Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 30 (25.7.1924)
- Date
- 1924-07-25
- Page
- Seite 189 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 180 möglich. Ich glaube ganz bestimmt, — schloß der Minister —, daß nach den nächsten Wahlen die Juden ihre Vertreter im Parlament haben werden. Das Programm der zweiten jüdischen Welthilfskonferenz Paris (J.T.A.) Das Exekutiv-Komitee der jüdischen Welthilfskonferenz hat nun endgültig das Programm der zweiten jüdischen Welthilfskonferenz, die vom 21. bis 27. August in Karlsbad stattfindet, festgesetzt. Aus demselben ist hervorzuheben: 1. Das Problem der Kinderhilfe (Ref. Dr. M. Peker und Frau Seim-Abgeordnete Rosa Melzer). 2. Das Problem des jüdischen Gesundheitsschutzes (Ref. Dr. G. Lewin, Warschau). 3. Das Problem d'er Hilfe an die jüdische Intelligenz (Ref. Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes, Wien. 4. Das Problem der Wiederaufbauhilfe (Ref. Abg. Dr. Oskar Cohn und Jacob Leschinsky, Berlin). 5. Die Krisis der jüdischen Emigration (Ref. Dr. S. Tiomki'n und W. Latzki-Bertholdi). 6. Die jüdische Phflantropie und die Beziehungen zu den internationalen humanitären Organisationen (Ref. Zevi Aberson, Genf). 7. Die vereinigte jüdische Volksbank (Ref. Dr. S. Jocheimann, London). 8. Schaffung eines Rettungsfonds und Organisierung eines jüdischen Weltverbands für soziale Hilfe (Ref. D. L. Motzkiln und J. Efriikin, Paris). Über russische Fragen werden auf der Konferenz sprechen: Prof. Silberberg, Odessa; Dr. W. Adler, Odessa und L. Bernstein, Kiew. llliilllillllllllllllllll 1111 lill 111 lill Feuilleton all II IN lill lill iiin iliill if Mauschel Von Theodor H e r z 1. Mauschel ist Antizionist. Wir kennen ihn1 schon lange, und es hat uns auch immer der Ekel gehoben, wenn wiir ihn ansahen, wenn uns das Leben in seine Nähe oder gar in Berührung mit ihm brachte. Aber zu dem Ekel, den wir vor ihm empfanden, gesellte sich bisher immer Mitleid; wir suchten nach milden, historischen Erklärungen dafür, daß er ein so verkrümmter, verdrückter und schäbiger Geselle sei. Und dann: er ist doch unser Volksgenosse — wenn auch nicht die mindeste Veranlassung vorliegt, uns etwas auf seine Genossenschaft einzubilden. Wir sagten uns, daß wir ihn ertragen müßten, ja daß es unsere hohe Aufgabe sei, ihn zu veredeln, daß wir alle an dieser Aufgabe wachsen würden, und mit einer Art von romantischer Zärtlichkeit oder Schwäche nahmen wir uns seiner an. weil er ein Lump war. Wenn Mauschel eine Gemeinheit beging, trachteten wir sie zu vertuschen. Wenn Mauschel recht niedrig war, erinnerten wir die Welt an die Genossen unseres Volkes, Wenn Mauschel uns alle kompromittierte, schämten wir uns oder schäumten insgeheim — jedoch wir schwiegen. Da hat Mauschel endlich etwas getan, was Lob verdient, was uns zur Ehre gereicht und wodurch er uns für manches entschädigt, das wir seinetweglen erdulden mußten. Er hat sich, von uns losgesagt. Mauschel, das ist ein schöner Zug! Aber wi!r sprechen von Mauschel. ohne ihn noch genügend vorgestellt zu haben. Wer ist denn dieser Mauschel? Ein Typus, meine lieben Freunde, eine Gestalt, die in den Zeiten immer wiederkehrt, der fürchterliche Begleiter des Juden, und vorn Juden so unzertrennlich), daß man beide stets verwechselt Lat. Der Jude ist ein Mensch, wie andere, nicht besser, nicht schlechter, höchstens verschüchtert und verbittert durch die Verfolgungen, und von einer großen Standhaftigkeiit im Leiden. Mauschel hingegen ist die Verzerrung des menschlichen Charakters, etwas unsagbar Niedriges und Widerwärtiges. Wo der Jude Schmerz oder Stolz empfindet, hat Mauschel nur elende Angst oder höhnisches Grinsen im Gesicht. In den härten Zeiten richtet sich der Jude auf, Mauschel dagegen verkrümmt sich nur noch schmählicher. Werden die Zeiten besser, so ist es für den Juden eine Mahnung zur Milde, zur Duldung anderer, zum Wirken für die allgemeine Wohlfahrt; Mauschel aber wird frech und1 hochmütig. Der Jude trägt i!n seinem vielgequälten Herzen eine unauslöschliche Sehnsucht nach, der Erreichung höherer Stufen der Kultur; Mauschel betreibt .hinter dem Fortschritt wie hinter der Reaktion nur seine eigenen schmutzigen Geschäfte. Der Jude erträgt die Armut mit Würde und Gottvertrauen, im Reichtum öffnet sich seih Herz weit für die Mühseligen und Beladenen, und er besteuert freiwillig seih Wohlergeheni durch, große Gaben. Mauschel ist in der Armut ein erbärmlicher Schnorrer, im Reichtum ein noch erbärmlicherer Protz. Der Jude liebt die Kunst und gelehrte Übungen; diese waren oft lange sein ganzer Trost in der Abgeschlossenheit, diie ihm eine feindliche Gesellschaft aufzwang. Von Mauschel werden selbst Kunst und Wissenschaft um des gemeinen Vorteils willen betrieben. So konnte man in unserem Volke zu allen Zeiten sogar Kaufleute und Handwerker von tiefer, schamhaft verschwiegener Bildung sehen — in solchen Gestalten trat der Jude auf. Einmal hieß er Baruch Spinoza, schliff Brillen und betrachtete die Welt sub specie aeterni. Und so konnte und kann man hinwieder Rabbiner, Schriftsteller, Advokaten, Ärzte sehen, die nur verschmitzte Gewinnsucher sind — in solchen Gestalten tritt Mauschel auf. Der Jude ist fähig, der Regierung seines Landes starr und ehrlich Widerstand zu leisten, oder sich offen als ihr Anhänger zu bekennen. Mauschel verkriecht sich hinter den staatsfeindlichsten Oppositionen und hetzt diese heimlich, wenn ihm die herrschende Autorität nicht behagt, oder eir flüchtet unter den Polizeischutz und tut Angeberdienste, wenn ihm vor dem’ Umsturz bange wird. Darum hat der Jude den Mauschel immer verachtet — und dieser schilt ihn wieder einen Narren. Und diese beiden, die durch eine tiefste Feindschaft ihres Wesens allezeit geschieden waren, wurden stets miteinander verwechselt. Ist das nicht eiln schauerliches Mißverständnis? Als wäre in irgend’ einem dunklen Augenblick unserer Geschichte eine niedrigere Volksmasse in unsere unglückliche Nation hinein geraten und wäre mit ihr vermischt worden, so nehmen sich diese unvereinbaren, unerklärlichen Gegensätze aus. Da wir nun, seit die Völker sich besinnen, immer die Schwächsten der Schwachen waren, hat man als den Vertreter unseres Volkscharakters nicht den Juden, sondern Mauschel genommen. Starke Völker werden nach ihren besten Söhnen beurteilt, schwache nach ihren schlechtesten. Die Deutschen sind ein Volk von Dichtern und Denkern, weil sie Goethe, Schiller. Kant hervorgebracht haben. Die Franzosen sind die Tapferen und Geistreichen, weil sie Bayard und Duguesclin, Montaigne, Voltaire und Rousseau aufstehen ließen. Wir sind ein Volk von Schacherern und Gaunern, weil Mauschel wuchert und Börsenstreiche macht. Mauschel hat immer die