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Das jüdische Echo · 1924-08-15 · 33 (15.8.1924) · p. Seite 222

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
33 (15.8.1924)
Date
1924-08-15
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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222 Das Jüdische Echo Nr. 33 Es ist wahr, daß unsere Botschaft noch nicht alle Juden erreicht hat, und vielleicht ist dies ein Vorwurf gegen uns, nicht gegen sie, weil wir nicht hart genug gearbeitet haben. Aber das zionistische Ideal breitet sich aus. Es dringt immer weiter, und ich will Ihnen ein Beispiel dieser Ausbreitung geben. Vor wenigen Monaten auf dem Rückwege von Palästina kam ich in Kairo an. Als mein Zug in die Stadt einfuhr fand ich den Bahnhof voll von jubelnden, heulenden, schreienden Juden, die mich als den jüdischen Zaghlul begrüßten. Es waren dies eigenartige Juden, sephardische Juden aus den Bazaren Kairos, die arabisch und hebräisch sprachen, Juden, die bis in die allerletzte Zeit niemals etwas vom Zionismus gehört hatten. Von Kairo fuhr ich nach Rom, und dort ist eine Straße, die das alte jüdische Ghetto ist. In dieser Straße ist eine Synagoge, von der die Überlieferung behauptet, daß sie dort seit den Zeiten vor der Zerstörung des Tempels steht. Die Juden in diesem Ghetto sprechen hebräisch und einen italienischen Dialekt. Aus einfachem Interesse ging ich hin, um sie zu sehen. Irgendwie wurde es bekannt, daß ich unter ihnen war, und bevor ich recht wußte, was vorgeht, hatte sich eine Menschenmenge angesammelt, und nur mit all meiner Beredsamkeit konnte ich sie daran hindern, mich zu einem bestimmten Orte in Rom zu ziehen — dem Titusbogen. Sie wollten eine Demonstration veranstalten. Sie wollten mich in meinem Wagen nur zu einem Platze in Rom ziehen — zum Titusbogen, zu dem Bogen, unter welchem Titus durchgezogen ist, als er von der Zerstörung Jerusalems zurückkehrte, und durch welchen er die jüdischen Gefangenen geführt hat, die er von Jerusalem zurückgebracht hatte. Es bedurfte all meiner Überredungskraft, um diese Juden daran zu hindern, diese seltsame Demonstration zu veranstalten, mit ihren außerordentlichen Verwicklungsmöglichkeiten, mit ihrem außerordentlichen Symbolismus. Aber noch, vor wenigen Jahren hatten die Juden Italiens niemals etwas vom Zionismus gehört. Es gibt noch immer Juden in Rom, ebenso wie es solche in New York gibt, die noch immer wenig vom Zionismus wissen, aber sie wissen, daß irgend etwas geschieht, sie fühlen, daß irgend etwas vor sich geht, daß eine Welle das Judentum mit sich fortreißt. Es ist wahr, daß Kairo und Rom näher zu Jerusalem liegen als New York und Philadelphia. Es kann etwas länger dauern, zwei oder drei Jahre mehr, bevor diese Welle bis nach Brooklyn dringt. Aber wir haben 2000 Jahre auf die Juden Brooklyns gewartet, und ein oder zwei Jahre mehr bedeuten nichts. Wir werden sie gewinnen. * Wenn wir unsere Sache den Juden darlegen, finden wir uns selbst eingeschlossen innerhalb eines Fehlerkreises. Um ihr Geld zu erhalten, müssen wir Palästina zu einer Wirklichkeit machen; um Palästina zu einer Wirklichkeit zu machen, müssen wir ihr Geld haben. Deswegen ist unsere Aufgabe schwerer als die Aufgabe anderer — aber deshalb sind wir Zionisten. * Ich glaube, est ist keine Übertreibung, zu behaupten, daß nirgendswo in der Welt auf einen Quadratkilometer Boden so viel Energie, so viel Idealismus, so viel Intelligenz und so viel Bemühen vereinigt ist, wie auf dem Quadratkilometer, wo unsere Chaluzim arbeiten, träumen und leiden. Ich habe Männer davon erzählen hören, die gerade von Palästina gekommen waren — Nichtjuden — und sie sagten, daß sie diese Art Menschen nicht verstehen. Die Chaluzims sind eines unserer Wunder. Vielleicht ist es der angesammelte Idealismus von Generationen, der von ihren Ahnen ihnen überkommen ist und der heute in Palästina ausströmt und zur Tat wird. Dieser Schatz von Idealismus, diese treibende Kraft, macht Erdarbeiter aus Universitätsstudenten und Universitätsstudenten aus Erdarbeitern. * Seit Palästina für die Einwanderung geöffnet wurde, kam eine Anzahl jüdischer Pioniere ins Land. Viel ist über sie gesprochen und geschrieben worden. Aber ich habe das Vorrecht gehabt, sie nicht nur in Palästina zu sehen, sondern auf dem Wege nach Palästina. Ich bin einer von ihnen. Ich gehöre zu ihnen. Ich gehöre zu jenen jüdischen Gassen, zu jenen dunkeln Schlupfwinkeln des Ghettos, woher sie kamen. Sie kamen von überall her. Sie marschierten über die eisbedeckten Steppen der Ukraine, über die Sümpfe Rußlands. Wenn Sie aufmerksam horchen, werden Sie den Marsch hören. Sie werden hören, wie sie Wüsten durchqueren, felsige Straßen überschreiten, barfuß, oft nichts anderes als ein kleines Buch in ihren Taschen. Hinter ihnen liegt nichts als die Gräber ihrer Märtyrer, und das einzige Ziel vor ihnen ist ein Hafen in Rumänien. Von diesem Hafen gehen Schiffe aus nach Jaffa, und sie landen in Jaffa. Ich will Ihnen nicht das Epos der Landung in Jaffa beschreiben. Dort aber siedeln sie in Zelten; leben von Brot und Tomaten und leiden an der Malaria. Sie bewalden Hügel und brechen Steine, sie bauen Straßen und pflanzen Bäume, sie senden ihre Kinder zur Schule und singen hebräisch und beten hebräisch und schreiben hebräisch. Und sie bauen das alte Land Israels. Erst kürzlich traf ich zwei Männer, die ihre Eindrücke über Palästina bald veröffentlichen werden. Es sind keine Judenfreunde. Sie sind es nie gewesen. Diese Männer haben mir erklärt, daß sie diese Menschen nicht verstehen können. Sie können keine Parallele zu ihnen in der Weltgeschichte finden, zu Menschen, die in der einen Hand den Pflug und in der anderen ein Buch halten, die in der einen Tasche Bücher und in der anderen einen Revolver mit sich tragen, die Tag und Nacht mit der einen Hand aufbauen und mit der anderen verteidigen und die dies mit einem Lächeln tun. Ich bin in den jüdischen Dörfern und in den jüdischen Siedlungen gewesen und ich habe sie dort gesehen, nicht wohlgenährt, nicht gut gepflegt, aber ihr Vieh fütternd, während sie selbst hungerten, denn Vieh ist notwendig für den Aufbau des jüdischen Heims. Dies ist der Geist, der diese Menschen beherrscht, Juden New Yorks. Sie gehören ebenso guten Familien an, einer ebenso guten Rasse wie Sie und ich, wenn nicht einer besseren. Sie wissen, was es bedeutet, ein Land aufzubauen, und ein so schwieriges Land wie Palästina, vor den Augen der ganzen Welt, die sie beobachtet, prüft und versucht, die jeden Fehler vergrößert und jeden Erfolg verkleinert. Unter dieser Anspannung stehen sie fest auf dem Boden Palästinas, und das ist vielleicht der Grund, warum von ihrem Werke ein so mächtiger Appell ausgeht. Der Augenblick für ein unparteiisches Urteil einer unabhängigen Autorität über unsere Arbeit in Palästina ist gekommen, und ich bin völlig mit der Anregung einverstanden, daß eine Kommission amerikanischer Juden zu diesem Zweck nach Palästina gehen soll. Ihre Kritik und ihre Anregungen wären willkommen und würden aufmerksam geprüft werden. Aber ein für allemal, laßt uns

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