Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 29 (18.7.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Das Jüdische Echo Nr. 29 Allerdings, die Stunde war vorgerückt, Sic wurden vielleicht erwartet, hatten zu tun. was weiß ich? Nur kann von derartigen Zufällehen die Bewegung einer solchen Frage nicht abhängen. Beruhigen Sie sich, sie hängt wirklich nicht davon ab. Sie werden den Wunsch haben, unser Gespräch forzuführen, und ich werde — ohne auf Sie zu warten — immer bereit sein. Ihnen die Fortsetzung zu liefern. Arbeiten die Anregungen, die ich Ihnen gab, in Ihnen weiter, und wollen Sie mit mir reden, so schreiben Sie mir, „venez me voir“. Das genügt, und ich werde auf einen Tag nach London kommen. Und wenn ich Sie an dem Tage ebensowenig überzeuge, wie gestern, so werde ich ebenso unverdrossen und heiter Weggehen, wie ich gestern weggegangen bin. Wollen Sie mit mir eine Wette eingeben? Ich werde eine Nationalanleihe der Juden schaffen, Wollen Sie sich verpflichten. 50 Millionen Mark beizutragen, wenn ich die ersten hundert Millionen aufgebracht habe? Dafür mache ich Sie zum Oberhaupt. Was sind zehn Milliarden für die Juden? Sie sind doch reicher als die Franzosen von 1871 und wite viel Juden waren darunter. Übrigens könnten wir zur Not schon mit einer Milliarde marschieren. Denn das wird arbeitendes Kapital sein, der Grundstock unserer späteren Bahnen, unserer Aus wanderer schliffe und unserer Kriegsflotte. Damit werden wir Häuser. Paläste, Arbeiferwiohnungeni, Schulen, Theater. Museen, Regierungsgebäude Gefängnisse, Spitäler. Irrenhäuser — kurz Städte bauen und das neue Land so fruchtbar bauen, daß es dadurch das Gelobte wird. Diese Anleihe wird selbst zur Hauptform der Vermögenswanderung werden. Da ist der staatsfinanzielle Kern der Sache. Es ist vielleicht nicht überflüssig, hier zu bemerken, daß ich das alles als Politiker ausführe. Ich bin kein Geschäftsmann und will nie einer werden. Man findet jüdisches Geld in schweren Massen für eine chinesische Anleihe, für Neger-Bahnen in Afrika, für die abenteuerlichsten Unternehmungen — und für das tiefste, unmittelbarste, Quälendste Bedürfnis der Juden selbst fände man keines? Bis Mitte Juli bleibe ich in Paris. Dann verreise ich auf längere Zeit. Es gilt der Sache. Ich bitte Sie aber, über diesen Punkt wie über alle anderen von mir berührten volles Stillschweigen zu beobachten. Meine Handlungein mögen Ihnen derzeit noch nicht richtig Vorkommen; eben darum mache ich Sie darauf aufmerksam, daß mir an absoluter Geheimhaltung viel gelegen ist. Im übrigen versichere ich Sie aufrichtig, daß mir unsere Unterredüng, selbst in der Unvollständigkeit, interessant war und daß Sie mich nicht enttäuscht haben. Ich begrüße Sie hochachtungsvoll. Ihr ergebener Dr. Herzl. An Dr. Mandelstamm, Kiew Alt-Aussee Steiermark 18. VIII. 901. Mein teurer, guter Freund. Müde hab’ ich mich gelaufen und bin von dem Gesindel, welches über das Geld verfügt, nicht einmal angehört worden. Es wird Pech und Schwefel regnen müssen, damit diese Steine weich werden. Es ist unerhört, und in fünfzig Jahren wird man diesen Leuten auf das Grab spucken, wenn man es erfahren wird, daß ich mit . . nahezu fertig war und nur! die lumpigeft Gelder nicht bekommen konnte. Natürlich dürfen wir heute unserem Zorn und Schmerz nicht Luft machen, denn dann erführe auch .... unsere innere Schwäche und ich muß mich bemühen ihn hinzuhalten, Zeit zu gewinnen, Wasser aus dem Felsen zu schlagen und Gold aus dem Koth zu kratzen. Bequemer für mich wäre es ja, heute abzuschließen und eine Proklamation zu erlassen: „So, Juden, ich armer hilfloser Journalist habe es in fünf Jahren so weit gebracht, mit. selbst, diese Verhandlung führen zu können. Was an mir war, habe ich getan, und mehr. Ihr aber laßt mich« im Stich, Ihr seid eine Bagage — hol Euch der Teufel! ich« kümmere mich um nichts mehr.“ Ce beau geste, der auch so angenehm und bequem wäre, ist mir versagt. Ich muß es weiterschleppen. Das Schlimmste aber ist. daß nicht nur «die Antis und die Indolenten mir Miseren machen, sondern die eigenen Leute. In der Bank ist man nicht zu einem Entschluß zu bringen, es gibt Reibereien, persönliche Differenzen zwischen den Direktoren. Was Einer proponiert. will der Andere nicht, etc. Bis ich wieder als Gewaltmensch auf treten muß, damit nur etwas geschehe. Auch im A. C. scheint etwas zu gähiren. Man spricht von „Jungzionismus“ etc. Das ist wahrlich früh, daß wilr unsere Jungtürken haben. Wir sind eben ein geistreiches Volk. Aber darüber lache ich schließlich. Sie sollen mich nur schon aus der Bewegung hin aus werfen! Vorläufig ist meine Eine Sorge: Geld. Grands dieux, wo soll ich’s hernehmen? Ich zerbreche mir den Kopf, um etwas zu finden. Der Kongreß wird um Weihnachten in Basel sein. Die ungünstigste Zeit. Aber mein Vorschlag: Juli in London, wurde von den Fraktionen abgelehnt, weil es mein Vorschlag war. Es war nötiger, sich die Demütigung von der JCA abzuholen. Darum hatte man für den Kongreß keine Zeit. Dies alles unter uns; Sie haben das Privilegium, daß ich mich bei Ihnen ausweine, weil ich Sie so von Herzen liebe. Ihr treuergebener Benjamin. 17. Januar. London. Gestern war ein guter Tag. Mittags bei Rothschild. Er sagte mir, Claude Montefiore sei nicht in London (was ich schon von Col. Goldsmid, «der nach Southampton für mich zu Claude gefahren, wußte), habe aber telegraphiert, er werde, wenn wichtig, Montag hier sein. „Telegraphieren Sie ihm, Lord Rothschild!“ Er tat es sofort und bestellte auch Herbert Lousada von der Ica, den er nicht kannte. Ich sagte dann: „Um 3 Uhr muß ich ins Foreign Office. Was werden wir tun. wenn die Ica- Leute nicht mittun?“ Lord Rothschild: „Dann machen wir die Subskription. Ich sehe aber nicht, wie sic sich weigern könnten. ‘ Ferner fragte ich: „Soll ich Cassel mitnehmen?“ Lord Rothschild: „Wenn er geht, warum nicht? Aber er ist immer gern an der Spitze.“ Ich: „Nein, an der Spitze der rininzieden Seite sollen Sie stehen!“ Lord Rothschild: „Nein, nein, an der Spitze stehen Sie, Dr. Herzl. Ich will nur Ihr Mitarbeiter sein. Ich bin froh, wenn ich Ihnen helfen kann.“