Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 34 (22.8.1924)
- Date
- 1924-08-22
- Page
- Seite 234 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Das Jüdische Echo Nr. 34 Die Berliner Anwaltskammer für Dr. Klee Berlin. (J.T.A.) Der Vorstand der Berliner Anwaltskammer hat einmütig den Beschluß gefaßt, wegen der Verhaftung des Herrn Dr. Klee Vorstellungen bei den in Frage kommenden Justizstellen zu erheben. Die Anwaltskammer will dabei zum Ausdruck bringen, daß Rechtsanwalt Dr. Klee im Kreise seiner Berufsgenossen als ein Mann von vornehmem Charakter und untadeligem Ruf bekannt ist. Der Untersuchungsrichter, der Dr. Klee verhaftete, schleunigst nach Dresden berufen Berlin (J.T.A.). Angesichts der allgemeinen Protestbewegung gegen das Vorgehen des sächsischen Untersuchungsrichters Landgerichtsrats Starck, der Dr. Klee verhaftete, hat der sächsische Justizminister telegraphisch den Untersuchungsrichter aufgefordert, sofort mit den Akten zurückzukehren. Aus dieser Tatsache schließen die Zeitungen, daß diese das allgemeine Rechtsempfinden berührende Angelegenheit unmittelbar vor der Aufklärung steht. Die Proteststimmen der Presse gegen das Vorgehen des Bautzener Untersuchungsrichters mehren sich. Das „Berliner Tageblatt“ äußert sich in einer Besprechung des Falles: „Wenn nichts weiter gegen Rechtsanwalt Dr. Klee vorgebracht werden kann, dann dürfte in der Tat ein schwerer Mißgriff des mit der Untersuchung betrauten Richters Dr. Starck vorliegen, der hoffentlich schleunigst korrigiert werden wird.“ Einer Depesche der Frankfurter Zeitung aus Dresden zufolge wurde Dr. Klee am 19. August abends 7 Uhr aus der Haft entlassen. Rußland 300 Zionisten in Kiew verhaftet. Riga (J.T.A.). Nach einem am 9. August hier eingetroffenen Bericht sind in der letzten Woche in dem Gouvernement Kiew 300 Zionisten und Chaluzim verhaftet worden. Wieder 29 Zionisten nach Palästina ausgewiesen. Riga (J.T.A.). Gegen 29 Zionisten, die etwa 5 Monate hindurch in Minsk in Haft gehalten wurden, ist die Ausweisung nach Palästina ausgesprochen worden. Die gegen sie erhobene Anklage lautet dahin, daß sie im Besitz illegaler Literatur angetroffen wurden, nationalistische Propaganda betrieben haben und mit den ausländischen nationalistischen Organisationen in Verbindung stehen. Die Gewaltmethoden, die Sowjetrußland neuerdings systematisch gegen die Zionisten anwendet, kennzeichnet, wie so vieles, die Brutalität der Sowjetherrschaft, die etwas anderes als ihre Meinung nicht duldet und deren Gewalttätigkeit viel schlimmer ist als die des Zarismus. Leider ist die Aufnahme der aus Rußland ausgewiesenen Zionisten in Palästina bisher nicht geregelt und kürzlich mußten einige solcher Deportierter wieder nach Rußland zurückgebracht werden, nachdem ihnen mangels Einreisevisum die Landung in Java verwehrt wurde. Es ist Aufgabe der zionistischen Parteileitung, dahin zu wirken, daß die aus Rußland ausgewiesenen Zionisten unter allen Umständen Aufnahme in Palästina finden. Schweiz Prof. Einsteins schweizerische Staatsangehörigkeit Zürich (J.T.A.). Gegenüber einer Mitteilung der „Gazette de Lausanne“, daß Prof. Einstein kürzlich die schweizerische Staatsangehörigkeit angenommen hätte (diese Mitteilung wurde bekanntlich von der deutschen reaktionären Presse übernommen und als Beweis von Einsteins Untreue gögen Deutschland gedeutet), stellt das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ fest: Prof. Einstein wurde schweizerischer Staatsbürger bereits 1902, als er in das eidgen. Patentdepartement als Beamter eintrat; er blieb eidgen. Beamter bis 1911, zuletzt als Prof, der Eidgen. Technischen Hochschule in Zürich. Wegen Judenhetze ausgewiesen Zürich (J.T.A.). Eine deutsche Dame, die öffentlich gegen die Juden schimpfte, wurde von der Gemeindeverwaltung Schuls-Tarasp ausgewiesen. Ungarn Jüdische Wähler aus den Budapester Wahllisten gestrichen Budapest (J.T.A.). Der Wahlausschuß der gegenwärtig im Rathaus herrschenden christlichen Kommunalpartei hat für die kommenden Repräsentantenwahlen die Wählerlisten revidiert. Er hat nicht weniger als 55 000 Wähler, zumeist jüdische, gestrichen. Bulgarien Dr. Viktor Jacobson beim bulgarischen Außenminister Der bulgarische Außenminister, Herr Chr. Kalfoff, hat den Sonderdelegierten der Zionistischen Exekutive und des Keren Hajessod, Herrn Dr. Viktor Jacobson empfangen und sich ihm gegenüber über die Lage der Juden in Bulgarien und seine Stellung zur zionistischen Bewegung in einem längeren Interview geäußert. Er sagte zum Schluß, die bulgarische Regierung sei fest entschlossen, gegen jede eventl. antisemitische Agitation energische Schritte zu unternehmen. Dem Zionismus und dem Aufbau der nationalen jüdischen Heimstätte würde die bulgarische Regierung und Nation stets sympathisch gegenüberstehen. Die Bulgaren, die selbst mit größter Selbstaufopferung sich für ihre nationale Freiheit eingesetzt haben, hätten immer Verständnis für die nationalen Bestrebungen der Juden gehabt. (Ziko.) DAS HAUS KREU-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN-SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKT ION TEPPICHEN -GARDINEN - DECKEN