Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 30 (25.7.1924)
- Date
- 1924-07-25
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Das jüdische Echo Nr. 30 sehe Auswanderung (Emigrationsdirektorium) in Anwesenheit der Vertreter der einzelnen Landeskomitees in Berlin statt. Auf der Sitzung wurde hauptsächlich die Frage der Einberufung der zweiten allweltlichen jüdischen Emigrationskonferenz erörtert. Es wurde einmütig der Meinung Ausdruck gegeben, daß die endgültige Annahme des neuen amerikanischen Emigrationsgesetzes eine ungeheure Krisis in der allgemeinen jüdischen Auswanderungsbewegung heraufbeschworen hat. Um die neu entstandenen Emigrationsprobleme zu lösen, ist ein tatkräftiges Zusammenarbeiten aller jüdischen Emigrationsgesellschaften in der ganzen Welt dringend notwendig. Es wurde darum beschlossen, die zweite allweltliche jüdische Emigrationskonferenz für den 12. August d. J. nach Berlin einzuberufen. Zu dieser Konferenz wurden sämtliche jüdischen Emigrations-und Immigrationsgesellschaften Europas und Amerikas eingeladen. Die „Hias“ in Amerika, der Immigranten-Hilfsverein in Kanada und das Zentral-Hilfskomitee in Argentinien haben dem Emigrationsdirektorium bereits mitgeteilt, daß sie Delegierte zu dieser Konferenz nominiert haben. Bayern Eine Monatsschrift für die Judenfrage aller Länder Im Verlag Dr. Boeppel - München ist soeben die erste Nummer der Zeitschrift „Der Weltkampf“ erschienen, die den Untertitel „Monatsschrift für die Judenfrage aller Länder führt. Die Zeitschrift hat sich zum Ziel gesetzt, die Kräfte des Internationalen Antisemitismus zu vereinigen und die Judenfrage vom Standpunkt einer Gefahr für alle Völker zu behandeln. Aus dem Inhalt der ersten Nummer Ist zu entnehmen: Zwei Aufsätze des diplomatischen Führers der Nationalsozialisten, des Hitlerfreundes, Alfred Rosenberg, über „Jüdische Weltpolitik“ und „Niedergang des britischen Imperiums“, ein Aufsatz von Dr. Hans Büchner „Die internationale Weltherrschaft“ u. a. m. Hakenkreuzler zerstören einen jüdischen Friedhof München (J.T.A.) In Binswangen bei Augsburg hat ein Trupp von etwa 50 Hakenkreuzlern, die in der Nähe dßs Ortes eine sogenannte Felddienstübung abhielten und biwakierten, den dortigen jüdischen Friedhof in vandalischer Weise verwüstet, 22 Grabsteine wurden umgeworten und so demoliert, daß ein neues Setzen der Steine völlig ausgeschlossen ist. Andere Grabdenkmäler wurden mit Hakenkreuzen beschmiert und die Gräber in gemeinster Welse besudelt. Der Staatsanwalt hat bereits 4 Mitglieder dieser Horde ausfindig gemacht. Dieselbe Horde hat in der Nacht jüdische Bürger in den Straßen und in den Wohnungen schwer belästigt. Die Polizei schritt nicht ein. (Daß das Münchner Weltblatt sich weigert, über diese Tätigkeit seiner Lieblinge zu berichten, ist nicht verwunderlich,.) Ein völkischer Judenstämmling im bayerischen Landtag Unter der Überschrift „Der einzige Jude im bayerischen Landtag ist Mitglied der völkischen Fraktion!“ schreibt das Organ der bayerischen Abteilung des Deutschen Bauernbundes: „Das klingt wie ein Faschingsulk und doch stimmt es. Freilich handelt es sich nicht um einen Religionsjuden, sondern bloß um einen „Rassejuden“, aber nach völkischer Theorie kommt es ja eben auf die Rasse und nicht auf das Glaubensbekenntnis an. Dies ist der neugewählte Abgeordnete Graf Fischler v. Treuberg. Am jüdischen Blute der Familie Fischler ist kein Zweifel, darf wenigstens für die Völkischen selber keiner sein, denn ihre jüdische Rassezugehörigkeit wird bezeugt durch den von judengegnerischer Seite herausgegebewen „Semi-Goitha“, der den bekannten Gothaischen Adelskalender eben nach der Seite hin ergänzen soll, daß die jüdische Abkunft oder Verwandtschaft dieser oder jener Adelsfamilie registriert wird.“ Spanien Die spanische Regierung will die Juden^zur Rückwanderung veranlassen General Rivera erklärt, die spanische Nation bedürfe einer jüdischen Aufpfropfung Madrid (WMZ.). Bereits vor 2 Jahren wurde in Regierungskreisen in Spanien erwogen, eine größere Zahl der jüdisch-sfardischen Siedler zur Rückwanderung nach Spanien zu veranlassen. In diesem Sinne hat sich die Regierung mit dem Oberrabbiner der spanischen Synagoge in New York (Manhattan), die 10 000 Mitglieder zählt, in Verbindung gesetzt (ebenso viele spaniolische Juden wohnen in Havana). Um ihre Sympathie für die Juden zu zeigen, erklärte sich die spanische Regierung bereit, für die verfolgten jüdischen Studenten eine Universität in Madrid zu errichten, Grund und Gebäude bereit zu stellen und der Universität eine jährliche Beihilfe zu gewähren. General Rivera hat an einzelne Rabbiner in Amerika geschrieben, daß die spanische Nation einer jüdischen Aufpfropfung bedürfe. Tschechoslowakei Die Minderheitsrechte der Juden in der Tschechoslowakei Prag (J.T.A.) Der tschechoslowakische Außenminister, Dr. Eduard Benesch, empfing den jüdischen Publizisten Vladimir Großmann und sprach sich ihm gegenüber in der folgenden Weise aus : Ich betrachtete den Vertrag über die Minoritätenrechte stets als einen Schutz nicht der Minoritäten vor der Gewalt der Mehrheitler. sondern umgekehrt als Schutz der Majoritäten vor übertriebenen Ansprüchen der Minoritäten. Die Natur dieser Ansprüche ist immer dermaßen expansiv, daß man schwer zu einem Ausgleich kommen kann. In dem Minoritätenrechte-Vertrag kommen die durchschnittlich ntfhimalen Forderungen zum Ausdruck. Ich wiederhole, dlaß es für eine Regierung absolut gut ist, auf dem Boden eines Vertrages zu stehen, welcher eine Grenze für die Forderungen der Minoritäten bietet. Die Regierung braucht dann nur soviel und soviel zu geben, aber nichts weiter. Ich werde bis zum letzten Worte des Vertrages alles erfüllen, wozu ich verpflichtet bin, aber niemand wird mehr von mir verlangen. Für uns — setzte Dr. Benesch fort — sind die Juden eine Nation. Als eine Nation sollen die Juden der Tschechoslowakei der Rechte teilhaftig werden, die der Minoritätenschutzvertrag ihnen bietet. Wenn Juden sich als Nüchtjuden erklären wollen, werden wir selbstverständlich dagegen keinen Widerspruch erheben, aber die jüdische Bevölkerung als solche wird hier von uns als eine besondere nationale Gruppe betrachtet. Dieses Problem zu regeln, ist für uns eine Frage unserer Zivilisation und unserer Ehre. Es sind bei uns keine antijüdischen Exzesse vorgekommen, es sind solche auch in Zukunft nicht