Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 36 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- Seite 268 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Das Jüdische Echo Nr. 36 wandte sich dann gegen das föderative Prinzip, das „Ort“ und „Ose“ dem Weltverband zugrunde legen wollen. Feierliche Unterzeichnung der „Genfer Deklaration“ In der Abendsitzung vom 26. August wurde dem Delegierten die „Genfer Deklaration“ in hebräischer und in jiddischer Sprache, künstlerisch auf- Pergament ausgeführt, zur Unterschrift vorgelegt. Die Deklaration, die im Jahre 1923 feierlich vom Eifelturm in die Welt hinausgesprochen worden ist und dann im Genfer Archiv der Internationalen Union für Kinderhilfe niedergelegt wurde, hat folgenden Wortlaut: 1. Jedes Kind hat Anspruch auf normale körperliche und geistige Entwicklung. 2. Das hungrige Kind muß gespeist, das verwahrloste auf den richtigen Weg gebracht werden. Waisen und verlassene Kinder sollen aufgenommen und versorgt werden. 3. In Zeiten der Not hat zuerst das Kind Anspruch auf Hilfe. 4. Das Kind muß befähigt werden, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, zugleich soll es aber gegen jede Ausbeutung geschützt werden. 5. Das Kind muß zur tätigen Menschenliebe erzogen werden. Präsident Motzkin übergab die Unterzeichnete Deklaration dem Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes und der Union für Kinderhilfe, Herrn Gehri, und bat ihn, den beiden Organisationen die Grüsse der Konferenz zu übermitteln. Herr Gehri erwiderte: Mit wahrer Rührung nehme ich die Deklaration entgegen, die mir vom Herrn Präsidenten in so feierlicher Weise namens der Exekutive überreicht wird. Die erste offizielle Unterzeichnung der Deklaration ist durch die Regierung von Canada erfolgt, die zweite erfolgt nun durch die Jüdische Welthilfskonferenz. Namens der zwei großen Organisationen, die ich vertrete, drücke ich meinen Dank hierfür und gleichzeitig für den herzlichen Empfang und die freundlichen Worte aus, die meinen Organisationen hier gewidmet wurden. Ich hoffe, daß sich die Beziehungen zwischen Welthilfskonferenz und den beiden internationalen Organisationen immer besser entwickeln und immer fester gestalten werden. Die Schlußsitzungen der Welthilfskonferenz Karlsbad. (J.T.A.) Die zweite Jüdische Welthilfskonferenz ist geschlossen worden. Über die letzten Verhandlungstage ist noch zu berichten: Die letzten Referate Die Konferenz nahm unter großem Beifall eine Resolution an, in der der Exekutive der Dank für die während ihrer Amtszeit geleistete Arbeit ausgesprochen wird. Die Sejm-Deputierte Frau Rosa Pomeranz- Melzor (Polen) hielt ein Referat über das Kinderhilfswerk; Herr Latzky-Bertholdi über Emigration. Herr Leo Chasanowitsch legte noch einmal mit allem Nachdruck Verwahrung dagegen ein, daß etwa zwischen dem Vereinigten Jüdischen Emigrationskomitee und der JCA ein Abkommen über eine Vereinigung der Arbeit zugunsten der jüdischen Flüchtlinge stattfinde. Der Vertreter der Agudas Jisroel, Herr Professor Eisler, hielt ein Referat über die Hilfsaktion für die notleidende intellektuelle Klasse in Rußland. Die Lage der jüdischen Studenten in Rußland schilderte Professor Eisler als grauenvoll und unerträglich. Wenn nicht schnelle und ausreichende Hilfe komme, stehen die jüdischen Studenten und die jüdischen Intellektuellen in Rußland vor der Gefahr des restlosen Unterganges. Dr. Oskar Cohn, Mitglied des preußischen Landtages, referierte sodann über das Problem Hilfe durch Arbeit. Der Redner behandelte das Problem des Wiederaufbaus des jüdischen Lebens in den osteuropäischen Ländern in einer eindrucksvollen Weise und legte dar, daß das jüdische Volk den Mangel eines eigenen Staates durch vereinte freiwillige Tätigkeit der verschiedenen jüdischen Bevölkerungsschichten ersetzen könne. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee sprach sodann über die Wichtigkeit der Aufbauarbeit zum Unterschiede von philanthropischer Tätigkeit. Die „Hias“ für Palästina — Eine Delegation der Welthilfskonferenz nach Amerika Der Vertreter der amerikanisch-jüdischen Emigranten-Hilfsgesellschaft „Hias“, Herr Benjamin, teilte unter großem Beifall der Delegierten mit, daß die „Hias“ ihr Tätigkeitsfeld beträchtlich zu erweitern gedenke. Insbesondere ist die „Hias“ bereit, in Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation ein Werk der Unterstützung der jüdischen Emigranten, die nach Palästina reisen wollen, in die Wege zu leiten. Die Konferenz beschloß, eine Delegation nach den Vereinigten Staaten zu entsenden, die die Aufgabe haben soll, das dort erschlaffte Interesse für die Hilfsarbeit zugunsten der verelendeten Massen in den osteuropäischen Ländern durch entsprechende Aktionen wieder anzuregen. Die Auseinandersetzung mit „Ort“ und „Ose“ Die Beendigung der Konferenz verzögerte sich infolge einer im Permanenzausschuß entstandenen Krise in den Verhandlungen mit den Vertretern der Verbände „Ort“ und „Ose“. Diese in der Aufbauarbeit tätigen Verbände forderten, daß ihnen von den der Welthilfskonferenz zufließenden Geldern ein fester Prozentsatz zugesichert werde. Sollte diese Forderung nicht bewilligt werden, so seien die Verbände entschlossen, unabhängig von der Welthilfskonferenz Sammelaktionen für ihre Aufbauzwecke zu veranstalten. Die Auseinandersetzungen über diese Frage nahmen einen ganzen Tag in Anspruch. Die Mehrheit der Delegierten, insbesondere die der amerikanischen Organisationen, traten für eine Zentralisierung des Kapitals ein. Die Delegierten der „Ort“ und der „Ose“ beanspruchten ferner für die aufbauenden Organisationen, die als Sonderorganisationen innerhalb der Welthilfskonferenz existieren sollen, die Hälfte der Sitze in der Gesamt-Exekutive. Dieser Antrag wurde mit Stimmenmehrheit abgelehnt und beschlossen, daß die Mitglieder der Exekutive von der Gesamtheit der Delegierten gewählt werden sollen. Die Sitzung des zionistischen Zentral-Komitees iür Deutschland Unter starker Beteiligung von Mitgliedern des Zentralkomitees aus der Provinz und zahlreichen Gästen wurde Sonntag, den 31. August, im neuen Haus der Z, V. f. D. die zweite Zentralkomiteesitzung in diesem Jahre abgehalten. Der eigentlichen Sitzung ging die Einweihungsfeier der neuen Räume der Z. V. f. D. voraus, die einen äußerst würdigen Verlauf nahm und bei allen Teilnehmern einen starken Eindruck hinterließ. Als erster Referent zum Punkte „Die zionistische Situation nach der A.-C.-Sitzung“ sprach Dr. Nahum Goldmann. Die Krise in der Zionistischen Organisation dauert seit der Balfour-Deklarajion. Vorher waren wir eine Partei der Propaganda