Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 29 (18.7.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 173 Wien noch nicht. Aber Eulenburg: arbeitete weiter. Der Kaiser, romantisch veranlagt, wollte Herzt gewissermaßen als Abgesandten des Judenvolkes empfangen. Als an Herzl dieser Ruf erging, — für die damalige politische Konstellation etwas ganz Kolossales — weiß er nicht, ob er dem Rufe Folge leisten könne, denn als Lohnsklave der „Neuen Freien Presse“ ist es ungewiß, ob er Urlaub erhalten wird. Beit einem Besuch auf dem Landgut des Grafen Eulenburg besteht dieser nachdrücklich: darauf, daß Herzl nach Jerusalem komme, um denn Kaiser dort eine Deputation von Zionisten vorzustellen. Wilhelm trage sich mit dem Gedanken eines Protektorates über Palästina. Eulenburg sagte da: Wir können es nur wollen. Wie es sich später fügt, das steht bei Gott. Wir können heute auch noch nicht wissen, ob wir in der Sache bis zum Ende gehen können. Einen Krieg wird Deutschland wegen; der Zionisten nicht führen.“ Wieder ist es der Großherzog Friedrich von Baden, der Herzl weiter die Wege ebnet. Am 9. Oktober sagt er zu ihm bei einer Audienz im Stadtschloß: t „Der Kaiser hat die Sache genau kennengelernt und ist voll von Enthusiasmus. Das Wort sagt nicht zu viel: er ist ganz enthusiastisch! eingenommen für Ihre Idee. Er spricht mit großer Lebhaftigkeit davon. Er hätte Sie auch schon empfangen, denn man hat Vertrauen zu Ihnen, aber es wird jetzt erachtet, daß es besser ist. Sie in Konstantinopel und in Jerusalem zu empfangen.“ — Es ist in hohem Grade reizvoll;, in den Herzlichen Memoiren zu lesen, wie die Arbeit Eulenburgs für den Zionismus durch die stark skeptischen Ansichten Bülows gestört wird, der Herzl in Gegenwart des Reichskanzlers Hohenlohe spricht. Indes ilst doch das Interesse des Kaisers an der Angelegenheit so stark geworden, daß Bülow ihn nicht hindern konnte, Herzl zu empfangen. Für Herzl ist es nun an der Zeit, so rasch wie möglich die Vorbereitungen für die Reise nach dem Orient zu treffen. Wir übergehen hier die Schwierigkeiten, die Herzl zu überwinden hatte, um in Konstantinopel eine Audienz beim Kaiser zu erreichen. In dem Brief, den er in Konstantin Opel noch an Wilhelm II. schreibt, spricht er davon, daß er „dem Lande Israels“ dem Kaiser die Abordnung der europäischen Zionisten vorsteilen solle. „Gottes Geheimnis liegt über uns in diesen weltgeschichtlichen Stunden. Es gibt kein Bangen, wenn er mit uns ist.“ Herzl sah in dem Kaiser etwas ganz Außerordentliches dnd war tief davon durchdrungen, daß, wenn dieser sich für seine Sache einsetzte, sie nicht fehlschlagen könnte. Auf dem Schiff nach Palästina hat Herzl dann den ganzen Verlauf der Unterredung auf gezeichnet. Man empfindet es als peinlich, daß er in diesem Bericht so oft von seiner Kleidung spricht und immer in Sorge war, ob er den richtigen Anzug gewählt habe. Aber er hat wohl nicht mit Unrecht gedacht, daß auch diese Dinge notwendig seien, um im entscheidenden Augenblick zu wirken. Es ist nicht unmittelbares Interesse an den Juden, das den Kaiser veranlaßt, sich mit Herzl in ein langes Gespräch; einizulassen. Es ist — und das kann gar nicht oft genug betont werden, um nicht eine falsche Einstellung aufkommen zu lassen — immer wieder das Bedürfnis, eine Rolle zu spielen, er gefiel sich in dem Gedanken, den Aufbau Palästinas unter seinen Schutz zu nehden. Herzl hat sich von der Gewalt seiner eigenen Begeisterung fortreißen lassen und schloß seine Ausführungen mit den Worten: Ich weiß nicht, bin ich so verannt, aber die Sache kommt mir als eine ganz Natürliche vor.“ Worauf der Kaiser antwortet (Herzl notiert: „er sahi mich mächtig an“): „Mir auch“. Die Schwierigkeit bleibt, wie sich die Türkei1 zu den Plänen stellen wird. Da sagt Wilhelm II: „Es wird doch wohl Eindruck machen, wenn der Deutsche Kaiser sich darum kümmert, Interesse dafür zeigt.“ Nun hieß es für Herzl die Ansprache ausarbeiten, die er in Palästina an den Kaiser halten sollte und die Bülow vorher zur Durchsicht vorzulegen bat. Sie mußte durchaus auf die Mentalität Wilhelms abgestimmt sein, für die Herzl eine große Zuneigung empfand. So schloß er mit den Worten: „Ein Kaiser des Friedens zieht mächtig in die ewige Stadt. Wir Juden grüßen Ew. Majestät in diesem hohen Augenblicke und wünschen dabei aus tiefster Brust, daß ein Zeitalter des Friedens und der Gerechtigkeit anbrechen möge für alle Menschen, auch für uns.“ In Mikweh Israel sprach Herzl den Kaiser einen Augenblick. Die jüdische Jugend der Siedlung begrüßte Wilhelm II. mit „Heil Dir im Siegerkranz“. In Jerusalem! kam es sodann in dem kaiserlichen Zeltlager zur Verlesung der Ansprache, die vorher noch dürchkorrigiert war. Danach zog der Kaiser Herzl in ein Gespräch über die Zukunft des Landes, indem er TSbuThallmcuer München TfaeaänerttrAÖ.!j&nzol]anj& wm