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Das jüdische Echo · 1924-08-08 · 32 (8.8.1924) · p. Seite 211

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
32 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 211 Es könne also nicht von einem blinden Lärm gesprochen werden. Kultusminister Dr. Matt stellte noch fest, daß er im Ausschuß mit keinem Wort die Juden in Schutz genommen habe, daß es aber seine Pflicht gewesen sei, darauf aufmerksam zu machen, wenn Anträge vorliegen, die gegen die Verfassung verstoßen und praktisch undurchführbar sind. Nach diesen Ausführungen wurden sämtliche Anträge ab gelehnt. Die Bayer. Volkspartei scheint demnach sich inzwischen den Vernunftgründen der Regierung angeschlossen zu haben. Bemerkenswert waren die Erklärungen der Regierung, besonders diejenigen des Herrn Kultusministers, daß er die Juden nicht in Schutz genommen habe. Was geschieht nicht alles, um die kochende völkische Seele zu beruhigen! Hakenkreuzwoche an der Münchener Universität Der Hochschulritng deutscher Art in München hielt letzte Woche eine sogen. „Deutsche Woche“. Sie bestand in der Hauptsache in der Abhaltung von Vorträgen in der Universität, wobei im Lichthof die völkischen Verleger einen Dultstand aufgerichtet hatten. Hier waren alle Hakenkreuzerzeugnisse in Buch- und Broschürenform: zu teilweise sehr, sehr herabgesetzten Sommerpreisen zu haben. Auch Ludendorffs antikatholische Verteidigungsredle aus dem Hitlerprozeß lag auf, wie denn auch der Herr General es sich nicht nehmen ließ, höchst persönlich an der „Deutschen Woche“ teilzunehmen. Am Abschluß dieser Woche konnte er leider „aus technischen Gründen“, wile das wohlunterrichtete Hakenkreuzorgan', der Fränk. Kurier, mitzuteilen weiß, nicht teilnehmen. Diesen Abschluß bildete eine Festvorstellung von Kleists Hermannschlacht im Prinzregententheater und hernach ein Fackelzug vom Theater bis zum Odeonsplatz. Bezeichnenderweise nahmen an diesem Zug neben den studentischen Korporationen des Waffenrings auch katholische Korporationen teil und — was vielleicht den neuen Innenminister interessieren dürfte — auch die verbotenen Verbände Oberland und Reichskriegsflagge. Das muß Tatsache sein, denn der Fränkische Kurier muß es ja wissen, nachdem sein Münchener Korrespondent selbst Mitglied einer dieser Organisationen ist. Am Odeonsplatz sollte der bekannte nationalsozialistische Agitator Stelzner aus Erlangen eine entsprechende Abschluß rede halten; das schien aber denn doch, der Polizei zu weit zu gehen. Sie gestattete dem Herrn Referendar lediglich einige harmlose Worte, so daß der Fackelzug nach der Absingung des Deutschlandsliedes ohne weiteren Zwischenfall der Auflösung anheimfiel. Diese Hakenkreuzwoche dürfte Herrn Kultusminister Ma.tt in seinen Bemühungen, den Nobelpreisträger Prof. Willstätter zu halten, gut zustatten kommen. Deutschland Die Deutschen Bnei Brith-Logen und die Pflege der Kunst Berlin (J.T.A.). Die deutschen Bnei Brith- Logen haben bekanntlich zum Ordenstage 1923 eine Kunstnummer als Festnummer erscheinen lassen. Wie der J.T.A.-Vertreter von einer führenden Persönlichkeit des Berliner jüdischen Logenlebens erfährt, hat diese Nummer eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung der Kunst unter den Logenmitgliedern ausgelöst. In Berlin, Stettin, Breslau, Magdeburg Frankfurt a. M., Chemnitz haben Kunstausstellungen von Werken jüdischer Künstler stattgefunden. In Lübeck ist eine Kunstausstellung in Aussicht genommen. Eine Bnei Brith-Loge hat der Groß-Loge Mittel für einen Kunstfonds zur Verfügung gestellt. Eine Wanderausstellung von Werken jüdischer Künstler im Interesse der kleineren und mittleren Logen ist beabsichtigt. In Berlin haben Atelier-Besuche bei Künstlern stattgefunden. Eine künstlerische Ausgestaltung der Embleme der Logen wird jetzt ins Auge gefaßt. Die dem Logenleben nahestehenden Künstler, der Maler' E. M. Lilien, der Bildhauer Jakob Plessner und andere, haben Richtlinien zur Förderung von Kunst und Künstlern durch die Logen ausgearbeitet. Unser Gewährsmann schließt mit den Worten: Die Anregungen sind auf fruchtbaren Boden gefallen. Sie sind geeignet, das Logenleben zu vertiefen und zu verschönern und zugleich — das ist auch gewiß eine beabsichtigte Folge — den jüdischen Künstlern ideell und materiell zur Seite zu stehen. Was Knüppel-Kunzes Lebensretter erzählt Berlin (J.T.A.). Der Badearzt von Leba, Dr. Posener, der bekanntlich vor einigen Tagen den radikalen Antisemiten Abg. Richard Kunze, genannt Knüppel-Kunze, vor der Gefahr des Ertrinkens gerettet hat, bittet in einem Schreiben an die Presse, seine Verdienste nicht zu übertreiben. Er schreibt: „Die ganze Sache ist nicht der Rede wert, da ich mit jedem Sturm vertraut, mich nicht in die geringste Gefahr begeben habe. Kunze badete an einem Tage, an dem ein sehr schwerer Nordweststurm herrschte; die Strömung war rasend. Aber Kunze tanzte so arglos mitten ins Wasser hinein, daß ich sofort zu meiner Frau sagte: Der wird abgetrieben. Ich hatte es noch nicht ganz POBZELLAN-NIEDEBLAfiB MÜNCHEN THEATINERSTRA SSE Jt) ft&Häitr <kr FildhtrmhmMi •BftSSTK AUSWAHL IN «CBBAHe»r«BlEIilAI (iOLICBE IA0H110AII1I«

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