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Das jüdische Echo · 1924-08-08 · 32 (8.8.1924) · p. Seite 213

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
32 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 213 bundes uberzeugt, deren Streben tatsächlich dahin geht, die europäischen Verhältnisse einer Gesundung zuzuführen. Daß man mich trotz meiner Kritik von damals erneut zur Mitarbeit an Problemen des Völkerbundes aufgefordert hat, ist mir gleichfalls ein Beweis dafür, daß es den Männern, denen die Vertretung des Völkerbundes obliegt, nur um die Sache geht und nicht um persönliche Fragen. Ich habe mich deshalb entschlossen, meine Mitarbeit wieder aufzunehmen, um auf diese Weise der Versöhnung der Völker zu dienen. Mein persönlicher Eindruck von den bisherigen Arbeiten der Kommission, der ich angehöre, ist sehr günstig. Ihre Mitglieder sind im besten Sinne des Wortes gute Europäer, die, ohne jedes Vorurteil, nur der Schaffung einer neuen Internationale der geistigen Arbeit dienen wollen. Ich muß dabei besonders betonen, daß man bei allen Plänen, die man hegt, und bei allen Veranstaltungen Deutschland und seine Vertreter so behandelt, als ob es bereits vollgültiges Mitglied des Völkerbundes wäre. Österreich Wertvolle Bereicherung des Wiener jüdischen Museums Wien (J.T.A.). Die Leitung des Wiener jüdischen Museums hat von der Regierung eine große Sammlung Metallgefäßeantiken jüdischen Charakters käuflich erworben. Während des Weltkrieges hat die österreichische Regierung in jüdischen Häusern und Synagogen Galiziens Requisitionen vorgenommen und alles Metall für Munitionszwecke beschlagnahmt. Gegenstände antiken Wertes wurden nicht eingeschmolzen, sondern gesammelt. Auf diese Weise entstand eine ungemein interessante Sammlung von jüdischen rituellen Gefäßen und Hausgerät, von welchem manche Stücke viele Hunderte Jahre alt sind. Diese Sammlung ist nun in den Besitz des jüdischen Museums übergegangen. Polen Der Drang nach Palästina in Polen Warschau (J.T.A.). Das vom polnischen Palästina-Amt herausgegebene Nachrichtenblatt teilt mit, daß in diesem Augenblick 920 Chaluzim und qualifizierte Arbeiter auf Einreisezertifikate für Palästina warten. Außerdem haben sich für die nächsten Zertifikate 215 Weber, 250 „Chaluzoth“ und 1200 Angehörige anderer Berufsklassen vormerken lassen. Die Wilnaer Hechaluz- Konferenz, sowie das Zentralkomitee des Hechaluz in Polen haben sich telegraphisch an die Zionistische Exekutive, sowie an die Arbeiterorganisation in Palästina gewendet und um die Übersendung von mindestens 500 Reisezertifikaten gebeten. Der Hechaluz in Polen umfaßt 150 Organisationen mit 4000 Mitgliedern. Nunmehr wurde dieser Tage an die A. C.-Tagung in London ein Telegramm gesendet, in welchem darauf hingewiesen wird, daß 920 qualifizierte reisefertige Chaluzim auf die Einreise- Erlaubnis warten. Das Aktions-Komitee wird aufgefordert, bei der Palästina-Regierung die Ausgabe von 1000 Einreise-Visen für polnische Chaluzim zu erwirken. Unterschrieben ist das Telegramm vom zentralen Palästina-Amt in Polen, den Zentralkomitees der Zionistischen Organisation, des Misrachi, des Zeire Zion, der Hitachdut, der Poale Zion und des Hechaluz. Chaluzim auf polnischen Gütern Lemberg (J.T.A.). Wie dem, J.T.A.-Vertreter seitens der Hechaluz-Zentrale mitgeteilt wird, sind gegenwärtig mehir als 400 Chaluzim und Ghaluzoth als landwirtschaftliche Arbeiter auf polnischen Gütern beschäftigt. Die Beziehungen der polnischen Gutsbesitzer und der polnisch landwirtschaftlichen Arbeiter zu den Chaluzim ist ausgezeichnet. Die polnischen Gutsbesitzer rühmen die Tüchtigkeit der jungen Juden und Jüdinnen und sind besonders über deren Verlässlichkeit, die ihnen Wächter erspart, sehr erfreut. Bulgarien Der Bulgarische Außenminister über die Lage der Juden in Bulgarien Sofia (J.T.A.). Der Minister für auswärtige Angelegenheiten in Bulgarien, Herr Kalfoff, erklärte in einem Interview mit Dr. Victor Jacobsohn, dem besonderen Emissär der Zionistischen Organisation und des Keren Hajessod für Bulgarien, folgendes: In Bulgarien existiert kein Antisemitismus. Die Juden genießen hier nicht nur alle Rechte, sondern auch alle Achtung. Man kennt ihren Patriotismus und weiß ihre im Kriege geleisteten Dienste zu würdigen. Sie nehmen regen Anteil an Handel und Industrie des Landes. Antisemitische Propaganda findet hier keinen Eingang. Leider ist es Tatsache, daß sich unter den Opfern gewisser erpresserischer Individuen Juden befanden. Die Regierung hat nicht verabsäumt, gegen die Schuldigen mit allen Mitteln einzuschreiten. Die Lage in Bulgarien, setzte der Minister fort, gleicht derjenigen in den anderen besiegten Ländern, Bulgarien hat eine schwere ökonomische und moralische Krisis durchgemacht. Die Disziplin und die Ordnungsliebe, die Bulgarien vor dem Kriege charakterisierten, wurden erschüttert. Es ist darum erklärlich, daß die Regierung trotz allen Anstrengungen, im Lande wieder normale Verhältnisse herzustellen, noch nicht einen vollen Erfolg haben konnte. Dies machen sich die weniger ordnungsliebenden Volksschichten zunutze. Herr Kalfoff versicherte, daß die bulgarische Regierung der Wiederherstellung des jüdischen Nationalheims in Palästina mit entschiedener Sympathie gegenüberstehe. Herr Kalfoff versicherte Dr. Jacobsohn, daß er ihm in allen das jüdische Leben in Bulgarien, sowie den Wiederaufbau Palästinas betreffenden Fragen gern zur Verfügung stehen wolle. Rumänien Die Bombenattentäter von Josasel geständig. Wien (J.T.A.). Nach einem Telegramm aus Budapest wurden die Urheber des Anschlags, dem die Synagoge Joszahely (Josasel) zum Opfer fiel, verhaftet und sie haben bereits ein Geständnis abgelegt. Es sind dies der Universitätshörer Pavel Ivan aus Klausenburg und der Taglöhner Paul Serb. Wie weiter festgestellt wurde, war die Absicht der Attentäter darauf gerichtet, die in der Synagoge versammelten Gläubigen ums Leben zu bringen. Da aber die Zündschnur zwei Stunden länger zur Zündung brauchte als berechnet worden war, und sich daher die Explosion verzögerte, wurden Menschenleben nicht betroffen. Die jüdischen Reisenden meiden die Eisenbahnen in Transsylvanien. Klausenburg (J.T.A.). Die unaufhörlichen antisemitischen Überfälle auf die jüdischen Passagiere der transsylvanischen Eisenbahnen haben dazu geführt, daß die Juden die Eisenbahnen überhaupt meiden. Es wurde ein besonderer Automobilverkehr für jüdische Reisende an den wichtigeren Verkehrspunkten eingerichtet.

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