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Das jüdische Echo · 1924-09-12 · 37 (12.9.1924) · p. Seite 272

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
37 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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272 Das Jüdische Echo Nr. 37 entgegennahm, trieb Ludendorff das Volk durch eine Judenhetze, die bis in die kleinsten Städte und Kirchdörfer drang, auseinander. Überall marschierten Hakenkreuzler. HiY antisemitisches Einigungslied singend, auf!.1 Pliä'fcate waren angeschlagen: „Juden ist der Eintritt verboten.“ Die Zeitungen erinnern daran, daß!,vor 10 Jahren den Juden der Zutritt zum Schlachtfeld' nicht verboten war. Denkmalschäddüng Berlin (J.T.A.) Vor kurzem wurde in Göttingen ein Regimentstag mit Denkmalseinweihung des 91. Reserve-Infanterie-Regiments abgehalten. Da einige jüdische Frontsoldaten Mitglieder der Einundneunziger sind und einige Jluden dieses Regiments auf dem Felde gefallen sind, ließ auch die Göttinger Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten einen Kranz vor dem Denkmal niederlegen. In der folgenden Nacht wurde der Kranz heruntergerissen und in der unflätigsten Weise besudelt. Der Täter ist nach; einigen Tagen verhaftet worden. Katholizismus und Judenfeindschaft Berlin (J.T.A.) In der Schlußsitzung des diesjährigen Deutschen Katholikentages, der am 1. und 2. September in Hannover stattfand, hielt der Reichstagsabgeordnete Prälat Leicht eine Rede über „Das Recht der Kirche auf die Schule“. Er erinnerte an die Szene im Neuen Testament, da die Apostel den Müttern wehrten, ihrem; müden Meister die Kinder zuzuführen, und Christus sagte: „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“ Prälat Leicht sagte mit deutlicher Betonung: „Es waren Kinder jüdischer Mütter.“ Erhöhung der Strafe gegen einen renitenten Antisemiten. Berlin (J.T.A.) Die Berufungskammer des Landgerichts I verhandelte am 4. September gegen den früheren Studenten der Rechte Ernst Niebuhr, der vom Schöffengericht wegen Beleidigung des Ober regierungsrat es Dr. Weiß, des früheren Leiters der Abteilung I A im Polizeipräsidium zu zehn Tagen Haft unter Zubilligung einer Bewährungsfrist verurteilt worden war. Gegen dieses Urteil hatte der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Der Angeklagte hatte seinerzeit eine Vorladung, die an einen seiner Bekannten von der Politischen Polizei'- ergangen war, mit dem Vermerk versehen: r „Die Deutschvölkischen lehnen eine Vernehmung bei der politischen Polizei ab, solange ein Jude an der Spitze dieser Abteilung steht. Dieser Herr hat kein Recht, sich Deutscher zu nennen. Deutschland gehört den Deutschen, weitere Vorladungen wandern in den Papierkorb.“ Die Anschrift lautete: „Am den Juden Isidor Weiß.“ Wie vor dem Schöffengericht, so benahm sich der Angeklagte auch vor der Strafkammer sehr aufgeregt. Er erklärte schließlich: „Lieber sitze ich zeh^ Tage ab, als daß ich dieser Judenrepublik einen-Pfennig zahle.“ Diese Äußerung wurde vonÜVqMtzenden als durchaus unpassend zurückgewiesen. Der Staatsanwalt beantragte die Erhöhung cjer Strafe auf drei Monate Gefängnis. Das Geruht erkannte auf zwei Monate Gefängnis. Neuer deutschnationaler FoWzug gegen die Ostjudeii 3’r-; Berlin (J.T.A.). In der Sitzung des Hauptausschusses des Preuß. Landtags vom 3. Septbr., während der Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern, hielt der deutschnationale Abg. Negenborn eine scharfe Rede gegen den Innenminister Severing. Zur Frage der Ostjuden übergehend, führte er aus: Es sei endlich dafür zu sorgen, daß die Grenzen gegen die Zuwanderung von Ostjuden tatsächlich geschlossen und unerwünschte Elemente aus Preußen ausgewiesen würden. Sehr bedauerlich sei die Erscheinung, daß preußische Beamte in nicht geringer Zahl sich durchgeldliche Zuwendungen dazu hätten verleiten lassen, die Ostjuden nach Deutschland hereinzulassen. Hier müsse mit aller Schärfe gegen die Schuldigen vorgegangen werden. Ludendorff betreibt die Geschäfte Judas München (J.T.A.). Das bekannte antisemitische Organ „Miesbacher Anzeiger“ veröffentlicht einen Artikel gegen Ludendorff, in welchem dem General deutlich zu verstehen gegeben wird, daß er in Bayern ausgespielt hat und sich nun ein anderes Wirkungsfeld suchen möge. Ludendorff, heißt es, habe sich eine schwere gesellschaftliche Niederlage geholt, er sei „unten durch“. Bayern lasse sich nicht von Leuten regieren, die in den eigenen Reihen alle Achtung verloren haben. Das Organ schließt: „Jeder Sonntagsschieber in Bayern wisse, daß die sich in Bayern aufdrängende Gruppe Ludendorffs die Geschäfte Frankreichs und Judas betreibe.“ Vor der Haftentlassung Adolf Hitlers München (J.T.A.). Am 1. Oktober wird Hitler die halbjährige Festungshaft in Landsberg abgesessen haben. Mit seiner Freilassung werden sich — so erwartet man — die Auseinandersetzungen innerhalb der nationalsozialistischen Arbeiterpartei zuspitzen. Noch steht es nicht fest, welcher Seite Hitler sich anschließen wird, ob der neu gegründeten Großdeutschen Volksgemeinschaft oder der von Ludendorff geführten parlamentarischen Gruppe. Ausweisung des Antisemiten Rüge aus Bayern München (J.T.A.). Der frühere Heidelberger Privatdozent, der bekannte Antisemit Rüge, erhielt ein vom Staatskommissar München-Stadt und Land unterzeichnetes Aufenthaltsverbot für Bayern. Rüge hat beim Obersten Landesgericht in München Beschwerde eingelegt. Palästina-Reise Der Doppelschraubendampfer „Peer Gynt“ der Reederei Viktor Schuppe unternimmt vom 4. November bis zum 14. Dezember unter Führung des Kapitäns Christian Dempwolf eine Palästinafahrt, die von Genua ausgeht und über Alexandrien, Jaffa, Haifa, Piraeus und Taormina nach Genua zurückführt. Von diesen 40 Tagen werden etwa 3 Wochen auf den Besuch aller Sehenswürdigkeiten Palästinas, insbesondere der jüdischen Kolonien verwandt werden. Damit geht der seit langem gehegte Wunsch vieler in Erfüllung, die alten und doch ewig jungen Stätten des heiligen Landes zu besuchen. Der Aufenthalt in Palästina ist mit Absicht auf 3 Wochen ausgedehnt worden, um das Interesse für das neue Palästina zu wecken. Die erheblichen Fortschritte, die Landwirtschaft und Industrie in den letzten Jahren gemacht haben, werden ein Beweis für die Tatkraft des jüdischen Volkes sein, und darüber hinaus werden u. a. die hochinteressanten Gebiete in Ägypten, Alexandrien und Kairo besucht werden. Der „Peer Gynt“, der vom 8.t-10. August seine Probefahrt mit Glanz bestanden hat, ist von Fachleuten und der maßgebenden Pfesse in vielön /

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