Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 37 (12.9.1924)
- Date
- 1924-09-12
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Das Jüdische Echo Nr. 37 Pflicht der rein objektiven Berichterstattung: vermieden, sic muß also doch wohl etwas besser sein, als ihr Ruf in den Kreisen der Frankfurter Orthodoxie. Auch diese Zeilen wären nie geschrieben worden, wenn man auf der anderen Seite auch versucht hätte, aus diesen Tatsachen zu lernen und in Zukunft etwas bescheidener und vor allen Dingen vornehmer geschrieben hätte. Wenn jemand derartige Hoffnungen gehegt hatte, so wurden sie sehr raschi getäuscht. Hans H e r z 1, der einzige Sohn Theodor Herzls hat sich am 20. Todestage seines Vaters, in derselben Stunde, in der 20 000 Juden in schwelgenden Reihen am Grabe seines Vaters vorbeidefilierten, taufen lassen. Kein Zionist, den nicht diese Nachricht wie ein Peitschenschlag traf, aber *uch kein wahrer Jude, der nicht schmerzlich berührt die tiefe Tragik empfand, die darin liegt, daß gerade der Sohn des Mannes, der die jüdische Renaissancebewegung in übermenschlicher Arbeit schuf, fahnenflüchtig geworden ist, der Religion seiner Väter, seines Vaters, den Rücken gekehrt hat. Kein Jude, wir wollten, wir könnten so sagen. Der „Israelit“ hat uns eines anderen belehrt. In seiner Nummer 34 vom 21. August 1924 macht er vielmehr wiederum den Versuch, den „Fall Herzl“ in schadenfroher Weise für Zwecke seiner Politik auszunützen. Noch;unmöglicher diesmal, deshalb, weil diese Ausführungen, gehüllt in ein Mäntelchen mitleidigen Bedauerns, nur um so vergiftender wirken. Wir erfahren nämlich, daß „dieser Fall“, auch wenn es wahr sein sollte, was die zionistische Presse betont, daß da rein psychopathische Gründe mitspielen, von tiefer tragischer „Symbolik“ ist. „Symbolisch“, so schreibt der „Israelit“, „für die Verwirrung die die Doktrin der Lostrennung des jüdischen Nationalismus von der jüdischen Religion in jugendlichen Köpfen angerichtet hat.“ Und weiter: „Hand aufs Herz! Wer kann ihm (Hans Herzl) eine Verfehlung geg^n den „Judenstaat“ vorwerfen, wo die Religion bei der Gründung der jüdischen Heimstätte überhaupt gar nicht in Betracht kommt; oder gegen „Altneuland“, * wo sich gute Christen ohne Religionswechsel zum Nationaljudentum bekennen und auch am Innenbau und der Innenausstattung des nationalen Heims kräftig mitarbeiten?“ Auch uns ist der Fall Hans Herzl symbolisch, allerdings nach einer etwas anderen Seite Mn. Wir vergegenwärtigen uns mit Schaudern, welches das Schicksal eines vielleicht gar nicht absehbaren Teiles der jetzt lebenden jüngeren Generation in der ganzen jüdischen Welt geworden wäre, wenn nicht die nationale jüdische Idee, der Zionismus, den Schwankenden neuen, festen Boden gegeben hätte, neuen Grund, auf dem ein lebendiges Gefühl für alles Jüdische, auf dem frische und fruchtbare Begeisterung für das Judentum erstanden ist. Mehr als wahrscheinlich erscheint es uns, daß ungezählte junge jüdische Menschen normaler geistiger Veranlagung dann einen Schritt getan hätten, der heute von einem geistig Haltlosen getan, berechtigtes und von diesem Gesichtspunkte aus gesehen, sogar erfreuliches Aufsehen im jüdischen Lager erregt. Dies soll kein .Versuch sein, den großen Schmerz wegzudisputieren, den wir alle erlitten haben und der für uns nur das eine Ergebnis haben kann, mit noch größerer Intensität als bisher an unsre Aufgabe heran zu gehen, durch den Aufbau von Palästina einen neuen festen Kern jüdischen Lebens zu schaffen. Aber auch diesmal scheint es uns, als ob man in „Frankfurt“ gut daran getan hätte, etwas weniger mit Symbolik und etwas mehr mit Tatsachen zu arbeiten. Schließlich kann man die gleiche Parallele, die der „Israelit“ zwischen den Nachkommen Mendelsohns und Hans Herzl gezogen hat, mit demselben Rechte, auch auf die Nachkommen Samson Raphael Hirsch’s, des genialen Führers der thoratreuen Judenbeit, ausdehnen, und' man könnte daher die Ausführungen', die der „Israelit“ in diesem Zusammenhang dem Zionismus widmet, vice versa auf die Aguda übertragen. Wer eben selbst im Glashaus sitzt, sollte doch nicht unbedingt es darauf anlegen, dasselbe noch dazu in einen Porzellanladen zu verwandeln und in demselben wie jenes bekannte Tier herumtrampeln. Es ist nicht unsere Absicht, durch diese Zeilen weiter vergiftend auf die schon geradezu verpestete Atmosphäre, die, wie wir glauben, im wesentlichen nicht durch unsere Schuld zwischen beiden Lagern besteht, zu wirken. Wir hoffen, daß man aus ihnen den Willen herauslesen wird,, durch eine offene und kräftige Kennzeichnung der Taktik des offiziellen agudistischen Organs freie Bahn zu schaffen für eine Verständigung mit der, wie wir wissen, großen Zahl derer, die nicht gewillt sind, eine derartige Hetze weiter mitzumachen. Noch können und wollen wir den Glauben daran nicht aufgeben, daß es gelingen wird,, zwei große jüdische Organisationen auf einer gemeinsamen Basis friedlicher und erfolgreicher Arbeit zu vereinigen. Li-r. Schreibt so eine jüdische Zeitung! Kurz vor Redaktionsschluß erscheint die neueste Nummer des „Israelit“, die wieder eine Gipfelleistung auf dem Gebiete der Hetze darstellt, wie wir sie im Leitartikel dieser Nummer scheinbar immer noch nicht scharf genug gekennzeichnet haben. Wir begnügen uns damit, aus dem Leitartikel: „Zur Lage der Jesohiwaus .in Jerusalem“’ einige Sätze herauszuheben und nehmen an, daß diese jede Kommentierung überflüssig machen. „Der heutige Zionismus, der nur auf die Erhaltung seiner Gründungen bedacht ist, unternimmt keinen ernstlichen Schritt, das Volk aus der Not zu führen und läßt es ruhig zu, daß in den Lehrstätten Jerusalems eine überaus große1 Anzahl hervorragender jüdischer Talente verhungern und verkommen. Man schimpfte alle Zeit auf die „Chalukka“. Sie hat in der Folge des Weltkrieges ihre Grundlagen verloren. Was ist von zionistischer Seite an deren Stelle geschaffen worden? Was geschieht zur Hebung des alten Jischuw? Was geschieht für die echten, alten Vollj u d e n , die der alten jüdischen Lehre obliegen und in Jerusalem, Safed, Tiberias buchstäblich darben und in Not vergehen? Unabhängig von aller Parteipolitik muß doch jeder logisch Denkende in den Jeschiwaus die einzige Burg des jüdischen Geistes erblicken. Warum wollen unsere Aufbaumeister ihr Auge dem Lichte der Thora, das das Licht unserer Seele ist, verschließen? Hier in den Jeschiwaus und Lehrstätten ist mehr stilles Heldentum zu finden, als überall da, wo am lautesten ge schrien wird.“ „Heute erhält die zionistische Organisation Büros und Ämter in Menge, ganze Stäbe von Beamten und Angestellten, die alle gut besoldet sind. An die richtige Stelle, da wo es am meisten nottut, kommen die zionistischen Gelder nicht. Traurig ist die Lage der Chaluzim, die aus Mangel an Entgegenkommen von seiten der zionistischen Behörden das Land wieder verlassen.“ Es ist natürlich selbstverständlich, daß es nie^ mals die Aufgabe der zionistischen Organisation