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Das jüdische Echo · 1924-07-18 · 29 (18.7.1924) · p. Seite 174

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
29 (18.7.1924)
Date
1924-07-18
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 Das Jüdische Echo Nr. 29 besonders auf die Notwendigkeit hin wies, Wasser und Schatten zu schaffen. Er schloß seine offizielle Antwort auf die Ansprache Herzl’s mit den Worten: „Ihre Bewegung, die ich genau kenne, enthält einen gesunden Gedanken.“ Ein riesiger Anlauf war getan., aber es kam nicht zur Übernahme eines deutschen Protektorates über das werdende jüdische Palästina. Die deutsche Politik trat in dieser Frage einen offenen Rückzug an. — Man muß es. ehe man nicht die deutschen Akten in dieser Angelegenheit zur Kontrolle des Herzlichen Tagebuches wird heranziehen können, dahingestellt sein lassen, ob hier mehr der Bülowsche Einfluß tätig oder die Begeisterung Wilhelm II. für den Zionismus ein Strohfeuer war. Die Zusammenhänge konnte Herzl damals natürlich noch nicht übersehen, und immer wieder versuchte er deshalb den Kaiser für seine Gedanken zu gewinnen. Es liegt ja in diesen Bemühungen, wie in so vielen Anderem! etwas Tragisches. Herzl glaubt mehr an das Eingreifen von außen als an das wirkliche Erwachen von innen. Er zerreibt sich, leistet übermäßige Arbeit, und! das jüdische Volk, auf das er wartet, kommt nicht so schnell, als er es wünscht. Inzwischen zerbricht sein Herz unter dem Übermaß der Anstrengung; er kann die Saat nicht ernten, die er gesät hat. Über den Herzl-Wald Wir waren ganz in der Frühe von Jemma aufgebrochen, und die Felder von Galil lagen blühend und wie mit einem Messer abgeteilt unter uns. Die Sonne stand hoch am wolkenlosen, tief blauen Himmel. Unser Gehen wurde unwillkürlich schneller und schneller; denn unser Ziel war der Kinereth-See, der landschaftlich schönste Punkt Palästinas. Nun noch die letzten Höhen, dann mußte man ihn sehen... Der Schweiß rann in Strömen über Gesicht und Körper; die Sonne brannte unerbittlich, kein Baum, kein Schatten ringsumher. — Endlich lag der See unter uns: eine weite, ruhige Fläche, seine fernen Ufer in den luftigsten Farben. Unser Auge fiel auf Daganiah, das wie eine Oase in einem grünen Kranz von Bäumen zu uns hinüber grüßte. Und in diesem Augenblicke wurde uns die ganze Bedeutung der Aufgabe klar, die der Keren Kajemeth Lejisrael im Lande zu lösen auf sich genommen hatte. Palästina ist ein waldarmes Land, — wie übrigens alle Randgebiete des Mittelmeeres. Die volkswirtschaftliche und hygienische Bedeutung der Aufforstung des Landes hat in ihrem ganzen Umfang der Keren Kajemeth Lejisrael erkannt und schon 1905 begonnen, auf einer Anzahl ihm gehöriger Boden systematisch sowohl Fruchtwie Waldbäume zu pflanzen. Trotz aller Widerstände, die teils in der Natur des Landes, teils in den durch den Krieg hervorgerufenen Hemmungen gelegen haben, ist es gelungen, an zehn Stellen Wälder zu schaffen, die weniger durch ihren Umfang, als durch ihr Vorhandensein und ihre wunderbare Schönheit überhaupt wirken. So Daganiah, so Kinereth, die mitten in fruchttragenden Baumgärten und hohen Palmenpflanzungen liegen, so Merchawiah, Beer, Towiah, Benschemen u. a., deren weiße Häuser durch die hohen, der Weide ähnlichen Eukalyptushaine hindurchleuchten. So auch Chuldah, dessen Wald den schönsten Eindruck hinterläßt. Hier sind etwa 15 000 Bäume angepflanzt worden, welche die Kwuzah pflegt, die auf der dem Keren Kajemeth Lejisrael gehörigen Farm angesiedelt ist. Die zum Hof führenden Zugangsstraßen sind von stolzen Palmen beiderseits bestanden. Auf den Abhängen des Hügels, auf dessen Spitze die Häuser gebaut sind, sieht man Bestände von Pinien, Kiefern, Zypressen u. a. Nadelhölzern, während im Tale weite Flächen mit Mandel- und Ölbäumen bepflanzt sind. Ähnlich so ist es in Kirjath-Jearim oder Dilb, das eine Stunde weit von Jerusalem liegt. Nur daß hier die Bäume noch jünger und die Anpflanzung infolge des steinigen Bodens schwieriger sind. —. Welch ungeheuer wichtigen Dienst sowohl der Keren Kajemeth Lejisrael wie diejenigen, welche die Pflanzungen angelegt haben, dem Lande erweisen, kann nur der ermessen, welcher baumlose Landstriche selbst gesehen hat. Daß der Keren Kajemeth Lejisrael diesen so schönen und hoffnungsvollen Teil seiner Aufgaben dem Andenken Herzls widmet und alle Pflanzungen unter dem Namen „Herzl-Wald“ zusammenfaßt, zeugt von einem tiefen Verständnis für die Persönlichkeit des großen Führers, der selbst bei seinem Aufenthalt im Lande durch Pflanzung eines Baumes bei Mozah die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Aufforstung betont hat. Deshalb ehrt jeder Jude, dem der Aufbau Palästinas am Herzen liegt, zugleich das Andenken Herzls durch Pflanzen eines Baumes anläßlich seines Todestages, am 20. Tammus. Hans Oppenheim. Aus Herzls Tagebüchern Dritter Brief an Baron Hirsch, Paris. Pfingstmontag, 3. Juni 1895. Hochgeehrter Herr! Um dem esprit de l’escalier vorzubeugen, machte ich mir Notizen:, bevor ich zu Ihnen ging. Heimgekehrt sah ich, daß ich auf Seite 6 stehen geblieben bin, und ich hatte 32 Seiten. Durch Ihre Ungeduld haben Sie nur Absätze kennen gelernt, wo und wie die Idee zu blühen anfängt, das haben: Sie nicht erfahren. Schadet nichts. Erstens erwarte ich keine sofortige Bekehrung. Zweitens steht mein Plan durchaus nicht auf Ihren zwei Augen. Wohl hätte ich Sie als eine vorhandene und bekannte Kraft der Kürze wegen gern benützt. Aber Sie wären eben nur die Kraft gewesen, mit der ich begonnen hätte. Es gibt andere. Es gibt endlich und vor allem die Masse der Juden, zu der ich den Weg zu finden wissen werde. Diese Feder ist meine Macht, Sie werden sich davon überzeugen, wenn ich bei Leben und Gesundheit bleibe — eine Einschränkung, die ja Sie selbst auch bei Ihrem Werk machen müssen. Sie sind der große Geldjude, ich bin der Geistesjude. Daher kommen die Verschiedenheiten unserer Mittel und Wege. Bemerken Sie, daß Sie von meinen Versuchen noch nichts hören konnten, weil der erste eben bei Ihnen, an Ihnen stattfand. Natürlich sind Sie mir mit leiser Ironie gegenübergestanden. So habe ich’s erwartet. Ich sagte es Ihnen in der Einleitung. Neue Ideen werden so aufgenommen. Dabei hatten Sie nicht einmal die Geduld, sie bis zu Ende anzuhören. Ich werde mich dennoch aussprechen. Ich hoffe. Sie werden das herrliche Wachstum meiner Idee erleben. Sie werden sich des Pfingstsonntag-Vormittags erinnern, denn Sie sind, glaube ich. mit all Ihrer Ironie ein unbefangener und großen Entwürfen zugänglicher Mann, auch versuchten Sie ja viel für die Juden zu tun — in Ihrer Art. Aber werden Sie mich verstehen, wenn ich sage, daß Ihre

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