Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 30 (25.7.1924)
- Date
- 1924-07-25
- Page
- Seite 185 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 185 Und wohlgeordnet blieb der Zug während des ganzen Ganges. An der Spitze scnritten die Mitglieder des Zionistischen Landeskomitees, des Parteirates, der Lokalkomitees, die Leitung des Keren Hajessod, Keren Kajemeth und des Palästina-Amtes. In Vertretung des Präsidiums der Kultusgemeinde waren Börsenrat Glück, Hofrat Riesenfeld und Vizepräsident Dr. Friedmann erschienen, mit ihnen der Vizepräsident des Landeskomitees Dr. Löwenherz, mit den Mitgliedern des Landeskomitees Dr. Körner, Dr. Gelber, Gemeinderat Dr. Plaschkes mit den zionistischen Mandataren, die Kultusvorsteher Kommerzialrat Markus, Austerlitz und andere. Aus Polen war das Mitglied des polnischen Senates Dr. Ringel anwesend. Hernach kamen der akademische Landesverband und die Vertretungen der akademischen Verbindungen. Die Zionistische Frauenorganisation hatte ein starkes Kontingent ihrer Mitglieder entboten. Jetzt folgten die Chaluzim und die jüdische Jugend, deren Zug endlos schien, wobei die Mädchen und Knaben, die recht stramm marschierten, sehr wirkungsvollen Eindruck machten. Dann kam der Kreis österreichischer Turn- und Sportvereine, in dem die Hakoahner - und Hakoahnerinnen zu sehen waren und der alles umfaßte, was Zion an hoffnungsvoller, heranwachsender Sportjugend besitzt; hierauf folgten die 21 Bezirkssektionen, denen sich der zionistische sephardische Verein „Jehuda Halevi“, die starke Gruppe des Misrachi, von dem eine Gruppe eine Tafel mit dem Bildnis Herzls trug, und die Hitachduth anschlossen. Dem offiziellen Zuge folgte eine große Zahl von Anhängern und Verehrern Herzls. Der riesige Zug, der in Viererreihen marschierte, bewegte sich um 10 Uhr vormittags ungefähr Dreiviertelstunden zum Grabe; die Defilierung vor dem Grabe war erst gegen 12 Uhr mittags beendet. Er dürfte etwa 25 000—30 000 Personen umfaßt haben. Vor dem Grabe hatte ein Teil der Studentenschaft Aufstellung genommen und in lautloser Stille marschierten die Tausende vorbei, ein langer Zug, in welchem Väter und Großväter kleine Kinder auf den Armen trugen und Knirpse an der Hand führten, um ihnen später einmal zu sagen, daß sie schon in früher Jugend das Grab des Führers der zionistischen Bewegung gesehen hatten. Um das Grab stand die Menge dicht gedrängt, die dem heranmarschierenden Zuge Spalier bildete. Reden wurden nicht gehalten. Die Feier verlief ohne jeden Zwischenfall. Palästina-Nachrichten Die Blau-Weiß-Werkstätten in Tel Awiw und Jerusalem. Seit Mitte Februar arbeiten zwei Abteilungen in Tel Awiw und Jerusalem in den Blau-Weiß- Werkstätten (Karlsruher Siedlung). Der genossenschaftlich auifgebaute Betrieb umfaßt Abteilungen für Tischlerei!, Elektroinstallation und Schlosserei. Diesen Qualitätswerkstätten gehen nach! Überwindung der ersten Schwierigkeiten Aufträge so reichlich zu, daß viele von ihnen abgelehnt werden müssen. Von größeren übernommenen Arbeiten seien erwähnt: Die Installationsanlage der Jerusalemer Universität, Installation dler Schuhfabrik „Tamar“ in Tel Awiw und die Elektroinstallation an der St. Georgs-Kathedrale in Jerusalem. Es wird beabsichtigt, zur Befriedigung des eigenen Bedarfs der Genossenschaften an Gemüsen und sonstigen Produkten Boden an der Grenze von Tel-Awi'w zu erwerben. Die erfreulichen Erfolge lassen eine Vergrößerung des Unternehmens auf Grund der Erweiterung der Kapitalbasis möglich und dringlich erscheinen. (Ziko) Eine neue Misrachi-Kolonie in Palästina. Jerusalem (J.T.A.) Am 10. Juli nachmittags wurde der Grundstein zu der neuen Misrachi-Kolonie „Kfar Ivri“ gelegt. Die Mittel zur Gründung der Kolonie sind von Herrn David Shnur, einem amerikanischen Misrachisten, bereitgestellt worden. Ansprachen hielten Sir Gilbert Glayton, der stellvertretende Hiigh Commission er von Palästina, Rabbiner Meir Berlin aus New York u. a. Es wurden ferner Begrüßungstelegramme der palästinensischen zionistischen Executive sowie der Miisrachisten-Organisationen in verschiedenen Ländlern verlesen. Baron Edmond de Rothschild für die palästinensische Bewässerung Jerusalem (J.T.A.) Baron Edmond de Rothschild hat für die Bewässerungsarbeiten in der Kolonie Petach Tikvah eine größere Geldsumme vor geschossen. Ein neuer Palästinafilm Der Nationalfonds ist mit Herrn Gunnar Sommerfeld, der sich zurzeit mit der Herstellung eines Palästinafilms für die Dänische Historische und Geographische Gesellschaft in Kopenhagen befaßt, zu einem Übereinkommen gelangt, nach welchem der KKL einen Teil dieses Films für eigene Benutzung ersteht. Außerdem wird Herr Sommerfeld, der ein erfahrener Filmhersteller ist, noch weitere Bilder zur alleinigen Verfügung des KKL halten; diese Bilder wollen Palästina in seinen Kontrasten darstellen, wie z. B. die Wüsteneien auf der einen und die von den Juden in fruchtbares Land verwandelten Böden auf der anderen Seite, die Sanddünen von vor zehn Jahren und die jetzt darauf erbauten Viertel Tel Awiws, die Weingärten an der Stelle der steinigen Hügel und die Kornfelder an der Stelle der Sümpfe. Der Film des Herrn Sommerfeld enthält u. a. ein eindrucksvolles Bild der Sinaiwüste und zeigt den Zug der Juden aus Ägypten nach Palästina. (Ziko) Eine neue arabische Partei für Frieden mit den Juden Jerusalem. O.T.A.) Irn Distrikt Hebron hat sich soeben eine neue arabische Bauernpartei gebildet, die das folgende Programm hat: Anerkennung des britischen Mandates über Palästina, Zusammenarbeit mit der Regierung, eine Politik des Friedens und der Freundschaft mit den Juden und allen anderen Rassen in Palästina. Die Organisatoren der neuen Partei erklären, es sei ihr Hauptziel, solche Bedingungen des Friedens und der Ordnung in Palästina sichern zu helfen, daß das Volk befähigt werden soll, all seine Energie auf die Entfaltung der Wirtschaft und auf die allgemeine Wohlfahrt des Landes zu konzentrieren. Zur Erreichung dieser Zwecke will die Partei an die Regierung mit der Forderung herantreten, Maßnahmen zum Schutze der palästinensischen Produktion, zur Verminderung der Besteuerung und landwirtschaftlichen Erziehung zu ergreifen. Die Partei wünscht, daß ein neuer gesetzgebender Rat gegründet werden soll, in dem arabische Vertreter sitzen sollen.