Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 33 (15.8.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
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226 Das Jüdische Echo Nr. 33 Aus der indischen Welt Deutschland Neue Gesellschaft für Palästina In Berlin ist vor kurzem eine neue Gesellschaft unter dem Namen: „Palästina Lloyd“- Passage- und Transportgesellschaft für alle Länder des Orient gegründet worden. Gründer dieser Gesellschaft sind: Russisch-Baltischer Lloyd und die bekannten Zionisten Dr. Viktor Jacobsohn, Ing. Joseph Salkind, Journalist M. Großmann und Dr. M. Rosenstein. Zweck der Gesellschaft ist, die Jüdische Touristik nach Palästina preiswerter und zweckmäßiger zu organisieren. Außerdem stellt sich die neue Gesellschaft eine rationelle Behandlung der Warentransporte nach Palästina und dem Nahen- Orient zur Aufgabe. Der Palästina Lloyd organisiert gegenwärtig zwei Touristen-Gruppen für die nächsten Feiertage zur Reise nach Palästina. Neudeutsche Rechtsprechung Leipzig (J.T.A.). Wie bekannt, ist der völkische Agitator, Ingenieur Hassel auf einen Klageantrag der sächsischen Regierung hin vor kurzem zu sechs Monaten Gefängnis und 150 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er am 31. August in einem Cafe in Dresden geäußert hat, Rathenau sei viel zu spät erschossen worden und die Minister seien alle Lumpen. Gegen das Urteil wurde von Hassel und von der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, jedoch zog der Staatsanwalt seine Berufung später wieder zurück. Nunmehr hatte sich die Ferienstrafkammer des Dresdener Landgerichts in zweiter Instanz mit dem Falle Hassel zu befassen. Sie hob, obwohl das Berufungsgericht genau zu den gleichen Feststellungen gelangte, wie die erste Instanz, deren Urteil auf, erkannte nur auf einen Monat Gefängnis und gewährt für diese Freiheitsstrafe unter der Voraussetzung, daß Hassel eine ratenweise zu zahlende Geldbuße von 500 Mark entrichtet, eine Bewährungsfrist von drei Jahren. In der Urteilsbegründung heißt es, die Mehrheit der Richter erblicke in der auf Rathenau bezüglichen Äußerung keine gröbliche Beschimpfung, sondern lediglich eine Kritik(l) Die Tagung des Vollzugsausschusses der Hitachduth in Berlin Berlin (J.T.A.). Am 7. August wurde in Berlin die Tagung des Waad Poel (Vollzugsausschusses) der zionistischen Arbeitspartei „Hitachduth“ eröffnet. Anwesend sind die Mitglieder des Hitachduth-Hauptbüros Friedland, Efter, Hellmann, Werlinsky, Dr. Arlosoroff, Kaplan (Palästina), Sejm-Deputierter A. Lewinsohn (Polen), Dr. Melzer (Galizien), Dr. Landauer (Deutschland). An der Sitzung beteiligten sich ferner Vertreter der Hitachduth aus Rußland, Deutschland, Litauen. Die Herren Sprinzak und Tworsky (Palästina) werden noch aus London erwartet. Die Tagung wurde durch Friedland eröffnet, der auf den Fragen-Komplex, mit dem sich der Waad Poel zu beschäftigen hat, hinwies. Den Vorsitz übernahm Dr. Arlosoroff. Hierauf erstattete Herr Kaplan Bericht über die letzte Sitzung des Zionistischen Aktions-Komitees in London und über die Jewish Agency-Frage. Er sagte, man müsse mit Besorgnis den neuen Tendenzen gegenüberstehen, die in der Zionistischen Organisation zur Geltung kommen, und die darauf hinausgehen, die Position, die sich die jüdische Arbeiterschaft in Palästina durch ihre Tätigkeit und ihre Initiative erworben hat, zu schwächen. Verschiedene Kreise der allgemeinen Zionisten und der Misrachi erhoffen von der Jewish Agency eine Schmälerung der Stellung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina; diese Erwägungen sind auf der letzten Aktions-Komitee-Tagung klar zum Ausdruck gekommen. Kaplan referierte über die Jewish Agency-Resolution der Aktions- Komitee-Sitzung und über die Garantiepunkte, die die Fraktion der Hitachduth im Aktions-Komitee eingebracht hat, und die vom Aktions-Komitee aufgenommen worden sind. Das zweite Referat über die Jewish Agency und Zionistische Organisation erstattete Dr. J. Hellmann. Die Agency ist nicht zufällig entstanden, sie ist ein Produkt der seit langem bestehenden Mißverhältnisse zwischen der zionistischen Aufgabe und der Enge unserer organisatorischen Basis. Die Agency muß das Gesamtjudentum für den Palästina-Aufbau umfassen. Nur in diesem Sinne kann sie die souveräne Macht, die bis jetzt die Zionistische Organisation hatte, erhalten. Die Zionistische Organisation in ihrer heutigen Form hat als alleiniger entscheidender Faktor aufgehört zu existieren, und wir müssen uns damit abfinden, daß wir bloß mitentscheidend sind. Es hängt von unseren realen Kräften ab, ob wir der überwiegende Entscheidungsfaktor sein werden. Österreich Die antisemitische Internationale Auf dem gegenwärtig in Salzburg tagenden Hakenkreuzlertag stand natürlich die Judenfrage mit im Vordergrund. Ein Antrag verlangt die Einleitung einer Volksabstimmung über die Judenfrage und zwar mit folgendem Inhalt: Die Einreise ausländischer Juden nach Österreich, beziehungsweise der Aufenthalt hier soll auf nur 14 Tage in jedem Kalenderjahr beschränkt werden. Eine Ausnahme darf nur für protokollierte Kaufleute unter Nachweis der Notwendigkeit gemacht werden. Ferner wird eine Überprüfung der bisher erteilten Aufenthaltsbewilligungen, Einbürgerungen und Optionen gefordert. Bei Widersetzlichkeiten wären die betreffenden Juden in Internierungslagern zusammenzufassen und von Staatswegen zur Arbeit zu verhalten. Den Juden ist weiters das aktive und passive Wahlrecht in die österreichischen Vertretungskörper zu entziehen und die jüdischen Kinder sind in besonderen jüdischen Schulen zu unterrichten. Bis spätestens Pfingsten 1926 soll in Wien ein Weltantisemitentag stattfinden, wozu mit allen antisemitischen Vereinigungen der Welt ein Einvernehmen hergestellt werden soll. Da die Einzelheiten dieses Antrages auf dem Parteitag nicht verhandelt werden konnten, wurden nur die Grundlinien einstimmig genehmigt und die weitere Behandlung der Bundesparteileitung übertragen. An den Beratungen nahmen aus Deutschland teil: Der Borkum-Abgeordnete Graefe-Goldoben, der Führer der „Reichskriegsflagge“ Hauptmann Rohm, Hauptmann Prosche, Kapitänleutnant Krüger und Oberstleutnant Ahlemann. Frankreich Tafel-Trauben aus Rischon-le-Zion für Paris Ende Juni hat di& Societe Vigneronne Cooperative in Rischon mit direktem Dampfer Jaffa-Marseille 130 kg Trauben verschifft. Die Sendung ging an eine bekannte Fruchtgroßhandelsfirma in Paris. Wenn das Experiment gelingt, daß die Trauben sich die acht Tage, die sie unterwegs sind, halten, so dürfte sich für die Wein produzierenden Kolonien in Palästina ein neuer wertvoller Markt eröffnen. (Ziko.) Italien Palästinareise italienischer Juden Eine große Gruppe italienischer Juden, die am Aufbau Palästinas interessiert sind, wird noch in