Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 29 (18.7.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 175 Methode durch den ganzen Entwicklungsgang der Menschheit Lügen gestraft wird? Wie, Sic wollen eine große Gruppe von Menschen auf einem bestimmten Niveau erhalten, ja sogar herabdrücken? Allons donc! Wir wissen doch, welche Phasen unser menschliches Geschlecht durchlaufen hat, von den Urzuständen herauf bis zur Kultur. Es geht immer aufwärts, justament, trotz alledem und ewig, immer höher, immer höher, immer höher! Es gibt Rückschläge, jawohl. Das ist keine Phrase. Unsere Großväter wären verblüfft.,. wenn sie wiederkämen, aber wer wird künstlich einen Rückschlag herbeiführen wollen, glanz abgesehen davon, daß es nicht geht. Wenn es ginge, glauben Sie, daß es die Monarchien, die Kirche nicht durchiführten? Und was haben diese Mächte für Mittel über Leib und Seele der Menschen! Was sind Ihre Mittel dagegen? Nein, wenn es hoch kommt, halten sie die Entwicklung ein Weilchen auf und dann werden sie vom großen Sturmwind hinweggefegt. Wissen Sie, daß Sile eine furchtbar reaktionäre Politik haben — ärger als die absolutesten Autokratien — zum Glück reichen Ihre Kräfte dazu nicht aus. Sie meinen es gut, parbleu, je le sais bien. Darum möchte ich ja Ihrem Willen die Richtung geben. Lassen Sie sich dadurch nicht gegen mich einnehmen-, daß ich ein jüngerer Mann bin. Mit meinen 35 Jahren1 ist man in» Frankreich Minister, Napoleon war Kaiser. Sie haben mir mit Ihrem höflichen Hohn das Wort ab geschnitten. Ich bin noch im Gespräche zu dekonzertieren. Ich habe noch nicht den Aplomb, der mir wachsen wird, weil er nötig ist, wenn man Widerstände brechen, Gleichgültige erschüttern, Leidende aufrichten und mit den Herren der Welt verkehren will. Ich sprach von einem Heer und Sie unterbrachen mich schon,, als ich von der (moralischen) Trainierung zum Marsch zu reden anfing. Ich ließ mich unterbrechen. Und doch habe ich auch das Weitere schon entworfen: den ganzen Plan. Ich weiß, was alles dazu gehört: Geld. Geld1, Geld. Fortschiaffungsmiittel, Verpflegung großer Massen (worunter nicht Essen und Trinken, wie in Moses einfachen Zeiten zu verstehen). Erhaltung der Manneszucht, Organisierung der Abteilungen, Entlassungsverträge mit Staatshäuptern, Durchzugsverträge mit anderen, Garantieverträge mit allen und Anlage neuer ,herrlicher Wohnorte; vorher die gewaltige Propaganda, die Popularisierung der Idee duoh Zeitungen, Bücher, Traktätchen, Wandler Verträge, Bilder Lieder, alles von einem Zentrum aus zielbewußt und weitblickend geleitet. Aber ich hätte Ihnen schließlich sagen müssen, welche Fahnen, und wie ich sie aufrollen will. Und, hätten Sie mich spöttisch gefragt: eine Fahne, was ist das? Eine Stange mit einem Fetzen Tuch. Nein, mein Herr, eine Fahne ist mehlr als das. Mit einer Fahne führt man dile Menschen, wohin man will, selbst ins Gelobte Land. Für eine Fahne leben und sterben sie, es ist sogar das Einzige, wofür sie in Massen zu sterben bereit sind, wenn man sie dazu erzieht. Glauben Sie mir, die Politik eines ganzen Volkes — besonders wenn es so in aller Welt zerstreut ist — macht man nur mit Imponderabilien, die hoch in der Luft schweben. Wissen Sie, woraus das Deutsche Reich entstanden ist? Aus Träumereien, Liedern, Phantasien und schwarzrotgoldenen Bändern. Und in kurzer Zeit. Bismarck hat nur den Baum geschüttelt, den die Phantasten pflanzten. Wie? Sie verstehen das Imponderabile nicht? Und was ist die Religion? Ja, nur das Phantastische ergreift die Menschen, Und wer damit nichts anzufangen weiß, der mag ein vortrefflicher, braver und nüchterner Mann sein und selbst ein Wohltäter in großem Stil. Führen wird er die Menschen nicht, und es wird keine Spur von ihm bleiben. Dennoch müssen die Volksph an tasten einen festen Grund haben. Wer sagt Ihnen,, daß ich nicht durchaus praktische Ideen für das Detail habe? Detail, das freilich noch immer riesenhaft ist. Der Auszug ins Gelobte Land stellt sich praktisch als eine ungeheure, in der modernen Welt beispiellose — Transportunternehmung dar. Was, Transport? Ein Komplex aller menschlichen Unternehmungen, dile wie Zahnräder ineinandergreifen werden. Und bei dieser Unternehmung wird schon in den ersten Stadien die nachstrebende Menge unserer jungen Leute Beschäftigung finden: alle die Ingenieure, Architekten, Technologen, Chemiker, Advokaten, die in den letzten dreißig Jahren aus dem Ghetto herausgekommen sind und glaubten, daß sie ihr Brot und ein bißchen Ehre außerhalb des jüdischen Schachers finden würden, die jetzt verzweifeln müssen und ein furchtbares Bildungsproletariat zu bilden beginnen. Denen aber meine ganze Liebe gehört und die ich so vermehren will, wie Sie sie vermindern möchten. In denen ich die künftige noch ruhende Kraft der Juden sehe. Meinesgleichen, mit einem Wort. Und aus diesen Bildungsproletariern bilde ich die Generalstäbe und Cadres des Landsuchungs-, Landifindungs- und Landeroberungsheeres. Schon ihr Abzug wird in den Mittelständen der antisemitischen Länder ein wenig Luft machen und den Druck erleichtern. Sehen Sie nicht, daß ich mit einem Schlag das Kapital und die Arbeit der Juden für den Zweck bekomme? Und ihre Begeisterung dazu, wenn sie erst verstehen, um was es sich handelt. Das sind freilich nur große Umrisse. Aber woher wissen Sie, daß ich die Details dafür nicht schon entworfen habe? Ließen Sie mich ausr edien? DAS KRELL-UCKO HAUS llkl«bhh~W*im^#THEATINERSTR.16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN — GARDINEN - DECKEN