Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 36 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- Seite 267 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 257 Herr David Yollin (Waad Leumi, Jerusalem), der hebräisch spricht, erklärt, die Hauptaufgabe bei der Emigrationsarbeit sei heute, die Juden aus der östlichen Hölle herauszubringen. Dabei muß in erster Reihe Palästina als Land der Einwanderung in Betracht gezogen werden. Herr Berl Locker (Vertreter des Zentralen Palästinaamtes) fordert die Konferenz auf, der jüdischen Welt die Wahrheit über die Tätigkeit der JCA in Argentinien mitzuteilen. Sollte es nötig sein, so müsse der Kampf mit der JCA aufgenommen werden. Der Redner kritisiert sodann das Vereinigte Komitee für jüdische Auswanderung, dem er Untätigkeit vorwirft, und geht zur Frage einer Vereinigung der auf dem Gebiete der Emigration tätigen jüdischen Gesellschaften über. Palästina kann heute nicht eine Antwort auf die jüdische Emigrationsfrage geben. Es ist aber jedenfalls nicht schlimmer als die anderen Länder, die doch auch nicht mehr als Hunderttausende von Emigranten aufzunehmen fähig sind. Palästina nimmt schon heute etwa 10 000 Leute jährlich auf und es ist zu hoffen, daß diese Zahl von Jahr zu Jahr wachsen wird. Der Weltverband für soziale Hilfe In der Abendsitzung vom Dienstag, den 26. August wurde die wichtigste Frage der zweiten Jüdischen Welthilfskonferenz, die der Schaffung eines Weltverbandes für jüdische soziale Hilfe, zur Diskussion gestellt. Herr Leo Motzkin führte aus: Der Gedanke des Weltverbandes für jüdische soziale Hilfe ist schon alt. Auf der ersten Welthilfskonferenz sind seine Hauptgrundsätze bereits aufgestellt worden. Auch damals wurde nicht nur von schneller Hilfe gesprochen, sondern ebenso von aufbauender Arbeit. Leider mußte aber seitdem Rußland zwei Drittel unserer Arbeit absorbieren, so daß diese Bestrebungen nicht verwirklicht werden konnten. In Marienbad brachte dann die tschechoslowakische Delegation von neuem den Gedanken vor, einen solchen Weltverband zu gründen. Zum Teil ist er sogar in der Vergangenheit schon verwirklicht und zwar durch den jüdischen großen Mögen David, der eine Parallele zum Roten Kreuz bilden sollte. In einigen Ländern, wie in der Tschechoslowakei und in Deutschland, hat auch bereits eine starke Konzentration der Arbeit stattgefunden. In Amerika ist dasselbe Bestreben zu merken. (United Charity.) Unsere Sache soll es nun sein, diese Vereinigung interterritorial vorzunehmen. Den nötigen Katastrophenfond wird man nur schaffen können, wenn man im großen Rahmen arbeitet. Eine weitere wichtige Aufgabe, der der Weltverband dienen soll, ist die Schaffung einer Repräsentanz des jüdischen Hilfswerks bei den internationalen humanitären Organisationen. Eine wirklich umfassende Arbeit kann nur zentral von der gesamten jüdischen Nation für die gesamte jüdische Nation geleistet werden. Hätte die Judenheit überall ihre Gemeinden und Gemeindeverbände, dann wäre es ganz klar, wie ein solcher Weltverband auszubauen sei. In vielen Ländern aber gibt es noch keine Gemeindeverbände und die Fach- und Hilfsorganisationen spielen gegenwärtig eine große Rolle im jüdischen Leben. Daraus ergibt sich, daß im künftigen Weltverband verschiedene Institutionen zusammengeschlossen sein müssen. Herr Efroykin: Aufgabe des Weltverbandes soll es sein, die jüdische soziale Hilfe zu organisieren, zuerst in staatlichem und dann in internationalem Rahmen, um auf diese Weise einen wichtigen Faktor im jüdischen nationalen Leben zu schaffen. Die Gründung des Weltverbandes ist eine schwere Aufgabe. Die Hauptschwierigkeiten liegen in der Desorganisierung der jüdischen Wohltätigkeit, in dem Geist ’ provinziellen Ehrgeizes, in der Einstellung jener extrem assimilatorischen Kreise, die Angst vor internationaler Vereinigung haben. Wenn aber der Verband zur Tatsache geworden ist, werden auch diejenigen zu ihm kommen, die heute seine Gegner sind. Hierauf wird die Debatte über den Weltverband eröffnet. Frau Anita Müller (Wien) erklärt, auch soziale Hilfsarbeit muß ihre Spezialisten haben. Bei der Gründung des Weltverbandes muß also sehr vorsichtig vorgegangen werden. Dr. Wischnitzer (Berlin) begrüßt die Idee des Weltverbandes als Ausdruck des Zusammenschlusses der jüdischen Kräfte auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge, insbesondere verweilt er bei dem Emigrationsproblem. Leider sei die Bildung des Emigdirekt kein Fortschritt auf diesem Gebiet gewesen. Redner begrüßt es, daß endlich alle Kreise des Judentums ihre Kräfte auf dem Gebiete der Emigrationstätigkeit zusammenfassen. Er teilt Ziffern und Daten mit über die jüdische Transmigration durch Deutschland, bei der der Hilfsverband der deutschen Juden erfolgreich mitgewirkt hat. Dr. Hindes (Berlin): Das Hauptverdienst der Welthilfskonferenz war es, daß sie zum erstenmal den Übergang von der philanthropischen zur nationalen Selbsthilfe in internationalem Maßstab gefunden hat. In der jüdischen Welthilfskonferenz werden die Gelder, die aus einzelnen Ländern durch verschiedene Organisationen zufließen, so-' Zusagen als Nationalvermögen verteilt. Der Weltverband soll ein weiterer Schritt auf dem Weg zur nationalen Selbsthilfe sein. Der Redner POBKELLM-NIEDEfiLifiK MÜNCHEN TME ATI f/ERSTR ASSE « dbr FüdktrmhmMi MdlSTl iVSWill. IS S»BAeeiBP«BSIIiIiAI fÄOLICBK UBBBBB6AIIVI«