Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 28 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 163 meindeordnung zu erheben. Nach Ansicht der Agudisten würde eine Sanktionierung dieser Ordnung zur Folge haben, daß die orthodoxischen Gemeinschaften unter zionistische Bevormundung kommen würden. Durch das tragische Ende Dr. de Haans ist nun die Abreise der Delegation, zu der auch Dr. Vallach gehörte, in Frage gestellt worden. Die palästinensische Agudah ersucht telegraphisch das Kolonialamt, die Mörder de Haans zu bestrafen Jerusalem (J.T.A.). Laut der palästinensischen Telegraphenagentur hat die Agudas-Jisroel- Organisation in Jerusalem in der Angelegenheit des Mordes an Dr. de Haan am 3. Juli der palästinensischen Regierung ein Memorandum unterbreitet und zugleich an das Kolonialamt in London telegraphiert. Es wird ersucht, alle Mittel zu ergreifen, um die Mörder Dr. de Haans ausfindig zu machen und zu bestrafen. Zu gleicher Zeit wird nachdrücklich ersucht, den jüdisch-orthodoxischen kommunalen Organisationen in Palästina volle Freiheit zu gewähren; das wäre das einzige Mittel, dem Konflikt zwischen den beiden jüdischen Parteien in Jerusalem Einhalt zu gebieten. Die Agudah gegen die zionistische Presse. — Eine Wendung an Sir Herbert Samuel London (J.T.A.). Am 3. Juli abends fand in London eine Versammlung des Zentralrats der englischen Agudas Jisroel statt. Den Vorsitz führte der Präsident der Weltorganisation der Agudah, Dr. Pinchas Kohn. Es wurde eine Resolution angenommen, in der das Attentat an Dr. de Haan scharf verurteilt wird. Es wird weiter gesagt, die zionistische Presse trage die Verantwortung für die Feindschaft unter den jüdischen Brüdern. Die Resolution bezieht sich keineswegs auf die zionistische Organisation, sondern nur auf gewisse Tendenzen einzelner zionistischer Zeitungen. Es wurde beschlossen, bei Sir Herbert Samuel anzufragen, ob nicht endlich eine Möglichkeit geschaffen werden könne, eine freundschaftliche Einigung bezüglich der Position der Agudah in der Sache der Gemeinden herbeizuführen, damit die Agudas Jisroel es nicht mehr nötig haben solle, sich offiziell an das Kolonialamt zu wenden. Beileidskundgebungen an die palästinensische Agudah Jerusalem (J.T.A.). Die palästinensische Agudas Jisroel hat von dem palästinensischen General-Anwalt, Norman Bentwich, ebenso von den französischen und spanischen Konsuln in Jerusalem Beileidskundgebungen aus Anlaß der Ermordung Jacob de Haans erhalten. Auch aus dem Auslande trafen Kondolenzen ein. Anfrage im Unterhaus über den Mord an de Haan London (J.T.A.). In der Unterhaussitzung v. 4. Juli hat Lieut.-Colonel Howard Bury an den Staatssekretär für die Kolonien die Frage gestellt, ob er irgendwelche Informationen über den Mord an dem prominenten Antizionisten, Dr. de Haan, zu erteilen in der Lage wäre; ob er wüßte, daß de Haan im Begriffe war, nach London zu reisen, um dem Kolonialamt die Einwände der orthodoxischen antizionistischen Juden gegen jene Verordnungen darzubringen, die geeignet wären, diese Juden unter eine zionistische Herrschaft zu stellen; endlich, ob er unverzüglich die nötigen Schritte zur Ergreifung des Mörders einleiten wolle. Eine Antwort wurde in dieser Sitzung nicht erteilt. Konfessioneller Friede In Nr. 27 des „Jüd. Echo“ haben wir anknüpfend an die Leitsätze, welche der neue Ministerpräsident Held seiner Programmrede zugrunde legte, auseinandergesetzt, wie er sich den konfessionellen Frieden denkt und wie er scheinbar die Juden von diesem Frieden ausgeschlossen hat. Es ist diese Unterlassung des Herrn Ministerpräsidenten umso merkwürdiger, als an einer anderen Stelle der Rede ausgeführt ist; „Ich vertrete die Auffassung, daß nur eine Erziehung auf dem Boden positiv christlicher Grundsätze und in Auswirkung der 10 Gebote Gottes unserem Volke und seiner Gemeinschaft dienlich ist“ usw. Der Herr Ministerpräsident ist nach seiner Kundgebung zu schließen auf dem Boden des Alten Testaments gut beschlagen und es dürfte ihm daher sicher nicht unbekannt sein, daß die 10 Gebote dem israelitischen Volke am Berge Sinai offenbart wurden. Und wenn nun dem Herrn Präsidenten die Gesetzgebung am Sinai so sehr ins Herz gedrungen ist, dann wird er sicher das gleiche Herz nicht den Worten verschließen, welche Gott im Anschluß an die 10 Gebote dem Volke ans Herz legte. Wir lesen da in der heil. Schrift: „Den Fremdling sollst du nicht kränken und ihn bedrücken.“ Wenn er nun bei seiner Kundgebung für den konfessionellen Frieden nur an die Christenheit dachte, so hätte er doch im Anschluß hieran nicht unterlassen dürfen, auch darauf hinzuweisen, daß auch den Bürgern des Landes, welche nicht dem christlichen Bekenntnis angehören und welche nach seiner Auffassung scheinbar Fremdlinge sind, der Schutz zu gewähren ist, welcher ihnen Bewegungsfreiheit sichert. J. F. POBZELLM-NIEDEBLiOl MÜNCHEN THEA TINERSTRASSE 4» dtr FtldktrrukmMa «SÖSSTC ivswm IN «C»A»CISr«IIBIiLA)l TÄttLICMJE IiAHBBBBttÄlISXfi