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Das jüdische Echo · 1924-07-25 · 30 (25.7.1924) · p. Seite 186

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
30 (25.7.1924)
Date
1924-07-25
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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186 Das Jüdische Echo Nr. 30 Aus der Jüdischen Welt Frankreich Dr. Weizmann bei Herriot Dr. Weizmann, der vom 1. bis 4. Juli in Paris weilte, wunde vom französischen Ministerpräsidenten Herriot empfangen und hatte mit ihm ein Gespräch über zionistische Fragen. Herriot zeigte sich sehr interessiert und hat dem Wunsch Ausdruck gegeben, im Monat August nochmals Dr. Weizmann zu empfangen, um dann eine längere Aussprache über die zionistischen Probleme mit ihm haben zu können. (Ziko) England Der Numerus clausus vor dem ständigen Gerichtshof London (J.T.A.). Wie die J,T.A. erfährt, bereitet das Joint Foreign Committee (Vereinigtes Auswärtiges Komitee) des Board of Deputiies (Deputierten-Rates) der britischen Juden,, sowie die Anglo-Jowish Association ein Memorandum vor, das dem ständigen Gerichtshof im Haag unterbreitet werden soll. Das Memorandum betrifft die Frage des von der ungarischen Regierung offiziell ein geführten Numerus clausus. Die Anmeldung beim Gerichtshof ist mit Genehmigung des Völkerbundsrates geschehen. An den Gerichtshof wird die Frage gestellt, ob die Anwendung des Numerus clausus nicht einen Verstoß gegen die Bestimmungen des Trianonvertrages betreffend den Schutz der Minderheiten bedeutet. Wie der J.T.A.-Vertreter weiter erfährt, beobachtet der Völkerbundsrat sorgfältig die Art der Anwendung des Numerus clausus-Gesetzes in Ungarn. Großer Erfolg der Jaffa-Orangen im Palästina- Pavillon zu Wembley London. Die Jaffa-Orangen bilden einen sehr starken Anziehungspunkt für den Palästina-Pavillon zu Wembley. Seitdem die Königin, einige Kisten Orangen als Geschenk für den Buckingham-Palast erhalten hat, sind die Jaffa-Orangen bei dem britischen Volk so populär geworden, daß alle Wembley-Besucher nur „Jaffas“ haben wollen. An einem der letzten Tage sind 7 000 000 Orangen nur an Leute verkauft worden, die in den Pavillon strömten. Die „Pardess“-Company, welche diese Orangen nach London sendet, hat die Absicht, einen regelmäßigen Export zu organisieren und in London einen Kühlraum einzurichten. Wenn das Experiment gelingt, wird das auch auf andere Orangen- Märkte nicht ohne Eindruck bleiben. Auch palästinensischer Wein. Perlmutter, Seife und Töpferwaren werden in großen Mengen im Pavillon verkauft. Engrosaufträge gehen zahlreich ein. Tausende von Palästina-Souvenirs werden in den Buden verkauft. Südafrika hat eine Weizenordre gegeben. Engländer, sowie Kaufleute des Kontinents haben große Aufträge für Silber-Filigranarbeit erteilt. Holland Holländische Proteste gegen die deutschvölkische Propaganda in Holland. Berlin (J.T.A.). Nachrichten aus Holland besagen, daß man in. den dortigen politischen Kreisen wegen des Übergreifens der deutschvölkischen Propaganda auf Holland peinlich berührt ist. An der Universität Utrecht ist seit zwei Jahren als Vertreter der Ägyptologie der frühere Münchener Universitätsprofessor Freiherr v. Bissing, der Sohn des ehemaligen Generalgouverneurs von Belgien tätig. Bissing na,h!m nach der Revolution noch an der Gründungssitzung der demokratischen Partei in Bayern teil, entwickelte sich aber immer mehr zu einem fanatischen Anhänger der „völkischen Idee“. Bissing begnügte sich in Holland nicht mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, sondern er gewann auch alsbald Einfluß auf die in Holland erscheinende „Deutsche Wochenzeitung“, die sich zu einem völkisch-antisemitischen Organ entwickelte. In einem Artikel „Christentum, völkische Bewegung und Ultramontanismus“ schreibt v. Bissihg. das ganze alte Testament sei eine Sammlung „schmutziger, jüdischer Schriften“ und gehöre ih den Kehrichteimer. Die führende katholische Zeitung Hollands, die „Tigd“ schreibt man hätte iini Holland bisher nichts Iso Widerliches und Anmaßendes gelesen. Man dürfe nicht dulden, daß die holländische bürgerliche Toleranz durch Ludendorffs Methoden gefährdet wird. Bulgarien Antijüdische Erpresser in Bulgarien verhaltet Sofia (J.T.A.). Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, haben die bulgarischen Behörden eine Anzahl jener antisemitischen Erpresser verhaftet, die in den letzten Monaten die jüdische Bevölkerung in Bulgarien in Schrecken versetzt hatten. Sie forderten zahlreiche bemittelte Juden auf, für das mazedonische revolutionäre Komitee größere Geldsummen zu leisten und drohten mit Tod, wenn die Sumen nicht hinterlegt werden sollten. Die Nachforschungen der Regierung haben ergeben, daß sich die Rotte aus jungen männlichen und weiblichen Individuen zusammensetzt, die sich um eilnen bulgarischen Schriftsteller, der kürzlich aus Rußland zurückgekehrt ist, gesammelt hatten. Neben ihrem Erpresserhandwerk verbreiteten sie zahlreiche antisemitische Flugschriften. Dr. Farchi, der Präsident der indischen Gemeinschaft Bulgariens, hat die bulgarischen Kommunisten öffentlich beschuldigt, daß sie den Antisemitismus unter den Bauern verbreiteten, um sie gegen die Regierung aufzustacheln, welche, wie sie sagen, unter jüdischer Herrschaft stände. Griechenland. Eine Universität in Saloniki Athen (J.T.A.). Die Regierung hat der Nationalversammlung einen Entwurf über die Gründung einer Universität in Saloniki eingebracht. Vor allem sollen die politischen und die volkswirtschaftlichen Wissenschaften gepflegt werden. Für die große jüdische Bevölkerung Salonikis wird die Universität von erheblicher Bedeutung sein. Portugal Die Marannen wollen zum Judentum zurückkehren Jerusalem (J.T.A.). Wie die Palästinensische Telegrafen-Agentur erfährt, hat das Oberrabbinat von Palästina ein Sohr eiben der jüdischen Gemeinde in Lissabon erhalten, mit der Mitteilung, daß die in Portugal lebenden Nachkommen der Marannen (Juden Spaniens und Portugals, die während der Verfolgungen von 1391 zum Schein das Christentum angenommen haben), mehrere Tausend an der Zahl, zum Judentum zurückzukehren wünschen. Die jüdische Gemeinde Lissabons fragt das Oberrabinat um Rat, welche Schritte sie in dieser Sache unternehmen soll. Die Marannen, portugiesisch „Christaos Novos“ (Neu-Ghristen), Spanisch „bonversos“ (Bekehrte)

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