Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 33 (15.8.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 223 Das Jüdische Echo ein Ende machen all diesem losen Geschwätz, all diesem Geflüster in den Ecken, all diesen vagen Gerüchten, daß der Keren Hajessod soviel und soviel verbraucht, daß soviele Dinge, die hätten gemacht werden sollen, nicht getan wurden, daß soviele Dinge, die gemacht wurden, nicht hätten gemacht werden sollen. Ich würde eine ehrliche Nachprüfung willkommen heißen, denn sie würde diese stille Kampagne zu einem Ende bringen, die sich ins Dunkel flüchtet, sich nicht fassen läßt und nicht bekämpft werden kann und die doch stark genug ist, Schaden zu stiften, unsere Mitarbeiter zu entmutigen und ihre Reihen zu lichten. Es ist eine Mode geworden, immer etwas Schlechtes zu finden. Jedermann ist ein Experte über Palästina: Palästina ist „hefker“, jedermanns Zielscheibe. Ein Besucher reist nach Palästina, landet in Jaffa, geht nach Jerusalem, sieht dort einige Personen, fängt ein paar Schlagworte auf und reist mit dem nächsten Dampfer nach Amerika zurück. Und dann ist er ein Expert für Palästina. Er weiß genau, was der Keren Hajessod hätte tun sollen; er weiß genau, warum es der Keren Hajessod nicht getan hat. Sein Urteil ist endgültig. Ist er nicht in Palästina gewesen? Hat er nicht gesehen? Und dann besteht jede Regierung natürlich aus Verschwendern und Narren. Dies ist ein unerschütterlicher Grundsatz. Aber jede Regierung verfügt über ein Steuersystem. Sie hat eine Organisation für die Steuererhebung. Geben Sie mir das Recht, Steuern aufzuerlegen, und ich werde gern all die Verantwortung tragen, die damit zusammenhängt. Aber kritisiert werden — ohne Geld zu erhalten — ist ein schlechter Vorschlag. Einerseits fordern unsere Kritiker von uns die Methoden und Leistungen, die sie von einer Regierung verlangen. Andererseits können sie uns nicht die Gewalt einer Regierung geben. Aber wir lehnen es ab, mit zwei' Stöcken ungleich geschlagen zu werden. Ich behaupte, wenn Sie in Betracht ziehen, daß hier ein Volk über die ganze Welt zerstreut ist, ohne gesetzliche Macht über die, die sich ihm zugehörig erklären, und mit der bloßen Macht des moralischen Appells; wenn Sie ferner in Betracht ziehen, daß dieser Appell einem Lande gilt, das oft 5000 Meilen entfernt ist, und daß zahlreiche Appelle für andere, nähere und greifbarere Werke erfolgen; wenn Sie ferner die vielen Äußerungen von Juden und Christen gegen Palästina in Betracht ziehen, und schließlich wie hart diese Zeiten sind, wie wir es mit schwierigen Problemen und mit einem schwierigen Volke zu tun haben; wenn Sie all diese Dinge in Betracht ziehen; dann ist die Leistung des Keren Hajessod etwas, worauf wir stolz sein könnten. Es ist wichtig, daß wir das sagen, nicht als ein Selbstlob, sondern als die Gegenrechnung der Wahrheit gegenüber den Behauptungen leichtfertiger Kritik. Ich hatte jüngst Gelegenheit, mit einem Vertreter der britischen Regierung über das Geld zu sprechen, das die Juden nach Palästina bringen. Ich überreichte ihm eine Tabelle unserer Einnahmen und er sagte; „Das ist eine ungeheure Summe“. Seit dem Kriege flössen nach Palästina aus jüdischen Quellen 40 Millionen Dollars. Vergleichen Sie dies mit der Summe, die in Großbritannien während des Krieges für das Rote Kreuz gesammelt wurde, zu einer Zeit, als das Volk auf dem Höhepunkte fieberischen Enthusiasmus war. Großbritannien ist sehr reich, weit reicher als die Juden. Dennoch hat das Rote Kreuz unter dem Drucke der öffentlichen Meinung und in organisierter Anspannung nicht mehr als 50 Millionen Dollars gesammelt. Und wenn Sie vergleichen, was bisher in Palästina im Bau neuer Häuser, in der Einwanderung und Ansiedlung neuer Menschen, in der Kreditgewährung an Kaufleute und Gewerbetreibende usw. geleistet wurde, wenn Sie dies vergleichen mit dem, was Frankreich, ein reiches und organisiertes Land, für den Wiederaufbau getan hat, dann werden Sie wiederum finden, daß wir den Vergleich bestehen können. Unterschätzen Sie nicht die Leistungen des Keren Hajessod. Wenn Sie heute in Palästina überall reges Leben finden, wenn die Einwanderung weitergeht, wenn unsere Beziehungen zu der britischen Regierung normal sind, wenn unsere Beziehungen zu unseren Nachbarn besser sind als vor zwei Jahren, so ist dies ausschließlich den Anstrengungen der Zionisten und des Keren Hajessod zu danken. * Wenn es heute so viele Kreise gibt, die bisher der Möglichkeit eines Aufbaues Palästinas feindlich gegenübergestanden haben und nun sie ernstlich erwägen, so ist dies einer grundlegenden Tatsache zu verdanken, nicht so sehr vielleicht der Balfour-Deklaration, nicht so sehr vielleicht dem Mandate, sondern in letzter Linie vor allem unseren Leistungen in Palästina. Es ist die Kraft der 30 000 Chaluzim, die diese Leute in den Kreis des Aufbaues Palästinas ziehen. Der Grund dafür ist, daß der Aufbau Palästinas Wirklichkeit geworden ist, eine Wirklichkeit in der Tat und eine Wirklichkeit im Mandate, daß es laut an der Tür pocht, daß dort auf den Feldern Palästinas eine ungeheure Opferfreudigkeit und ein ungeheurer Idealismus konzentriert sind. *• * Wir, die wir nicht dessen verdächtigt werden können, daß wir die jüdische Einwanderung nach Palästina ungern sehen, müssen heute der britischen Verwaltung in Palästina sagen: „Ihr müßt die Tore Palästinas schließen!“ Denn der Schlüssel zu den Toren Palästinas liegt nicht in Sir Herbert Samuels Tasche, sondern in Ihren Taschen. Es liegt an Ihnen, die Türen Palästinas weit aufzumachen oder sie denen vor der Nase zuzuschlagen, die Einlaß suchen. Ich fordere Sie heraus, Juden New Yorks, Sie halten den Schlüssel zu den Toren Palästinas, Tadeln Sie nicht 'die britische Regierung, klagen Sie nicht die Verwaltung Palästinas an. Die werden das tun, was Sie ihnen ermöglichen. 250 Dollars werden einen Chaluz in Palästina ansiedeln, werden ihn in solcher Art ansässig machen, daß er durch die Arbeit seiner Hände und seines Kopfes dort leben und seine Kinder aufziehen kann. ' # In einer Stimmung von Kleinmut haben manche darauf hingewiesen, daß es sehr bedauerlich ist, daß der Präsident der Zionistischen Organisation nach New York oder San Francisco oder nach Amsterdam reisen müsse, um den Juden verständlich zu machen, was vorgeht. Es mag oder es mag auch nicht bedauerlich sein, aber lassen Sie mich sagen, daß ich mich durchaus nicht bedauere. Es ist ein Vorrecht, dies tun zu dürfen, und ich kann mir keinen anderen Mann denken, mit dessen Stellung ich meine vertauschen wollte. Hier stehe ich, ohne Schutzleute, ohne Armee, ohne Flotte, um mit einer kleinen Schar von Mitarbeitern eine Aufgabe durchzuführen, die wahrlich unerhört ist; um zu versuchen, ein Land aufzubauen, das 2000 Jahre wüst gelegen hat, mit einem Volke, das für 2000 Jahre wüst gelegen hat, und zu einer Zeit, da die eine Hälfte dieses Volkes, vielleicht die beste Hälfte, durch einen