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Das jüdische Echo · 1924-08-15 · 33 (15.8.1924) · p. Seite 224

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
33 (15.8.1924)
Date
1924-08-15
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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224 Das Jüdische Echo Nr. 35 schrecklichen Krieg zerbrochen ist. Und hier, um Mitternacht sitzen Sie hier 5000 Meilen entfernt von Palästina, einem Lande, das viele von Ihnen niemals sehen werden, und Sie warten darauf, mich von diesem Lande erzählen zu hören. Und Sie wissen sehr wohl, daß Sie dafür vermutlich werden zahlen müssen. Es ist außerordentlich. Ich fordere jeden heraus, Juden oder Christen, mir eine ähnliche Aufgabe zu zeigen. * Und nun habe ich genug gesagt, vielleicht mehr als genug. Ja, wir haben 30 000 Juden nach Palästina gebracht, wir haben Straßen viele Meilen lang gebaut, wir haben Bäume gepflanzt, wir haben ein Netz von Schulen ausgebäut, wir haben eine große medizinische Organisation erhalten, wir haben eine technische Schule gegründet und sind daran, eine Universität zu eröffnen. Wir haben all dies im hellsten Tageslichte getan, während wir von Juden und Nichtjuden angefallen wurden. Wir haben es angesichts großer Widerstände getan, aber wir haben es getan, weil die Hand der Vorsehung sich für uns erhoben hat. Heute abend hat man mich einen Diplomaten genannt. Wo habe ich meine Diplomatie erlernt? In Pinsk? Nein. Balfour hörte nicht auf mich, weil ich wie ein Diplomat sprach. Was für ein Diplomat ist das, der ohne Reichtum, Armeen und Flotten und Macht hinter sich spricht? Nein, ich wurde nicht als ein Diplomat angehört. Ich hatte nichts hinter mir. Es war die Kraft von 80 Geschlechtern, es war die Kraft von Jahrtausenden, die durch mich sprach, nicht Ihr Geld, sondern unsere Weisen und Helden, all die, die heute in dem heiligen Boden Palästinas füllen. Es ist die Stimme dieser Männer, auf die die Staatsmänner der Welt, die harten praktischen Staatsmänner gehorcht haben. Meine arme- Stimme, ohne Prestige, ohne Reichtum, ohne soziale Stellung'wäre verloren und übertönt worden. Fs ist die Stimme der Geschichte, die durch mich sprach, und dieser Stimme muß die Tat folgen. Die britische- Regierung verlangt Ihre Mitarbeit. Werden Sie sie geben? Es wird ein Tag kommen, da werden Sie zur Rechenschaft gezogen werden, da werden Sie die Stimme Palästinas hören, die Sie herausfordern und Ihr Leben vielleicht schwerer machen und Sie fragen wird, was Sie in diesem großen Augenblick getan haben. Bemerkungen Und die deutschen Juden? Die Juden Amerikas waren im kritischsten Zeitpunkt der neueren jüdischen Geschichte die Retter der bedrohtesten Komplexe der europäischen Judenheit und ohne ihre Hilfe wären gewiß viele Tausende jüdischer Menschenleben mehr zugrunde gegangen, als wir ohnehin im europäischen Osten zu beklagen haben. Über diese Hilfe aus unmittelbarer materieller und politischer Not hinaus haben die Juden Amerikas in breiten Schichten dank der intensiven Werbetätigkeit Chaim Weizmanns vor allem den Palästinagedanken begriffen und einen ganz erheblichen Teil der Aufbaulasten übernommen. Wenn gegenwärtig die Ausgestaltung der Jewish Agency, der jüdischen Körperschaft, die neben der englischen Verwaltung den Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte leiten und fördern soll — im Vordergrund des Interesses steht, so. vor allem durch die erfreuliche Tatsache, daß die führenden amerikanischen Juden den Willen haben, sich an der Jewish Agency und an den Lasten des Aufbaues zu betätigen. Gewiß, Amerika kennt nicht das Nachkriegselend der europäischen Staaten mit der zerrütteten Währung und es ist angemessen, daß die Juden dieses verhältnismäßig glücklichsten Landes einen großen Teil der Lasten tragen. Aber die Zurückhaltung der Juden mancher Länder und vor allem Deutschlands, kann nicht durch ihre materielle Not begründet werden. Es ist schlimm genug, daß die deutschen Juden selbst von den amerikanischen Juden Almosen in erheblichem Maße genommen haben. Etwas anderes bedeutet es doch nicht, wenn aus Amerika Gelder zur Erhaltung kultureller und sozialer Anstalten in Deutschland übernommen worden sind, ln Wirklichkeit liegt die Notwendigkeit zur Beanspruchung und Annahme solcher Almosen zu keinem Zeitpunkt vor. Vielmehr ist das jüdischsoziale Gewissen weitester Schichten der Juden in Deutschland (deutscher und anderer) beschämend stumpf geworden. Dies allein ist auch die Ursache, weshalb die Juden Deutschlands ihre Pflichten um den Palästina-Aufbau so völlig vernachlässigen. All die Argumente von „schweren Zeiten“, „schwierigen Verhältnissen“ und den „größeren Pflichten um die Gemeindeinstitutionen“ und was dergleichen mehr ist, sind, wenn nicht subjektiv, so zweifellos objektiv leere Ausreden. Man gibt nichts für den Palästina-Aufbau, der allein die Judenheit aus’ der entsetzlichen materiellen, politischen und moralischen Not unserer Tage herausführen kann mit Rücksicht auf die Not der Wohlfahrtsanstalten — und läßt diese von den amerikanischen Juden aushalten. Die deutschen Juden können ihre Passivität gegenüber den Lebensfragen der Gesamtjudenheit nicht fortsetzen. Wenn schon alles' moralische Pflichtgefühl, das "aus der früher einmal führenden Stellung der deutschen Juden in der Judenheit herzuleiten wäre, verloren gegangen ist, so müßte die ungemein kritische Lage der Juden in Deutschland selbst dazu mahnen, neben den Palliativmittelchen der bemerkenswert erfolglosen „Abwehrpolitik“ an der Fundierung der jüdischen Zukunft mit allen Kräften mitzuarbeiten: am Aufbau der jüdischen Gemeinschaft im jüdischen Lande. In dem Augenblick, in dem diese Zeilen den Lesern zugehen, befinden sich viele von Ihnen in Urlaub, losgelöst vom Alltag. Mögen die Stunden der Erholung manchem auch zu gründlichem Nachdenken und gründlicher Selbstprüfung der Stellung zu jüdischen Dingen führen. Wir glauben, daß die Stunde ernsten Besinnens abseits vom Alltag und den ihn beherrschenden Erwerb dazu führen muß, die jüdische Situation auch des einzelnen neu abzugrenzen und für die viel zu vielen, die bisher noch dem Palästinagedanken fremd oder teilnahmslos gegenüberstehen, zu tatkräftiger Mitwirkung führen. K. C. Ideologie Am 27. Juli tagte diesmal in Würzburg der K. C. (Kartellkonvent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens). Der ausgegebene Bericht besagt: Den Auftakt für die eigentliche Tagung bildete der Begrüßungskommers. Der Vertreter des Central-Vereins, Dr. Rosental, führte aus, es wäre eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß wie bei gleichartigen Veranstaltungen anderer Studentenverbände die Vertreter der Öffentlichkeit und die maßgebenden Spitzen der akademischen Behörden anwesend gewesen wären. Dr. Berlak führte in seiner Tendenzrede aus, daß der K. C. in den Jahren seines Bestehens sein ursprüngliches Programm, den Kampf für den Rechtsgedanken, für die Gleichberechtigung auf dem Boden der Menschenrechte, durchgeführt hat.

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