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Das jüdische Echo · 1924-07-11 · 28 (11.7.1924) · p. Seite 162

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
28 (11.7.1924)
Date
1924-07-11
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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162 Das Jüdische Echo Nr. 28 Gefühl der Entfremdung zu bemächtigen. Er wünschte deshalb, diese überlauten Beteuerungen der Juden von ihrem treudeutschen Empfinden würden aufhören, da ja nur im Vertrauen auf sie die Gegner ihr frevelhaftes Spiel wagen. Vielmehr sollten diese in mutiger und stolzer Weise auf die begrenzte Duldungsfähigkeit der jüdischen Seele und auf das Beispiel Spaniens und auf den drohenden Verlust der jüdischen Seele für das Deutschtum hingewiesen werden. Die seelischen Wirkungen des Judenhasses müssen am tiefsten von den ehemaligen Frontsoldaten empfunden werden, denen in niederträchtiger Weise Feigheit vorgeworfen werde. Der Redner schildert seine eigenen Eindrücke im Felde während seiner dreieinhalbjährigen Tätigkeit als Feldrabbiner, die gerade das Gegenteil bezeugen. Er weist auch darauf hin, wie sehr gerade die Zionisten sich im Felde hervortaten und er sehr oft an den gefährdetsten Stellen der Front, als Ärzte in den Seuchenlazaretten usw. die eifrigsten Zionisten gefunden habe. Die Lüge von der Feigheit der jüdischen Soldaten im Felde sei der Lüge von der deutschen Alleinschuld am Kriege durchaus moralisch gleich zu bewerten. Ludendorffs neuerliche Behauptung vom Deutschenhaß der Juden richte sich von selbst durch folgende Momente. Er sei den Beweis für seine Behauptung schuldig geblieben, da das schwindelhafte Machwerk der „Weisen von Zion“ gewiß nicht als Beweis dienen könne, wie auch nicht das auf diesem aufgebaute Fordsche Buch. Sodann habe General Ludendorff während des Krieges nichts hiervon gewußt, da er den Ostjuden vieles Wohlwollen erwiesen habe, wie er selbst erzählt. Auch habe er dem Redner selbst ein Dankschreiben für seine beiden Bücher über Brest-Litowsk, die er ihm sandte, zugehen lassen. Endlich stehe Ludendorff mit seiner Behauptung von der Deutschfeindlichkeit der Juden unter den ehemaligen kommandierenden Generälen vereinzelt da, worüber der Redner interessante Mitteilungen aus seinen eigenen Erfahrungen macht. Das geschichtliche Denken des Juden lasse ihn auch den heutigen Antisemitismus kaltblütig hinnehmen, da er nur ein in der jüdischen Geschichte oft genug wiederkehrendes Bild zeige. Als von den Feinden ungewollte gute seelische Wirkung des Judenhasses müsse die Erstarkung des religiösen Gefühles und der Zusammengehörigkeit der Juden betrachtet werden. Und ebenso das erfreulicherweise auch bei den deutschen Juden zunehmende Interesse für die Schaffung eines jüdischen Kulturzentrums in Palästina. Die großen deutschen Reichsorganisationen forderte der Redner zum Schlüsse zum großzügigen Wirken für Volksentgiftung und umfassende Belehrung über das wahre Wesen von Juden und Judentum auf. Der Vortrag erntete wohlverdienten starken Beifall, der als erfreuliches Anzeichen für die Entwicklung in der Ortsgruppe gedeutet werden kann. Der frühere Vorsitzende derselben gab dem Vortrag eine mißverstandene Auslegung. Seine Ausführungen wurden durch Herrn Dr. Tänzer unter erneutem Beifall glänzend widerlegt. Die Ermordung Dr. de Haans Die kurze Nachricht von der Ermordung Dr. de Haans, die uns vorige Woche nach Redaktionsschluß erreichte und deshalb nur kurz wiedergegeben werden konnte, beleuchtet grell die traurigen Verhältnisse, die politische Verhetzungen in Palästina geschaffen haben und unter denen das Aufbauwerk naturgemäß außerordentlich leidet. Es ist unnötig zu betonen, daß man den Mord verdammt, denn dies ist doch wirklich selbstverständlich. Es ist traurig genug, daß überhaupt die Vermutung eines politischen Mordes möglich ist — andere Möglichkeiten sind angesichts der Tatsache, daß der Tote viele persönliche Gegner hatte, durchaus gegeben — und bei dem größten Mitgefühl für das Schicksal des Toten und seine Familie wird man die Frage nicht unterdrücken können, wer die politische Atmosphäre in Palästina so sehr vergiftet hat, daß der Gedanke möglich ist, bevor man vom Mörder und seinen Motiven eine Spur hat, in der Mordtat politische Beweggründe zu suchen. Da muß gesagt werden, daß Dr. de Haan von der Agudah auf einen politischen Posten gestellt wurde, für den die Maßlosigkeit seiner Feindschaft gegen alles Zionistische ihn durchaus ungeeignet machte, de Haan, der übrigens mit einer Christin verheiratet war, ist ein religiöser Schwärmer gewesen, der zu verhindern suchte, daß Juden Palästina aufbauen, im Land an Zahl und Macht zunehmen, dessen Leben nicht oder nicht ausschließlich von den religiösen Vorschriften bestimmt wurde. In diesem Bestreben war ihm jedes Mittel recht. Er verbündete sich mit dem Feinde der jüdischen Gemeinschaft in Palästina, gleichviel ob es arabische Nationalisten oder englische Antisemiten in London waren, er denunzierte die Zionisten bei Lord Nortkliff, dem schlimmsten Zionistenfeind und beim arabischen König Hussein. Mit einem Wort, er war ein politischer Gegner, der die Grenzen seiner Gegnerschaft nicht im gemeinsamen Interesse des jüdischen Aufbaues in Palästina sah, sondern er tat alles, um den Aufbau zu stören, ungeachtet des Umstandes, daß er letzten Endes allen Juden, auch den orthodoxen, im Lande ungeheuer geschadet hat. Der traurige Vorfall sollte Anlaß zur Einkehr und Umkehr sein und alle Faktoren dahin bringen, die gemeinsame Basis für den Palästinaaufbau, an dem jeder Wirkungsmöglichkeiten hat, zu suchen. Bisher hat die Agudah ganz besonders durch Dr. de Haan den Aufbau gehemmt und im Lande nichts geleistet. Es eröffnet allerdings die schlimmsten Aussichten, wenn die Agudah es nun vermochte, in einem Telegramm an das englische Kolonialamt mit dem Ersuchen, die Mörder zu bestrafen (ist das nicht selbstverständlich?), eine politische Forderung zu verbinden. Ob das politischem und menschlichem Takt entspricht, überlassen wir dem Urteil der jüdischen Öffentlichkeit. Wir wollen aber „in diesem Augenblick alle Bitterkeit unterdrücken und nochmals die Mahnung aussprechen, alle Differenzen'' hintanzusetzen und den tiefsten Abscheu vor dem Morde zum Ausdruck bringen“ — aber auch die Mahnung zum gemeinsamen Aufbau. Der Mord an Dr. de Haan Jerusalem (J.T.A.). Über den am 30. Juni abends an Dr. Jacob de Haan in Jerusalem verübten Mord ist noch zu melden: Das Attentat geschah um 8 Uhr abends im Hof des Krankenhauses des Herrn Dr. Vallach, als Dr. de Haan gerade die Krankenhaus-Synagoge verließ, wo er das Abendgebet verrichtet hatte. Dr. de Haan wurde von drei Kugeln getroffen, er starb 5 Minuten nach dem Attentat. Von den Tätern fehlt noch immer jede Spur. Dr. Jacob de Haan, der Führer der antizionistischen orthoxischen Juden in Palästina, sollte noch in dieser Woche an der Spitze einer Delegation orthodoxischer Juden nach London abreisen. Der Zweck der Reise war, gegenüber dem Kolonialamt in London im Namen der palästinensischen Agudisten Einwände gegen die geplante neue Ge-

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