Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 32 (8.8.1924)
- Date
- 1924-08-08
- Page
- Seite 212 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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212 Das Jüdische Echo Nr. 32 ausgesprochen, da hing er schon an dem Drahtseil, das die Badeanstalt umschließt. An diesem hätte er sich ohne weiteres entlangziehen und retten können, wenn er nicht völlig den Kopf verloren hätte. Er blieb am Seil hängen, rief: „Holt mich doch“, und verlor die Badehose. Das ist der ganze Sachverhalt. Ich habe ihn dann noch in ein Badetuch gewickelt, damit er sich vor den Menschen nicht unverhüllt zu zeigen brauchte. Schließlich ist noch zu berichten, daß Kunze es nicht der Mühe für Wert gehalten hat, sich zu bedanken, ferner, daß er sich wirklich später, als er wieder der große Kunze war, erkundigt hat, ob ich Jude sei. Ich kann ihn wenigstens so weit entlasten, als ich mit ihm der Ansicht bin, daß die Sache nicht des Dankes wert war. Ja, ich gebe ihm sogar die Versicherung, daß ich auch weiterhin Jedem in Not Befindlichen beispringen werde, daß ich aber niemals dulden würde, daß sich ein Knüppel-Kunze bei mir bedankt.“ Völkische Propaganda für einen „Volksentscheid über die Lösung der Judenfrage“ Berlin (J.T.A.). Nach Artikel 73 der Verfassung ist ein Volksentscheid herbeizuführen, wenn Vio der Stimmberechtigten das Begehren nach Vorlegung eines Gesetzentwurfes stellt. Auf Grund dieses Artikels der Verfassung hat sich eine Organisation gebildet, die unter dem Namen „Parteilose Vereinigung eines verfassungsgemäßen völkischen Volksentscheids über die Lösung der Judenfrage“ Fragebogen in vielen Tausenden von Exemplaren in Deutschland verbreitet. Das Büro dieser „parteilosen Vereinigung“ befindet sich in Erfurt. Die Vereinigung verlangt, daß jeder Empfänger sich über folgende 5 Anträge äußert und mitteilt, für welchen der 5 Anträge er stimmt. Die Anträge lauten: 1. Sämtliche seit 9. November 1918 eingewanderten 0 s t j u d e n sind auszuweisen. 2. Sämtliche seit 1. August 1914 eingewanderten Juden sind auszuweisen. 3. Wie Antrag 1, jedoch mit dem Zusatz: ihr Vermögen ist — soweit unrechtmäßig erworben — zu beschlagnahmen. Damit sind die um den Ertrag ihrer Arbeit betrogenen Kriegsanleihe-Zeichner und Sparer, zuerst die kleineren Sparer, zu entschädigen. 4. Wie Antrag 2 mit dem Zusatz: ihr Vermögen ist — soweit unrechtmäßig erworben —. zu beschlagnahmen. Damit sind die um den Ertrag ihrer Arbeit betrogenen Kriegsanleihe-Zeichner und Sparer, zuerst die kleineren Sparer, zu entschädigen. 5. Wie Antrag 4 mit dem Zusatz: Die unter uns lebenden Juden sind unter Fremdenrecht zu stellen und wie jeder Angehörige eines fremden Staates zu behandeln. Eine besondere Judenordnung ist auszuarbeiten und zum Gesetz zu erheben. Beigefügt ist eine genaue Richtlinie für die parteilose Vereinigung zur Vorbereitung des Volksentscheids, in der genau angegeben ist, wie unter Zusammenfassung von Ortsgruppen, Kreisen usw. die Abstimmung vorzunehmen ist. Es wird darauf hingewiesen, daß nur wahlberechtigte Personen abstimmen dürfen. Bezeichnenderweise wird zugleich intensiv für die Stiftung von Beträgen zur Deckung der Unkosten geworben. Ein neuer Pälästinafilm Die Mitteldeutsche Filmfabrik A.-G. in Leipzig beabsichtigt, zusammen mit der Werku. Werbsfilm-G. m. b. H. in Leipzig, einen neuen großen Palästinafilm aufzunehmen, und entsendet zu diesem Zweck eine besondere Expedition nach Palästina. Die Vorbereitungen hierfür sind in vollem Gange. (Ziko.) Das Verbot der jüdischen Gedenkfeier eine Beleidigung aller Frontkämpfer Berlin (J.T.A.). Zu dem inzwischen wieder aufgehobenen Verbot einer Feier an den Kriegsgräbern des jüdischen Friedhofs in Weißensee schreibt Generalleutnant a. D. Freiherr v. Stein an die Presse: „Das Verbot einer Feier an den Heldengräbern des jüdischen Friedhofes ist eine Beleidigung aller Gefallenen, und schließlich aller Frontkämpfer... Es wäre ein feiger Verrat an allen soldatischen Ehrbegriffen, wollte man ihnen die Ehrensalven verweigern. Völkische Angriffe gegen Prof. Max Liebermann Berlin (J.T.A.). Unter der Überschrift „Der Akademie-Skandal“. — „Zur jüdischen Entwicklung der Akademie der Künste“ veröffentlicht die alldeutsche „Deutsche Zeitung“ ein längeres Feuilleton ihres Mitarbeiters Alfred Mühr, das mehrfache Anwürfe gegen den Präsidenten der Akademie der Künste, Professor Max Liebermann, enthält. In dem Artikel wird ausgeführt: „Die zum sechsten Male erfolgte Wiederwahl des jüdischen Staatsbürgers Max Liebermann zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gibt Anlaß zu notwendigen Auseinandersetzungen mit diesem seit Jahren zersplitterten und unfertigen Organismus.... Die Ausstellungen bringen regelmäßig nur Arbeiten aus ein und derselben (meist jüdischen Clique) einzelner Routiniers und Kraftjongleurs.... Man lehnt jeden jungen deutschen Zustrom ab. Man will dort unter sich bleiben. Darüber geht die Entwicklung deutscher Kunst vor die Hunde! Die Berliner Akademie der Künste ist unter Führung Max Liebermanns zum Sammelpunkt jüdischer Künstler geworden, deren Ziel dahin geht, das Berliner bezw. deutsche Kunstleben völlig zu unterdrücken. Liebermann ist Jude. Für sein Akademie- Präsidium besteht der klaffende rassische Widerspruch zwischen Germanen und Juden. Die Kunst zeigt den stärksten Ausdruck der Rasse. Als Leiter der Akademien der Künste müssen wir Liebermann instinktiv ablehnen. Ein Jude kann niemals die Ziele germanischer Kunst vertreten.. Es muß einer siebenten Wahl vorgebeugt werden! Sie ist bei dem mangelnden völkischen Überblick deutscher Kreise möglich... Wir müssen deutsche Kunst aufzüchten, die den jüdischen Modernen mit den reinen Waffen der Bodenständigkeit und dem Heimatsrecht entgegentritt. Diese junge völkische Kunst muß in der Akademie ein Heim finden, Freunde und Berater ... Liebermann behält als Jude vorwiegend die Ziele seiner Rasse im Auge, und die widersprechen unserem Volkstum. Deshalb ist sein Präsidium eine völkische Schande.“ Professor Einstein über seine Mitarbeit im Völkerbund Berlin (J.T.A.). Der Vertreter des „Soz. Parlamentsdienstes“ in Genf hatte am Donnerstag eine Unterredung mit Professor Einstein, der augenblicklich in Gemeinschaft mit namhaften internationalen Wissenschaftlern in Genf an den Arbeiten der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft geistiger Arbeiter“ teilnimmt. Professor Einstein erklärte: Mein Austritt als Mitglied des Völkerbundes im vorigen Jahre geschah unter dem Eindruck der ungünstigen Verhältnisse, und weil sich der Völkerbund gegenüber den europäischen Problemen anscheinend passiv verhielt. In der Zwischenzeit habe ich mich aber von dem ehrlichen Willen der Mitarbeiter am Werke des Völker-