Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1924-08-08 · 32 (8.8.1924) · p. Seite 214

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
32 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
Seite 214 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9103074-9152600--06145-9078847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

214 Das Jüdische Echo Nr. 32 Griechenland Wachsende jüdische Einwanderung in Palästina aus Saloniki. Die Einwanderungsbewegung von Juden aus Saloniki nach Palästina nimmt von Tag zu Tag zu. In den letzten Tagen ist eine große Gruppe von 70 Personen, Männern und Frauen, in Palästina eingetroffen, darunter eine Anzahl von Familien von Handwerkern und Kaufleuten, die sich im Lande niedergelassen haben. Andere, Großkaufleute und sonstige vermögende Juden, kamen, um die wirtschaftlichen Bedingungen des Landes zu studieren und ihre Übersiedlungsmöglichkeit zu prüfen. Die erwähnte Gruppe aus Saloniki ist bereits die zweite, die von dort in Palästina einwandert. (Ziko) England Großer kommerzieller Erfolg der Jaffa-Orangen auf der Reichsausstellung in Wembley In dem Palästina-Pavillon der Britischen Reichsausstellung in Wembley werden hauptsächlich die Orangen aus Jaffa verkauft. Seitdem der britischen Königin beim Besuch des Pavillons ein Kistchen Jaffa-Orangen als Präsent überreicht worden ist, verlangt das Publikum sehr stark diese Früchte. In der letzten Zeit wurden täglich etwa 7000 Orangen einzeln verkauft. (Ziko.) Südafrika Begrüßung der KH-Delegierten durch den Premierminister von Rhodesia. Der Delegierte des Keren Hajessod in Südafrika, Herr Dr. Alexander Goldstein, ist auf seiner Tournee durch das Land in Salisbury in Rhodesia eingetroffen, um dort die Arbeit für den KH zu organisieren. In einer großen Versammlung, die bald nach der Ankunft Dr. Goldsteins abgehalten wurde, begrüßte ihn der Premierminister von Rhodesia mit warmen Worten und drückte ihm im Namen der Regierung sein Interesse an der Gründung des jüdischen nationalen Heims in Palästina aus. Wie gleichzeitig aus Südafrika gemeldet wird, sind gleichzeitig bei der diesjährigen KH-Kampagne bisher insgesamt 60 000 £ gezeichnet worden, was bei einer Bevölkerung von 60 000 Juden die hohe Quote von 1 £ pro Kopf vorstellt. (Ziko) literarisches Echo Franz Rosenzweig: Sechzig Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevi. Deutsch. Verlag: Oskar Wöhrle, Konstanz. Preis geb. Mk. 6.—. Vorrätig in der „Ewer“-Buchhandlung, Ottostr. 2. Wer Franz Rosenzweig kennt, stellt an ein Werk, welches ihn zum Verfasser hat, große Ansprüche; auch in der Übersetzung dieser kleinen Auswahl Halevischer Dichtungen hat Rosenzweig gezeigt, daß er wie kein zweiter zu derartiger Übertragung befähigt ist. Besonders lesenswert ist das Nachwort Rosenzweigs zu diesen Hymnen, wo er ausführt, daß im Gegensatz zu anderen Übersetzungen seine Arbeit nichts weiter als eine Übersetzung sein soll. Eine Probe aus dem Werke geben wir heute durch: „An Zion“; diese dürfte genügen, um die Leser zu veranlassen, dies herrliche Buch ihrer Bibliothek einzuverleiben. „Der Jude“. Eine Monatsschrift, herausgegeben von Dr. Martin Buber im Jüdischen Verlag G. m. b. H., Berlin NW. 7, Dorotheenstr. 35. Das 7. Heft des 8. Jahrganges ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: W o 1 f g a n g Schumann : Deutsche und jüdische „Schuld“ und Aufgabe / Arjeh Tartakower: Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus / Alb e r t uni mini in mm ui Feuilleton | | ||||| llll 111 III Kn Zion Die Klage des Jehuda Halevi zum 9. Ab Deutsch von Franz Rosenzweig Zion! nicht fragst du den deinen nach, die Joch tragen, Rest deiner Herden, die doch nach dir allein fragen? West, Ost und Nordsturm und Süd, — o laß von ihnen den Gruß All deiner Glieder, so fern, so nahe, dir sagen. Gruß des, den Sehnsucht umstrickt, des Träne wie Hermons Tau; O sank’ auch sie doch hinab zu deinen Berghagen. Wein ich dein Leid, Schakal werd ich; träum ich dich fronbefreit, Bin ich die Harfe, zu deinen Liedern zu schlagen. Nach Machanahim, nach Bethel, Pniel hindrängt mein Herz, Und wo die deinen noch sonst der Gottesschau pflagen. Hier kam der Höchste zu dir herab; und der dich erschuf, Brach deine Tore gemäß den Himmelstor-Lagen. Und Gottes Lichtglanz umstrahlte dich, — wie konnten da noch Sonne und Mond und der Sterne Lichter dir tagen? Wie könnt’, die Seel’ ich da auszugießen, wo Gottes Geist Auf deine Großen sich goß — wie könnt’ ich wohl zagen. Königspalast du, du Gottesthron, wie dürfen des Knechts Enkel, zu sitzen auf deiner Herren Thron, wagen. O trüge dort mich der Fuß, wo deinen Sendboten Gott, Deinen Propheten er Antwort gab auf ihr Fragen. O hätt’ ich Flügel, wie wollt’ ich, mein zerrissenes Herz In deinen Rissen zu bergen, hin zu dir jagen. Aufs Antlitz sänk’ ich, auf deinen Boden, und dein Gestein Herzt’ ich, und liebkoste deinen Staub mit Wehklagen; Und stünde dann vor der Ahnen Grüften durchschüttert ganz, In Hebron vor deinen stolzesten Sarkophagen, Durchstrich’ dein Waldland, die Traubengärten, und ständ’ im Süd Vor jenen zwei Bergen, neu erschüttert voll Zagen, Hör und Abarim, wo sie, dein großes Doppelgestirn, Deine zwei Leuchter und Lehrer einst im Tod lagen. Leben der Seele, o deine Luft! Gewürzduft von Myrrh’n Duftet dein Staub, Honig träuft der Welle Anschlägen. Barfuß und bloß durch die Trümmerwüsten wandern, die einst Dein Tempel waren — wo gäbs gleich köstlich Behagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.