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Das jüdische Echo · 1924-07-11 · 28 (11.7.1924) · p. Seite 161

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
28 (11.7.1924)
Date
1924-07-11
Page
Seite 161 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 161 Das Jüdische Echo Finanziell würden die Stellen, welche Beilagen im Blatt erscheinen lassen (es wäre in wechselnder Folge eine Beilage „Getneindenachrichten“ und eine Beilage „Verbandsnachrichten“ denkbar), über die selbstverständliche Vergütung für den beanspruchten Raum hinaus keinerlei Leistungen übernehmen. Es wäre auch weiterhin Sache des Verlegers, für geschäftliche Bilanzierung des Unternehmens zu sorgen. Er wird zu diesem Zweck auf private Unterstützung der interessierten Kreise bei seiner Abonnenten- und Inserentenwerbung wohl rechnen können. Die jüdische Allgemeinheit würde in einem so ausgestalteten Blatt das finden, wessen sie dringend bedarf: 1. Regelmäßige Information über alle jüdischen Angelegenheiten, wobei naturgemäß die politischen Ereignisse in Bayern und Deutschland, die jüdische Interessen betreffen, einen breiten Raum einnehmen müßten. Dadurch würden weite jüdische Kreise, die bisher uninteressiert abseits stehen, eben dadurch interessierter, daß sie informierter sind als bisher. Es liegt meines Erachtens im Interesse aller jüdischen Organisationen und führenden Persönlichkeiten, dahin zu wirken, daß das Interesse aller Juden an Angelegenheiten der jüdischen Gemeinschaft gestärkt wird und ein gemeinsames jüdisches Organ, dessen Inhalt interessant und anregend genug gestaltet wird, erscheint hiezu besonders geeignet. 2. Würde dieses Blatt im Abwehrkampf, der besonders während der bevorstehenden Wahlbewegung von großer Wichtigkeit ist, sich Geltung verschaffen und bewirken, daß die Öffentlichkeit nicht ausschließlich von der Judenhetze beherrscht wird. Um diesem allgemeinen Interesse zu dienen, sind die gegenwärtigen Herausgeber des Jüdischen Echo bereit, ihre Herausgeberrechte aufzugeben. Es sei darauf hingewiesen, daß jederzeit die Möglichkeit besteht, das Jüdische Echo in seiner bisherigen Form neu herauszubringen und hiezu keinerlei Unterstützung bisher fernstehender Kreise nötig wäre, daß also nicht etwa innere Schwierigkeiten zu diesem Vorschlag, der im wesentlichen schon seit längerer Zeit gemacht wurde, Anlaß geben. Es ist dringend nötig, nunmehr eine Entscheidung zu treffen, ob das Jüdische Echo in seiner bisherigen Form wieder erscheinen soll oder ob ein neues Blatt nach diesem Vorschlag herauskommt. Ich bitte deshalb die Entscheidung der Stellen, die für eine Beteiligung im vorgeschlagenen Sinne erforderlich sind, mit möglichster Beschleunigung herbeizuführen. Als Eventualität möchte ich noch erwähnen, daß auch ein privates Herausgeberkomitee aus Vertrauensleuten der betreffenden Richtungen als Herausgeber fungieren könnten und daß der Gemeindeverband im wesentlichen nichts anderes übernähme, als dem neugestalteten Blatt seine Mitteilungen regelmäßig beizugeben, was an sich der Verband, wie dies allgemein von Behörden u. dgl. geschieht, tun könnte, ohne etwas mit dem Inhalt des Blattes zu tun zu haben. Ich erwarte Ihren baldgefl. Bescheid und bin mit ergebensten Grüßen Ihr gez. Jakob Reich. Die seelischen Wirkungen des deutschen Judenhasses Im Bund jüdischer Frontsoldaten sprach Rabbiner Dr. Tänzer aus Göppingen über dieses Thema. Der Vortragende weist einleitend auf die Notwendigkeit der Behandlung dieses Themas hin, weil die jüdischerseits aus dem Bestreben nach Wahrhaftigkeit und Selbsterkenntnis bisher erfolgte psychologische Ergründung des Judenhasses sich nur mit den seelischen Ursachen derselben, nicht aber mit seinen tiefgehenden seelischen Wirkungen auf die Juden selbst befaßte. Die Judenfeinde in Deutschland rechnen auch heute wieder mit der notorischen und in der Religion begründeten Vergeßlichkeit der Juden für erlittene Unbill, die sie immer wieder zu den treuesten Patrioten werden ließ, sobald der Judenhaß, der immer nur Mittel zu fremdem Zwecke war, von seinen Urhebern beiseite gelegt wurde. Heute dürfte dies kaum zutreffen, weil die derzeitige antisemitische Schmutzwelle nicht nur ein tiefes geistiges und sittliches Niveau, sondern zugleich den empörendsten Undank nach den hervorragenden Leistungen der Juden im Weltkriege bedeute. Seine seelischen Wirkungen auf die Juden seien so tiefe, daß sie nur schwer überwunden werden könnten. Der Redner schildert sodann den Seelenzustand der Deutschen und der Juden vor 10 Jahren bei Ausbruch des Krieges, der von allgemeiner Verbrüderung erfüllt war und auch den deutschen Juden das Gefühl restloser Heimatlichkeit in Deutschland gab. Eine Gegenüberstellung des heutigen Seelenzustandes der deutschen Juden ergibt diese seelischen Wirkungen, die der Redner ausführlich schildert und die alle das Gefühl der Heimatlichkeit schwer erschüttern mußten. Die fehlende absolute Sicherheit für Leben, Ehre und Eigentum, die Unsicherheit und Befangenheit im Verkehre mit Nichtjuden, das Mißtrauen und Wittern, von Judenfeindlichkeit, die aus der steten Rücksicht auf das Urteil nichtjüdischer Kreise sich ergebende Unfreiheit des eigenen Wesens. Unter Hinweis auf den Rathenau-Gedenktag bespricht er als weitere Wirkung die immer mehr zunehmende Zurückhaltung der tüchtigsten jüdischen Kräfte von der Mitarbeit im öffentlichen Leben, legt das seit 1000 Jahren ohne Erfolg geübte Ringen des Juden um die deutsche Volksseele mit allen Mitteln der Hingabe dar, weil die alle paar Jahre auftretende Volksvergiftung durch den Judenhaß die deutsche Seele nicht zur Ruhe kommen ließ. Nunmehr drohe sich auch der jüdischen Seele ein DAS HAUS KREU-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN — GARDINEN - DECKEN

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