Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 28 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Das JiMlscke Echo Nr. 28 sammengehen mit demselben — wohlgemerkt nach Umgestaltung und Sicherung der Gleichberechtigung aller Richtungen an dem Blatte — bilden muß, nimmt nicht Wunder. Wir allerdings glauben, daß wir stolz’ sein können auf diese Vergangenheit; daß die elf Jahrgänge des Echo Zeugnisse eines unermüdlichen, wachsamen Dienstes für das jüdische Gemeinwohl sind. Das Echo hat besonders in den schwierigsten Momenten der neueren jüdischen Geschichte in München und Bayern, während deren die Öffentlichkeit sonst eine Vertretung der gefährdeten Judenheit überhaupt nicht bemerkte, dem Judentum mehr genützt, als manche Liberale beurteilen können. Daß die Herausgeber des Echo, die dem Zionismus nahe stehen, gezwungen waren und sind, sozusagen allein die gesamten jüdischen Interessen in der Öffentlichkeit wahrzunehmen, ist ihnen überaus unerwünscht. Die jüdische Allgemeinheit einschließlich der Liberalen hätte Grund zum Dank und zur Anerkennung. Daß den jüdischen Liberalen die Vergangenheit des Echo belastet erscheint, ist tief beschämend — für die Liberalen. Es ist aber noch nötig, die eigentlichen Beweggründe der Liberalen klarzulegen, nach ihren eigenen — allerdings nicht offiziellen — Erklärungen: Die Liberalen wollen kein gemeinsames jüdisches Blatt, an dem sie und die Zionisten gleichberechtigt wirken können — weil sie die Überlegenheit der Zionisten kennen. Sie geben zu, daß die Zionisten in jüdischen Dingen mehr zu sagen wissen, stärker an den jüdischen Angelegenheiten interessiert sind. Die Liberalen wollen kein Gemeindeblatt schaffen, an dem sie ja den Zionisten als gleichberechtigten Gemeindegliedern die gleichberechtigte Mitwirkung — also genau das, womit sich diese beim Echo begnügen wollten — gar nicht versagen können. Sie wollen die geistige Auseinandersetzung über die Verschiedenheit der Stellung zu den jüdischen Problemen nicht, sie können eine solche Auseinandersetzung — und gar die sich an allen Ereignissen der jüdischen Welt stets erneuernde — gar nicht riskieren, weil sie eingestandenermaßen für eine solche Auseinandersetzung nichts mitbringen. Das haben sie beim letzten Gemeindewahlkampf mit ihren geschlossenen Wahlversammlungen im Gegensatz zu den öffentlichen der jüdischen Volkspartei und jetzt durch ihre Ablehnung des Echo bewiesen. Die Liberalen geben immer aufs Neue ihren Mangel an Fähigkeit zu positiver aufbauender jüdischer Leistung zu erkennen. In der Gemeindestube sind sie Verwalter von Gemeindeeinrichtungen statt Führer der ganzen Gemeinde zu sein, die in dieser Zeit des Judenhasses sich nach Führern sehnt und mit der Gemeinde-Verwaltung keine Berührung hat. In der Ablehnung des gemeinsamen Blattes als gemeinsame Plattform durch die Liberalen dokumentieren diese — eingestandenermaßen — ihre Schwäche. Es ist tief bedauerlich, daß dies heute nach jahrelangem Zusammenwirken in der Gemeindestube von der liberalen Partei als solcher gesagt werden muß. So lange die einsichtigen liberalen Führer in der Gemeinde, die Sinn für gesamtjüdische Aufgaben haben, sich dem Druck der Radikalen ihrer Partei, der Männer, die mit ihren Anschauungen an der Peripherie des Judentums stehen, fügen, ist dies nicht anders möglich. Von liberaler Seite wurde die Frage, wer die jüdische Gemeinde leiten wird, mit humoristisch sein sollenden Bemerkungen bagatellisiert. Die Herren haben größere Sorgen. (Doch nicht in der Gemeindestube?) Mag sein. Uns ist alles Jüdische wichtig. Unser Judentum ist uns Lebenszentrum. Deshalb sind wir den Liberalen — sie bezweifeln das wohl selbst nicht — als Juden weit überlegen. Deshalb sind wir auch viel stärker als sie zur Führung jüdischer Angelegenheiten legitimiert, innerhalb und außerhalb der Gemeindestube. Die Männer, die nach den Erlebnissen der letzten Jahre nicht mehr jüdisches Gemeinschaftsgefühl haben, als die liberale Gemeindefraktion in dieser Sache zeigte, haben nicht die Eignung zur Führung der Gemeinde. Daran wird man zu geeigneter Zeit erinnern und das sei heute schon allen Gemeindemitgliedern gesagt, die eine lebendige jüdische Gemeinde wünschen, eine Gemeinschaft ihrer Glieder. Das „Jüdische Echo“ aber wird seiner Aufgabe weiterhin unbeirrt dienen. Alle, die guten Willens sind, gleichviel welcher Partei zugehörig, werden aufgefordert mitzuwirken. Jakob Reich. Um den Geist des Vorschlags, gegen den sich die Liberalen gewehrt haben, zu zeigen, lassen wir den Wortlaut des Vorschlags, der dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde München und des Gemeindeverbandes in Briefform zuging, folgen: München, den 10. März 1924 Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer München Sehr geehrter Herr Oberlandesgerichtsrat! Wie ich Ihnen mehrfach dargelegt habe, halte ich ein jüdisches Blatt, an dem die hauptsächlichsten jüdischen Parteien teilnehmen und das mit entsprechender Publizität die jüdischen Interessen vertritt, für eine dringende Notwendigkeit. Im allgemeinen Interesse, das meine näheren Freunde, ebenso wie ich, den unmittelbaren Interessen unserer Gruppe voranstellen, erkläre ich mich bereit, mich bei der Zionistischen Gruppe, die jetzt die Herausgeberrechte des „Jüdischen Echo“ besitzt, für folgendes einzusetzen: 1. Das jüdische Echo wird in ein allgemein neutrales Blatt umgewandelt, dessen Herausgabe nicht mehr von der gegenwärtigen Gruppe, sondern von einem einzusetzenden Redaktionsausschuß erfolgt. Der Redaktionsausschuß setzt sich zusammen aus je einem Beauftragten der hauptsächlichsten Parteien (Liberale, Orthodoxe, Zionisten), unter einem von diesen Vertretern zu wählenden neutralen Vorsitzenden. Dieses Blatt steht sämtlichen Richtungen in gleicher Weise zur Verfügung und gewährt unter den selbstverständlichen, vom Redaktionsausschuß zu wahrenden Einschränkungen politischer Rücksichtnahme, volle Freiheit der Äußerung. Das Blatt wird rechtlich nur von einem verantwortlichen Redakteur, der jüdischen Allgemeinheit gegenüber vom Redaktionsausschuß verantwortet. Keinerlei sonstige Organe, insbesondere nicht Gemeindeverband oder Gemeinden tragen eine Verantwortung für den Inhalt des Blattes. Dagegen wird es für diese Organe vorteilhaft sein, in diesem Blatte ihre amtlichen Mitteilungen zu veröffentlichen. Dies könnte in der Form besonderer Beilagen, die als solche deutlich kenntlich gemacht werden und deren Inhalt ausschließlich von den betreffenden Organisationen bestimmt und verantwortet wird, geschehen. Es würde iq diesen Beilagen deutlich zum Ausdruck kommen, daß ausschließlich diese Beilage von der betreffenden Stelle verantwortet wird.