Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 32 (8.8.1924)
- Date
- 1924-08-08
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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210 Das Jüdische Echo Nr. 32 Die Rolle des Keren Hajessod Der Keren Hajessod ist das finanzielle Werkzeug der Jewish Agency. Die Propaganda für den Keren Hajessod, sowie die Entgegennahme der einfließenden Gelder geschieht unter der Aegide und unter Mitwirkung der Organe der Jewish Agency. Das Direktorium des Keren Hajessod wird vom Council der Jewish Agency in der gleichen Weise wie die anderen Organe der Jewish Agency ernannt. Der Keren Hajessod wird jedoch als mitarbeitender Teil eine entsprechende Vertretung in der Jewish Agency haben. Die administrativen Kosten der Jewish Agency werden durch Besteuerung derjenigen Körperschaften gedeckt, die Repräsentanten in die Jewish Agency und in den Jewish Council entsenden. Dieser ganze Plan wird von einer Spezialkommission des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation gegenwärtig in London erwogen. Der Verlauf der Londoner A.-C.-Tagung Die General-Debatte geschlossen London (J.T.A.). In der Nachtsitzung des Zionistischen Aktions-Komitees vom 24. auf den 25. Juli wurde die General-Debatte zu Ende geführt. Hr. Blumenfeld ermahnte das Aktions-Komitee, zu einem endgültigen Entschluß in der Frage der Erweiterung der Jewish Agency zu kommen. Herr Leo Motzkin rühmte die große Arbeit Dr. Weizmanns in Amerika, bedauerte jedoch Dr. Weizmanns Auffassung betreffend die Jewish Agency. Man werde den Zionisten nur die Diaspora-Politik und die kulturelle Arbeit überlassen. Seines Erachtens könnte der vorliegende Jewish Agency-Vorschlag nicht als endgültig, angenommen werden. Man sollte die Möglichkeit der Einberufung des Jüdischen Weltkongresses zu geeigneter Zeit offen lassen. Oberrabbiner Dr. Chajes führte aus, die Amerikaner wollen gar keine besonderen Rechte. Man sollte ihnen die Arbeit für Palästina erleichtern. Herr B. Locker sprach dem Aktions-Komitee das Recht ab, über die Agency-Frage zu entscheiden. Die organisierten palästinensischen Arbeiter, sagte er, sind gegen die Erweiterung der Jewish Agency in der vorgeschlagenen Form. Palästina*Nachrichten Neuer großer Bodenerwerb des Jüdischen Nationalionds in Palästina Jerusalem (J.T.A.). Wie die Palästinensische Telegrafen-Agentur erfährt, ist der jüdische Nationalfonds eben dabei, in der Nähe des Emek Jisroel 50 000 Dunam Land käuflich zu erwerben. In dem Bericht des Jüdischen Nationalfonds an den XIII. Zionistischen Kongreß hieß es, daß der Fonds Ende April 1923 bereits 100 000 Dunam Land in seinem Besitz hatte. Die jetzige Erwerbung würde daher die Hälfte des Gesamtbesitzes des Jüdischen Nationalfonds im vorigen Jahre ausmachen. Im Jahre 5680 (1920) erwarb der Fonds in der Ebene Jisreel 2 große Areale; das eine, Nahalel genannt, umfaßt 18 612 Dunam, das zweite, Nuris, 29 425 Dunam. Im Jahre 5683 (1923) würde auf Grund einer Übereinkunft zwischen dem Jüdischen Nationalfonds und der Palestine Land Development Company (Palästinensische Landentwicklungs-Gesellschaft) eine weitere Landfläche von 17 697 Dunam erworben. Andere Landflächen, die dem Jüdischen Nationalfonds im Emek gehören, sind: Merchawja, Tel-Adas und Ruba-el-Nasar, die alle eine Gesamtfläche von 18 076 Dunam haben; außerdem Jinjar mit 4 473 Dunam und Jadjur mit 3000 Dunam Land. Alle diese Grundstücke machen zusammen eine Fläche von 73 568 Dunam aus. Herstellung einer Rutenberg-Station in Haifa Haifa (J.T.A.). Die Arbeiten zur Errichtung einer Kraftstation der palästinensischen Elektrizitätsgesellschaft in Haifa haben bereits begonnen. Das Werk dürfte in ungefähr drei bis vier Monaten fertiggestellt sein. Die neuen Stadtviertel Jerusalems An der Bahnstrecke Jaffa-Jerusalem, 1,5 km von der Hauptstadt entfernt, entwickelt sich mit großer Schnelligkeit ein neues Vorstadt-Viertel. Nachdem erst im Frühjahr dieses Jahres der Grundstein zum ersten Gebäude gelegt worden ist, sind jetzt dort bereits 17 Häuser errichtet worden. (Ziko.) Vom Solei Boneh Die Haifaer Abteilung des Solei Boneh (Bauarbeiter-Genossenschaft) hat in den letzten Tagen verschiedene Bauarbeiten in Haifa, Balfouria und dem oberen Galiläa in Höhe von 5500 <£ übernommen. In Kürze werden auch die Bauarbeiten an der Rutenberg-Station in Haifa und Tiberias begonnen werden. (Ziko.) Auftrag der Standard Oil Company an den Solelboneh Wie die „Wiener Morgenzeitung“ berichtet, hat die Standard Oil Company der palästinensischen Bau-Kooperative Solelboneh einen Bauauftrag auf 1000 Pfd. erteilt. (Ziko.) Der Fortschritt des palästinensischen Tabakbaues Der in Palästina jetzt zur Reife gelangte Tabak ist, wie von allen Sachverständigen erklärt wird, von besonderer Qualität. Der Erfolg, den die Juden mit dem Anbau des Tabaks im Lande erzielt haben, hat eine große Zahl von Arabern veranlaßt, dieses Beispiel nachzuahmen und große Strecken ebenfalls mit Tabak zu bebauen. (Ziko.) Aus der jüdischen Welt Bayern Juden-Anträge im Landtag Wie in Nr. 31 des „Jüd. Echo“ berichtet wurde, hatte der Verfassungsausschuß des bayer. Landtages einige Anträge beschlossen, welche dazu angetan waren, die jüdischen Staatsbürger in ihren Rechten zu beschränken. Im Plenum des Landtages kamen diese Beschlüsse am 1. August zur Beratung und hiebei begründete ein völkischer Abgeordneter in längeren Ausführungen, die sich in den sattsam bekannten Geleisen bewegten, den Standpunkt seiner Partei. Außer den Kommunisten beteiligte sich kein Abgeordneter an der Aussprache, bei welcher der Minister des Innern die Bemerkung machte, daß die seinerzeitige Erklärung des Ministers, daß Ausweisungen von Juden zu Repressalien führen müßten, durchaus begründet gewesen sei. Er erklärte, daß nach Mitteilung des Auswärtigen Amtes auf Grund der damals vom Generalstaatskommissar Dr. v. Kahr verfügten Ausweisung polnischer Staatsangehöriger von der polnischen Regierung die Ausweisung von etwa 1000 deutschen Familien verfügt wurde. Die Durchführung dieser Anweisung konnte nur durch diplomatische Verhandlungen verhindert werden.