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Das jüdische Echo · 1924-07-25 · 30 (25.7.1924) · p. Seite 184

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
30 (25.7.1924)
Date
1924-07-25
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 Das Jüdische Echo Nr. 30 Auch in der Sektion München soll die nötige scharfe Klarheit geschaffen werden. Wir hören, daß sie gemäß einem — übrigens absolut satzungswidrigem — Vorstandsbeschluß seit geraumer Zeit keine Juden aufnimmt. Auch da soll man in den Antisemitismus im Dunkeln gehörig hineinleuchten. Da es der neuen Tendenz, den „neuen Zielen“, die der Alpenverein nach Erreichung der ursprünglichen braucht, offenbar entspricht, möge er das Edelweiß, das sein Zeichen ist, durch das Hakenkreuz ersetzen! Jüdische Alpenvereinsmitglieder mögen ihre Adresse der Redaktion dieses* Blattes mitteilen, damit ein gemeinsames Vorgehen in die Wege geleitet wird. Nach manchem, was wir hören, wird es leider auch wegen mancher mit einer Elefantenhaut begabten Juden im Alpenverein, die sich „nicht betroffen fühlen“ nötig sein, auf eine gar nicht mehr mißzuverstehende Klarheit hinzuwirken. — Der ganze Fall hat für uns im wesentlichen symptomatische Bedeutung. Wir haben ihn so ausführlich behandelt, weil er ein Schulfall für die Entwicklung unseres Lebens in der Umwelt ist. Es ist zwecklos, sich darüber zu täuschen, daß wir uns einem Zustand nähern, der vom Ghetto nur äußerlich, nicht im Wesen verschieden ist. Allerdings mit dem ungeheuren Unterschied der Verarmung unseres jüdischen Lebens gegen damals. Alle Kenntnis der jüdischen Geistesschätze, aller Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte ist ganz großen' Teilen der Juden abhanden gekommen, die nun aus ihrer bisherigen Welt herausgerissen, aufs Judentum angewiesen, ln bedauernswerter seelischer und geistiger Armut dastehen. Hier ist die wesentliche Aufgabe der jüdischen Gemeinden unserer Zeit entstanden und deren Leiter machen sich vor der jüdischen Geschichte einer Verletzung ihrer Pflichten schuldig, wenn sie an ihr vorübergehen. Die jüdische Gemeinde unserer Tage kann ebenso wenig bloß eine „Kultus“-Gemeinde sein, wie sie es in alter Zeit war. Sie muß die lebendigen Zusammenhänge ihrer Mitglieder schaffen, die diese anderweitig verloren haben, sie muß ihre Organisation, ihre Kraft und ihre Mittel der Befruchtung jüdischen Lebens und jüdischen Wissens in jeder Form zuwenden. Es muß sonst eine geistige und seelische Verelendung unter den Juden eintreten, die zuletzt von den schlimmsten moralischen Folgen begleitet sein muß. Das jüdische Leben ist gerade in München, wo die Juden eine starke mit regem geistigen Leben erfüllte jüdische Gemeinde dringender brauchen als irgendwo, stärker verarmt als irgendwo. Dies ist ein schwerer Vorwurf gegen die Gemeindeführer, aber auch gegen alle, die — sozusagen führend im jüdischen Leben stehen. Möge der Fall Alpenverein die Säumigen zur Pflicht mahnen und die Juden zu stärkerem Zusammenschluß führen! Willstätter Eine Anzahl Professoren, die offenbar erkannt hatten,' worauf es ankommt, wollten an Willstätter eine Kundgebung richten, in der sie ihr Bemühen zur Herbeiführung geordneter Zustände an der Universität München, insbesondere auf Durchsetzung absoluter Objektivität bei künftigen Berufungen zusichern. Das wäre allerdings eine entscheidende Änderung des gegenwärtigen Zustandes, wenn es gelungen wäre, diese Prinzipien durchzusetzen. Aber in der Universität München ist dies offenbar nicht möglich und bei der politischen und geistigen Atmosphäre dieser Stadt gegenwärtig auch nicht zu erwarten. Anstelle der geplanten Erklärung haben Rektor und Senat, der Universität eine Kundgebung an Geheim rat Willstätter, die in vielen Worten nichts sagt, erlassen. Sie beschränkt sich auf eine persönliche Ehrung, auf die es hier ganz und gar nicht ankommt und1 von der wir annehmen wollen, daß sie Willstätter völlig gleichgültig sein kann. Willstätter hat seinen Rücktritt nicht erklärt, weil er persönlich gekränkt wurde, es ist infolgedessen auch nichts gegen seine Person gutzumachen. Willstätter verläßt die Universität München, weil das System und die antisemitische Atmosphäre an derselben ein Verbleiben unmöglich macht. Wir stimmen völlig Geheimrat Willstätter zu, wenn er sagt, es ist wichtiger1 zu zeigen, wie ein aufrechter Mann handelt, als seine Tätigkeit an der Universität München zu erhalten. Die Kundgebung von Rektor und Senat bietet jedenfalls für einen aufrechten Mann keine Veranlassung, die Rücktrittsabsichten zu verändern. Der Gang zum Grabe Herzls Riesige Beteiligung — Musterhafte Ordnung Wien. Sonntag vorm, hat der Gang zum Grabe Theodor Herzls anläßlich seines 20. Todestages unter imposanter Massenbeteiligung stattgefunden. Schon lange vor 9 Uhr hatten sich die verschiedenen Verbände und Sektionen eingefunden und ihre Standplätze in der Nähe der Endstation des 40er-Wagens bezogen. Vom Karl Ludwig-Platz bis zur Felix Mottl-Straße, bei der Hasenauerstraße, Blaasstraße und der Hochschulstraße standen die einzelnen Teile des Zuges. Bis gegen 10 Uhr dauerte die Einreihung des Zuges, es war kein leichtes Stück Arbeit für den Leiter des Zuges, Paul Földes, die ungeheuren Massen des Zuges in musterhafte Ordnung zu bringen. PORZELLAN-lOlSBKIlIdLCS M ÜM C M XS ü THEA TINER STRASSE « tPfftnüb«? dtr FddktrrnhmH* »SSSTI AESWAÄS, IW SBISACeaiPCIZKUAI TÄGLICHE t,A«ISEB6ÄIIVK«

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