erziehungsproblemen und fußten auf einem ganz natürlichen Empfinden dafür, daß eine wahrhaft jüdische Erziehung und ein endgültiger Bruch mit den durch, die Auswüchse des Kapitalismus gerade in der modernen europäischen Jugend geschaffenen Mißständen nur auf dem Boden jüdischen Volkstums und im Rahmen der restlos verpflichteten Anteilnahme am Aufbau von Erez Israel möglich ist. Der Berufsumschichtung innerhalb des „Blauweiß“, mit dem Ziele, dlie jungen jüdischen Menschen den produktiven Berufen im engeren Sinne zuzuführen, wurde größte Aufmerksamkeit geschenkt. Zahlenmäßige Berichte über' die seit dem letzten Bundestage in die Landwirtschaft und zum Handwerk übergegangenen Jungens und Mädels zeigten, daß mit einer gewissen Selbstverständlichkeit heute schon viele „Blauweiße“ in diese Berufe hineinwachsen, daß hier schon eine Tradition geschaffen ist, die für die Regeneration unserer Menschen von gar nicht zu überschätzender Bedeutung sein wird. Von dieser Berufsumschichtung werden in immer steigendem Maße auch die Mädchen erfaßt. Das Praktikantenamt des „Blauweiß“ konnte über eine erfreuliche Anzahl von Mädchen berichten, die nach, gründlicher Durchbildung in der hauswirtschaftlichen' Arbeit bereits übergesiedelt sind oder doch für die Übersiedlung sich vorbereiten. Sehr intensiv beschäftigte man sich auch mit den Bildungsstoffen, die der geistigen Arbeit zugrundegelegt werden sollen und beschränkte sich dabei absolut nicht etwa auf rein, jüdische Bezirke, wenn man natürlich auch ganz von selbst ihnen das Prima zuerkannte. Neben den Sitzungen her gingen die Spiele, die davon Zeugnis ablegten, daß man die Wichtigkeit körperlicher Durchbildung bei jungen Menschen im allgemeinen, insbesondere aber bei der jüdischen Jugend durchaus würdigte. Man hat POBIELLAN-NIEDEBLAfil MÜNCHEN THE ATI H BESTRASSE * ftgtmmitr Ar FtUMurmhaEt •«•■stx ifiswiii ix «iiKAeeiBPtiuuii fifiUClB kACIIBBttlllSI«

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