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Das jüdische Echo · 1924-07-04 · 27 (4.7.1924) · p. Seite 153

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
27 (4.7.1924)
Date
1924-07-04
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 153 clausus veranstalteten, ohne hierzu eiine behördliehie Bewilligung eingeholt zu haben. Die Polizei legte den umfangreichen Untersuchungsakt diem Unterrichtsminister Grafen Klebeisberg vor, der ihn dem Präsidium der Kultusgemeinde zur Berichterstattung und Rechtfertigung weitergeleitet hatte. Das Präsidium der Kultusgemeinde bereitet nun die Rechtfertigungsschriift vor, in der dargelegt wird, daß es die ungarländische Judenschaft als ihre heiligste Aufgabe betrachtet, die ins Exil gehenden jüdischen Hochschüler zu unterstützen und daß eine Sammelaktion gar nicthit notwendig sei, indem die Beiträge freiwillig einfließen. Minister Szabos Mittel zur Lösung der jüdischen Frage Budapest (J.T.A.). In einer Wahlversammlung in seinem Wahlbezirk Bugaczer Pusta in der Nähe der Stadt Kocskemet hielt der Minister für Landwirtschaft Stefan Sz,abo eine Rede, in deren Verlauf er auch auf die Judenfrage zu sprechen kam. Er sagte: es ist kein christliches Werk, die Juden zu massakrieren. Was wir zu tun haben, ist, ihnen die Mittel zUm Leben zu nehmen. Diese Äußerung hat in politischen Kreisen im Hinblick auf die kürzlich von dem Premierminister Graf Bethlen abgegebenen Erklärungen, daß die antisemitische Politik in Ungarn aufhören müsse, viel Aufsehen gemacht. Szabo. der bäuerlicher Herkunft ist, wurde als eins der liberal gesinnten Mitglieder des Kabinetts betrachtet, um so mehr hat seine Äußerung überrascht. Abschaffung des Numerus clausus erst nach Wiedererlangung der verlorenen Provinzen Budapest (J.T.A.). Bei Besprechung des Angriffes auf jüdische Studenten in der Universität von Fünfkirchen in der ungarischen Nationalversammlung fragte der antisemitische Deputierte Stefan. Lendvai-Lehner die Regierung, ob sie beabsichtigt, den Numerus clausus gegen jüdische Studenten voll und ganz durchzuführen. Der Bildungsminister erwiderte, es sei die Absicht der Regierung, das Gesetz über den Numerus clausus weiter durchzuführen, es wird solange nicht aufgehoben werden, bis nicht die verlorenen Provinzen Ungarn zurückerstattet worden sind(U) Im ungarischen Parlament wird die Entsendung eines Juden zu den olympischen Spielen gefordert Unser Budapester B. P.-Mitarbeiter berichtet: In einer Interpellation bezüglich der Teilnahme der Magyaren an den olympischen Spielen in Paris, lenkte der bekannte antisemitische Abgeordnete Gömbös die Aufmerksamkeit des Ministers auf den Fechtsport, wobei er betonte, daß Ungarn einen Fechter besitzt, der an den Olympiaden zweimal die Weltmeisterschaft errungen hat. Hierauf entspann sich folgende interessante Debatte, die die antisilmetische Logik ad absurdum führt: Abg. Györky: Ein Jude! — Ja, ich konzediere, daß er Jude ist. (Die Linken bringen begeisterte Eljenrufe auf Dr. Eugen Fuchs aus.) Abg. Gömbös: Diesem zweimaligen olympischen Sieger verweigert man die Ausreise nach Paris. — Eine Schmach und ein Skandal! — Weil er Jude ist, deshalb läßt man ihn nicht, ruft die Opposition’ dazwischen. — Er muß unbedingt nach Paris! Abg. Gömbös: Auch ich halte es für unbedingt notwendig, die .Aufmerksamkeit des Ministers darauf zu lenken, daß die ungarischen Farben an der Olympiade würdig vertreten sein sollen, selbst dann, wenn ein Jude dieselben trägt.(!) literarisches Echo Berlin. Kürzlich fand in Berlin die Gründungsversammlung einer neuen bibliophilen Gesellschaft statt. Die Gesellschaft, die sich die besondere Pflege des jüdischen Buches zur Aufgabe gestellt hat, nennt sich nach dem Namen der klassischen hebr. Druckerfamilie des 15. Jahrhunderts. „Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches“ und will nach den Gesetzen der unlösbaren Gebundenheit von Buchinhalt und Buchform das schöne jüdische Buch schaffen. Sie gibt „Beiträge zur Kunde des jüd. Buches“ als Vierteljalhresschrift von jährlich 24 Bogen Umfang unter der Redaktion von) Arnold Zweig heraus, während die bibliographische Beilage, die als Fortsetzung der nach 21 jährigem Bestehen vor 2 Jahren ein gegangenen „Zeitschrift für hebr. Bibliographie“ gedacht ist. Prof. A. Freimann, Frankfurt a. M., leiten wird. Ferner beabsichtigt sie die Herausgabe seltener Texte und) wertvoller Drucke von Werken jüdischen Inhalts und jüdischen Geistes in den Sprachen aller Zeiten und Kulturen, welche in bi'blioplhlil und wissenschaftlich einwandfreier Weise als Privatdrucke für die Mitglieder hergestellt werden und ihnen, ebenso wie die Zeitschrift, gegen Entrichtung des Beitrages von Mk 10.—■ pro Halbjahr ohne weitere Nachzahlung zugehen. . Die Gesellschaft umfaßt bei der Gründung ca. 100 Mitglieder. Die Anzahl der Mitglieder ist auf 500 begrenzt. Die Geschäftsstelle der Gesellschaft, Berlin C. 2, Kaiser Wilhelmstr. 12, versendet bei Aufgabe von Referenzen Einladungen zum Beitritt und beantwortet Anfragen. Schalom Asch läßt sich dauernd in Warschau nieder. Warschau (J.T.A.). Der jüdische Schriftsteller- und Journalisten-Verein in Warschau veranstaltet am 5. Juli einen feierlichen Empfangsabend mit literarisch-künstlerischen Darbietungen zu Ehren des berühmten jüdischen Schriftstellers Schalom Asch, der nun dauernden Aufenthalt in Warschau nimmt. Der Abend findet in dem größten Warschauer Saal, dem Zirkus in der Ordinazka-Strasse, der 2500 Personen faßt, statt. Schalom Asch wird persönlidh über die Aufgaben der jüdischen Literatur sprechen. Ein jiddisches Theater in Berlin. Berlin (J.T.A.). Die bisher in dem Foli-es Caprices gastierende jiddische Theater-Truppe, die bis jetzt Operetten und Volksstücke spielte, hat sich verstärkt und zu einer Schauspiel-Truppe umgewandelt. Die Initiative hierzu gab der auf der deutschen Bülhne berühmte Schauspieler Alexander Granach, Mitglied des Staats-Schauspielhauses, der auch die Ausbildung der Truppe überwacht. Bekanntlich ging dieser Künstler aus dem Ostjudentum hervor. Die erste Vorstellung wird am Sonntag den 29. Juni im Wallner-Theater gegeben. Aufgeführt wird: Schalom Aschs „Gott der Rache“ mit Alexander Granach in der Titelrolle. „Ein neues Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege für das Jahr 1924 in Vorbereitung! Der D e u t s c h -1 s r. Gemein de b und und die Z-ent.ralwo.hlf a h r t s s t e 11 <e der deutschen Juden be^- absichtigen gemeinsam ein neues Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege (Statistisches Jahrbuch für das Jalhr 1924) herauszugeben. Da das letzte Handbuch aus dem Jahre 1913 stammt, liegt in allen Teilen des deutschen Judentums ein außerordentlich starkes Bedürfnis nach der Herausgabe des neuen Werkes vor.

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