Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 28 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Das Jüdische Echo Nr. 28 Aus der indischen Welt Deutschland Professor Willstätters Rücktritt Berlin. (J.T.A.) Professor Willstätters Verzicht auf den Münchener Lehrstuhl für Chemie wegen des antisemitischen Verhaltens des Professorenkollegiums der Münchener Universität bildet noch immer Gegenstand der Diskussion in fast der gesamten deutschen Presse. Wie aus München telegraphiert wird, beabsichtigt der Mathematiker Pringsheim, sich dem Protest Willstätters anzuschließen und auf einen Lehrstuhl zu verzichten. In einer Besprechung des Falles Willstätters erinnert die „Frankfurter Zeitung“ daran, daß auch der bedeutendste amerikanische Biochemiker der Gegenwart, Professor Dr. Jacques Loeb, ein deutscher Jude ist, der Deutschland wegen antisemitischer Anfeindungen verlassen hat, und daß die amerikanische chemische Industrie sich heute schon zu einer beachtenswerten Konkurrenz für die deutsche entwickelt hat. Die Zeitung schließt: „Der wissenschaftliche Antisemitismus ist der allergefährlichste, denn er schädigt Deutschland wissenschaftlich, wirtschaftlich und moralisch in der ganzen Welt aufs allerschwerste.“ — Wie aus Heidelberg gemeldet wird, hat Professor Willstätter einem Ruf der Universität Heidelberg zur Übernahme des Lehrstuhls der Chemie Folge geleistet. Die Einladung des preußischen Kultusministers, der ihm eine freie Forscherstelle in Berlin an der Kaiser Wilhelm-Akademie angeboten hatte, hat Professor Willstätter nicht angenommen. (Wir geben diese Mitteilung mit allem Vorbehalt wieder. D. Red.) Die nächste Hauptversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Berlin. (J.T.A.) Am 21. und 22. September 1924 findet in Berlin die ordentliche Hauptversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten statt. In Verbindung mit dieser Tagung macht einer der Führer der Mitglieder des Reichsbundes, Herr Ledermann, in der Verbandszeitschrift „Der Schild“ die Anregung, eine Verbreiterung der Grundlage des Reichsbundes vorzunehmen, wie dies von zahlreichen Jugendkreisen stürmisch gefordert wird. Man will neben der Mutterorganisation eine Jugendorganisation gründen, welche Abwehrarbeit im Sinne des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten leistet. Einzelne Ortgruppen haben bereits Jugend-Förderer-Gruppen gegründet. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten sucht Verbindung mit schon bestehenden Sport- und Jugendvereinen und versucht, ihnen eine Rahmenorganisation zu sein für ihre sportliche Betätigung. „Die junge Front“ — so schließt Herr Ledermann — „wird auch im Augenblick der Notwehr bereit sein, mit uns in die Bresche zu springen, wenn ein aufgehetzter Mob es versuchen sollte, Leben, Eigentum und Ehre unserer Glaubensgenossen zu bedrohen.“ Das Ergebnis der Berliner Studenjenwahlen Berlin. (J.T.A.) Am 3. Juli abends waren die Wahlen in das Berliner Studentenparlament beendet. Das Skrutinium erbrachte das überraschende Resultat, daß die bisherige Zweidrittelmehrheit der Rechtsgruppen gebrochen worden ist. Abgegeben wurden 3771 Stimmen, davon 1359 für die Linksgruppen. Es erhielten: Deutscher Studentenbund 18 Mandate (vorher 18), Vereinigte jüdische Gruppe 6 (4), Jugendbewegung 7 (5), Kommunisten 3 (l); Finkenschaft 30 (28), Korporationen 12 (17), Berliner Waffenring 23 (22). Die drei letzten Rechtsgruppen bilden also noch immer die Mehrheit, jedoch statt früher mit 67 jetzt mit 65 Stimmen. Der Wahlkampf wurde mit einer an der Universität noch nie beobachteten Heftigkeit geführt. Der Studentenausschuß hat bei der Erteilung der Wahllegitimationen von den Ausländsdeutschen ein Religionsbekenntnis gefordert. Dagegen protestierten die Minderheitsgruppen mit der Begründung, daß diese Forderung eine krasse Verletzung der Reichsverfassung bedeutet. Universitätsrat Markart gab dieser Beschwerde statt, so daß am dritten Wahltage von der erwähnten Forderung abgesehen worden ist. Inzwischen sind auf diese Weise viele ausländische jüdische Studenten ihres Stimmrechtes beraubt worden. Amerika Die amerikanische Zionistenkonferenz für die Verlegung der Zionistischen Leitung nach Jerusalem New York. ( J.T.A.) Die 27. Jahreskonferenz der zionistischen Organisation Amerikas, die soeben in Pittsburg stattfand, hat eine Resolution angenommen, in der die Verlegung der Leitung und des Hauptbüros der zionistischen Organisation von London nach Jerusalem gefordert wird. — Folgende Persönlichkeiten sind in die neue Exekutive der amerikanischen zionistischen Organisation gewählt worden: Die Herren Louis Lipsky, Richter Bernard, A. Rosenblatt, Max Schulman, Rabbiner Silver, Frl. Henriette Szold, Dr. Tannenbaum, Meister, Cohheim, Ab. Goldberg, Boris Grabelsky, Emanuel Neumann, Morris Rothenberg, Louis Topkis und Kalisky. England Sir Herbert Samuel in London eingetroffen .London (J.T.A.). Am Abend des 2. Juli trafen der High Commissioner für Palästina, Sir Herbert Samuel und seine Gattin Lady Samuel, in London ein. Sie wurden auf dem Bahnhof von Sir Renald Storrs, Lady Storrs, Major Hubert Young, der als Vertreter des Kolonialamtes erschienen war, sowie von Verwandten und Freunden begrüßt. Pressevertretern gegenüber sagte Sir Herbert, er sei tief erschüttert über den Mord an Dr. de Haan. Sofort nach seiner Ankunft sandte er ein Telegramm nach Palästina, in welchem er den Verwandten Dr. de Haans sein tiefstes Beileid ausspricht. Am 3. Juli besuchten Sir Herbert und Lady Samuel den palästinensischen Pavillon in der britischen Reichsausstellung zu Wembley. In ihrer Begleitung befanden sich die folgenden Persönlichkeiten: Sir Ronald Storrs, das ehemalige Oberhaupt der militärischen Verwaltung Palästinas, General Sir A. Money, Dr. G. Halpern, Herr Walter S. Cohen und Herr L. S. Stein. Lady Samuel wurde beim Betreten des Pavillons ein Bouquet überreicht. Vor seiner Abreise empfing er eine Delegation des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat), der er erklärte’ daß er im September nach Palästina zurückkeftren werde, um noch ein Jahr dort zu bleiben bis zum Ablauf seiner auf fünf Jahre, also bis Sommer 1925, laufenden Amtsperiode. (Ziko.) Die englische Königin nimmt eine Kiste eisgekühlter Jaffaer Orangen als Geschenk entgegen Die englische Königin hat als Geschenk der Kooperative der palästinensischen Orangenzüchter „Pardess“ eine Kiste Jaffaer eisgekühlter Orangen entgegengenommen. Der Vertreter der „Pardess“- Genossenschaft auf der Ausstellung in Wembley Fortsetzung auf Seite 16