Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 27 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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152 Das Jüdische Echo Nr. 27 Auch Baron Edmond Rothschild, der für kurze Zeit nach London gekommen ist. wo er auch mehrere wichtige Besprechungen mit Dr. Weizmann hatte, stattete dem Palästinapavillon) eiinen längeren Besuch ab. (Ziko) Polen Die jüdischen Gemeinden in Polen für die Pro- Palästina-Arbeit Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt beabsichtigt der neue Vorstand der Warschauer jüdischen Gemeinde auf die Initiative der zionistischen Mitglieder des Vorstands hin, eine intensive Tätigkeit für die Palästina-Arbeit zu beginnen. Die zionistischen Vorstandsmitglieder in den Gemeinden ganz Polens werden schon in den ersten Sitzungen der neuen Gemeindeverwaltunig Resolutionen zugunsten der Palästina-Arbeit einbringen. Man erwartet, daß sich die Mitglieder der orthodoxen Partei der Agudas JiSroel für eine, die gesamte jüdische Bevölkerung ergreifende Zwangssteuer zugunsten des Aufbaus Palästinas bereit erklären werden. Der polnische Unterrichtsminister greift die jüdischen Abgeordneten in offener Seim-Sitzung an Warschau (J.T.A.). Während der Beratung über das Budget des Unterrichtsministeriums im polnischen Sejm ergriff der Minister für Unterricht Professor Miklaszovvsky das Wort und führte u. a. aus: Die Regierung hat die Wahlen in die jüdischen Gemeinden laut den geltenden Gesetzen durchgeführt. Die Juden zählen laut ihren eigenen Angaben 15 Prozent Analphabeten. In den Mittelschulen stellen sie 23 Prozent der Schüler, in den Hochschulen 25 Prozent. Diese Ziffern beweisen, daß die Verfolgungen, von denen diie Juden in ihren inneren und auswärtigen antistaatlichen Agitationen sprechen, gar nicht existieren. Bei diesen Worten gerieten die jüdischen Abgeordneten in große Erregung, die sich auf die Bänke der anderen Minderheitsvertreter fortpflanzte, während die Rechte dem Minister Beifall spendete. Nachdem der Vorsitzende die Minderheitsverteter Regula, Dr. Schipper und Prilutzki zur Ordnung gerufen hat. verließen alle Abgeordneten der nationalen Minderheiten demonstrativ den Saal. Der jüdische Parlamentsklub zur Sprachenfrage Warschau (J.T.A.) Das Präsidium des jüdischen Parlamentsklubs sandte an den Ministerpräsidenten Grabski und an den Innenminister ein Schreiben, in welchem Beschwerde darüber geführt wird, daß an der Verordnung wegen der offiziellen Sprachen in den Randländern die jüdische Sprache nicht berücksichtigt worden ist. In dem Briefe heißt es: Wir erinnern daran, daß in den Randländern die jüdische Bevölkerung einen großen Prozentsatz ausmacht: in den Städten bildet sie meist die Mehrheit. Es ist darum ein großes Unrecht, wenn man diie sprachlichen Postulate gerade dieser Bevölkerung unberücksichtigt läßt. Dies verstößt gegen die Prinzipien der Verfassung und des Versailler Vertrages. Die Juden werden gezwungen sein, eine der zwei anderen Minderbeitssprachen als ihre Sprache anzugeben. Das würde eine passive Gegenwehr sein, die weder der Bevölkerung selbst, noch dem Staate von Nutzen sein wird. Wir bitten die Regierung, die Rechte und Postulate der jüdischen Bevölkerung in bezug auf ihre Sprache sowohl in den Randländern, als auch im ganzen Staate zu berücksichtigen. Polen. Der Leiter der polnischen Emigrationsabteilung über die Palästina-Emigration Konstantinopel. (I.T.A.) Her H. Glonsky, der Leiter der Emigrationsateilung der polnischen Regierung, der eben in Palästina geweilt hat, um die Lage der jüdischen Immigranten aus Polen zu erforschen, hat dem Konstantinopler I.T.A.-Vertreter gegenüber erklärt, er sei nach Palästina in einer skeptischen Stimmung gegangen, aber während eines vierzehntägigen Aufenthaltes in dem Lande habe er einen tiefen Eindruck von der Arbeit der Chaluzim bekommen. Es sei ihm schwer gewesen zu glauben, daß diese Bauern, die die Felder bebauten, polnische Juden wären. Herr Glonsky sagte, er werde in seinem Bericht an die polnische Regierung befürworten, daß Erleichterungen für die Emigration nach Palästina gegeben werden sollen. Er fügte noch hinzu, daß er in Palätina nichts von Kommunismus gemerkt hätte, der, wie so viel erzählt wird, unter den jüdischen Arbeitern in Palästina verbreitet sein soll. Rumänien Die rumänischen Faszisten revidieren ihr Aktionsprogramm Jassy. (J.T.A.) Die Jassyer Zeitungen erfahren aus sicherer Quelle, daß die führenden faszistischen Kreise Rumäniens ihr Tätigkeitsprogramm nach der Richtung revidieren, daß die öffentlichen antisemitischen Aktionen aufhören sollen und der Kampf um die „Entscheidung“ in Rumänien nur durch parlamentarische Mittel geführt werden soll. Lucien Wolf erwirkt Aufenthaltsverlängerung für die jüdischen Flüchtlinge in Rumänien Der Vertreter der J.T.A. in Bukarest erfährt, daß die Verhandlungen des Herrn Lucien Wolf mit der rumänischen Regierung betreffend die jüdischen Flüchtlinge, die jetzt noch in Rumänien weilen, erfolgreich gewesen sind. Die rumänische Regierung hat gemäß der Intervention Lucien Wolfs beschlossen, die Sowjet-Regierung zu ersuchen, eine Heimkehr jüdischer Flüchtlinge aus Rumänien nach der Ukraine in geschlossenen großen Gruppen zu gestatten. Die Regierung hat ferner beschlossen, die Aufenthaltsdauer für diejenigen Flüchtlinge auszudehnen, für die eine Aussicht besteht, nach Übersee auszuwandern. Rußland Die Verbannung der Zionisten aus Moskau nach Jerusalem Moskau (J.T.A.). Am 27. Junii reisten 41 Zionisten, vou 15 Familienmitgliedern begleitet, von Moskau nach Odessa ab, um sich von dort mit Schiff nach Palästina zu1 begeben. Es handelt sich um die Zionisten, die von der Sowjet-Regierung wegen zionistischer Betätigung verbannt worden sind. Das Schiff ist am 1. Juli von Odessa in See gegangen. Ungarn Strafuntersuchung gegen die Budäpester jüdische Kultusgemeinde Budapest (J.T.A.). Das Polizeilkommissariat des VII. Bezirks von Budapest leitete gegen den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alexander Lederer, den Abgeordneten Wilhelm Vaszenim, Oberrabiner F. Hovosi and Redakteur des „Egyenlöseg“ Dr. Ludwig Szabolosi die Strafuntersuchung ein, weil sie eine Sammlung zugunsten der nach dem Ausland abgewanderten Opfer des Numerus