Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 31 (1.8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Dis Jüdische Echo Nr. 31 falls nach dem Prinzip 50:50, und diese Exekutive schafft sich ihre Organe in Palästina. Dr. Weizmann befürwortet die Annahme dieses Planes und betont die großen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben würden. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß die Zionisten bei Intensivierung der Arbeit auch in Europa imstande sind, noch viel mehr zu leisten, als bis jetzt. Aber trotzdem sind wir auf einem Punkt angekommen, wo wir ein Budget von etwa 400 000 £ vorschlagen. Die Exekutive wird entschieden dagegen sein, dieses Budget durch Zusätze zu belasten. Unser Budget reicht gerade dazu aus, die betehenden Siedlungen zu festigen. Um aber eine größere Einwanderung und Ansiedlung durchzuführen, brauchen wir zumindest das Doppelte. „Ich halte die Verwirklichung des nationalen Heims, wenigstens in seinen ersten Umrissen, in unserer Generation für möglich. Dazu müssen wir aber den Zustand der Stagnation überwinden. Ein Merkstein auf diesem Wege ist die Jewisli Agency.“ Die Zionistische Organisation wird aus dieser Entwicklung gestärkt hervorgehen. Sie wird zwar ihre Rechte aus dem Mandat mit anderen teilen; aber sie bleibt die treibende Kraft einer viel größeren Entwicklung und wird von den quälenden Lasten etwas erleichtert, um ihrer eigentlichen Aufgabe dienen zu können. Dr. Weizmann gibt sodann ein Bild dessen, was in Palästina in der nächsten Zeit geleistet werden muß, um wirklich weiter zu kommen. Auch unser administrativer Apparat in Palästina muß neu organisiert und gestärkt werden. Die Exekutive ist heute oft in der Lage, daß sie die Dinge geschehen lassen muß und den Tatsachen nachhinkt. Infolgedessen wird die Arbeit oft von Personen geleitet, die nicht die volle Verantwortung nach außen hin tragen, und dieser Zustand ist für die Exekutive unerträglich. Dr. Weizmann schließt mit dem Appell, das Aktionskomitee möge die Situation mit allem Ernst abwägen und den Weg gehen, der die zionistische Sache wirklich vorwärts bringt. Die Debatte Nach den Berichten Dr. Weizmanns und Sokolows ging man zur allgemeinen Debatte über, die von Dr. Artur H a n t k a (Berlin) eröffnet wurde. Der Redner trat im allgemeinen für Dr. Weizmanns Programm ein, kritisierte aber gewisse Einzelheiten, insbesondere den Plan der Zusammensetzung der Jewish Agency. Er sagte, bevor man zu einem endgültigen Resultat komme, müßten die Tatsachen der Wirklichkeit in reifliche Erwägung gezogen werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Tätigkeit der jüdischen Arbeiterorganisationen in Palästina und die Konflikte, die von Zeit zu Zeit zwischen ihnen und der Zionistischen Organisation entstehen. De Lieme erklärt, die Jewish Agency sei notwendig, um die Arbeit in breiterem Maßstab weiter zu führen. Man müsse darauf hinarbeiten, daß die amerikanischen Vertreter tatsächlich als Vertreter der organisierten Judenheit erscheinen, es bleibt aber die Frage der anderen Länder zu lösen, die noch Schwierigkeiten machen wird. Der Redner bespricht dann das sogenannte Konsolidierungsbudget und betont, das Ziel aller Tätigkeit müsse sein, die Siedlungen soweit zu bringen, daß sie sich selbst erhalten. Mereminsky führt eine Reihe von Tatsachen an aus dem Gebiete der Immigration, die die politische Lage beleuchten. Die englischen niederen Beamten machen alle möglichen Schwierigkeiten. Die Zionistische Organisation muß sofort nachdrücklich verlangen, daß den Übergriffen, die z. B. in Warschau geschehen sind, ein Ende gemacht wird. Es sei auch unzulässig, daß der englische Konsul Empfehlungen von anderer Seite entgegennimmt, während die Last, für die Immigranten im Lande zu morgen, auf zionistische Schultern fällt. Zur Frage der Jewish Agency betont der Redner die Notwendigkeit der Heranziehung der organisierten Arbeiterschaft Amerikas. Der neue Kurs in der Zionistischen Organisation, die wirtschaftliche Tätigkeit der Arbeiter in Palästina zu stören, ist nicht geeignet, die Heranziehung der amerikanischen Arbeiter zu erleichtern. Dr. Goldmann klagt darüber, daß von Sitzung zu Sitzung stets weitere Konzessionen verlangt werden. Er wendet sich dagegen, daß jetzt schon ein Definitivum geschaffen werden soll und schließt: „Wir können auf den Gedanken des Weltkongresses nicht verzichten.“ Dr. Leon Reich sagt, er unterstütze die Vorschläge auf Erweiterung der Jewish Agency nur widerstrebend. Er wünscht nähere Aufklärungen über die künftigen Rechte der Zionistischen Organisation. Grünbaum beklagt das Fehlen detaillierter Vorschläge bezüglich der Konstitution der Jewish Agency. Bis zu welcher Grenze werde inan in den Konzessionen gehen? Redner wünscht auch Aufklärung darüber, ob die in den verschiedenen Ländern gewählten Vertreter in die Jewish Agency irgend einer Körperschaft verantwortlich sein werden, oder ob sie lebenslänglich ihr Amt bekleiden. '„Wir müssen von der Jewish Agency die Einberufung des jüdischen Weltkongresses fordern.“ Twersky zweifelt, ob die Überführung des Finanz- und Wirtschaftsrates nach Palästina voll genügen wird, um die Verwaltung dort zu verbessern. Er beklagt das Fehlen eines Programmes für die Immigration von Leuten mit mittleren und kleinen Vermögen, denen man mit wirtschaftlichem Rat an die Hand gehen muß. Van Vriesland spricht für die Jewish Agency ' aus drei Gründen: 1. Sei es gut, daß der Name ..zionistisch“ durch „jüdisch“ ersetzt wird, um anzudeuten, daß für Palästina das ganze Volk die Verantwortung trägt; 2. hoffen wir durch die Erweiterung mehr Geld zu bekommen; 3. wird es uns leichter sein, geeignete Menschen für die Administration zu finden. Dr. Hindes erklärt, wir müssen die Aufbauarbeit von der Zionistischen Organisation auf die Jewish Agency i|bertragen. Redner zweifelt daran, ob es möglich ist, sich mit der Orthodoxie zu verständigen. Die Zionistische Organisation könne durch die Schaffung der Jewish entlastet werden. Sprinzak kritisiert das Verhalten gewisser Zionisten in Palästina in der Frage des Bodenkaufs, die sich mit Spekulanten einlassen. Die Arbeiterschaft habe einen entscheidenden Einfluß auf alle zionistischen Verwaltungen in Palästina, weil sie etwas geschaffen hat. Bezüglich der Jewish Agency ist der Redner der Ansicht, daß zur Vermeidung späterer Unklarheiten ihre Aufgaben klarer Umrissen werden sollen, im Sinne einer programmatischen Erklärung. Forderungen wie Fortsetzung der Immigration, Erlösung des Bodens, hebräische Sprache, jüdische Arbeit sollen dadurch gesichert werden. Dr. Weizmann unterbreitet im Namen der Exekutive den formellen Vorschlag, das Prinzip der Jewish Agency im Sinne der amerikanischen Vorschläge anzunehmen. Auf verschiedene Berner-