Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 27 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Das Jüdische Echo N r. 27 Greßmann, Lietzmamn und Terczyner .herausgegebenen „Judäica Monumenta et Studia“ beteiligen. Zur Eröffnung erschien im; Aufträge des Kultusministers Staatssekretär Becker, dann der Rektor der Universität Professor Ro.ethe, der Dekan der theologischen Fakultät Professor Deißmann und eine größere Anzahl Gelehrter. Nach der Begrüßung Professor Greßmann,s hielt Staatssekretär Becker eine Ansprache und hob die ungeheuere Bedeutung des Judentums für die Entwicklung der europäischen Kultur hervor. Das Hauptverdienst der Juden auf religiösem Gebiete ist die nationale Denkemergie, mit der es hier die Probleme erfaßte. Gerade deshalb aber müssen auch jüdische Gelehrte mit dem' Institut mitaribeiten. Der Rektor Professor Roethe meinte, es sei gerade die Erforschung des mittelalterlichen Judentums notwendig, dessen Einfluß auf oocidentale Denkweise nicht hoch genug anzuscMagen ist. Namens der Akademie für die Wissenschaft des Judentums sprach Professor Dr. Guttmann die Bereitwilligkeit der jüdischen Gelehrten zur Mitarbeit aus. Professor Dr. Terczynler überbrachte die Glückwünsche für die Wissenschaft des Judentums. Zum Schluß hielt Professor Greßmann dien Festvortrag über: „Die Bedeutung des nachbiblischen Judentums in der helenistisch-römir sehen Zeit.“ Konstituierung des Kuratoriums der Walter Rathenau-Stiftung. Berlin (J.T.A.). Am 24. Juni, dem Tage der Ermordung Walter Rathenaus,, erfolgte im Rathenau-Hause in der Königsallee im Grunewald, aus dem Walter Rathenau vor zwei Jahren seine Todesfahrt angetreten hat, die konstituierende Sitzung des Kuratoriums der Walter Rathenau- Stiftung. Die Sitzung fand statt unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten als Ehrenvorsitzenden und unter Teilnahme der Mitglieder des Kuratoriums, zu denen außer der Mutter und der Schwester Walter Rathenaus u. a. . die Herren Professoren Einstein und Nernst, die Direktoren der A.-E.-G. Deutsch & Mammroth. C. F. v. Siemens, von Mendelssohn und ddr Dichter Fritz von Unruh gehören. Der Vorstand der Stiftung ist noch nicht ernannt. Es ist geplant, eine „Walter-Rathenau-Gesellschaft“ ins Leben zu rufen. Eine nationalsozialistische Brandrede im Reichstag. Lösung der sozialen Frage durch Austreibung und Enteignung der Ostjuden. Berlin (J.T.A.). In der sozialpolitischen Aussprache in der Reichstagssitzung am 26. Juni hielt der Nationalsozialist Fahrenhiorst unter dem Beifall seiner Fraktionsgenossen eine antisemitische Brandrede. Er sagte, die nachnovemberlichen Regierungen hatten für die Kriegsopfer kein Geld, „aber sie hatten Geld für den Staatsgerichtshof zum Schutze der jüdischen Vorherrschaft, für das Spitzelheer des Genossen Severing und für die Einleitung der vielen Prozesse gegen schwerbeschädigte Kriegsteilnehmer, die sich nicht auf den Boden dieser dreimal verfluchten Novemberrepublik stellten und den Mut hatten, die jüdische Börse der Novemberrevolution ein Verbrechen und ihre Arrangeure Verbrecher zu nennen. Die Regierung Marx-Stresemann beantwortet wohl die unverschämte Entwaffnungsnote des Juden Herriet, aber nicht den Notschrei der Veteranen. Wo ist die Wohnungsfürsorge geblieben, d'ie man uns versprochen hat; während die Ostjuden immer Wohnung finden. Wir brauchen Geld und wir könnten es haben, wenn wir das eingewanderte ostgalizische Schiebergesindel enteignen und ausweisem. Nur den Kaftan mit den Läusen sollten sie behalten. (Heiterkeit bei den Nat.-Soz.) Die soziale Frage kann in dieser mit dem jüdischen Kapital verfilzten Novemberrepublik überhaupt nicht gelöst werden. Das ist möglich in dem völkischen Staat, den wir nötigenfalls mit der Waffe in den Straßen Berlins gegen die jüdischen Generale Scholem und Katz erkämpfen wollen.“ Die Klage Max Warburgs gegen Theodor Fritsch vor dem Reichstag. » Berlin U.T.A.). In der Sitzung des Reichstags vom 28. Juni wurde über einen Antrag der Nationalsozialistischen Freilheitspartei, dliie Privatklageverfahren der Bankiers Dr. Melchior und Max Warburg in Hamburg gegen den Abgeordneten Theodor Fritsch für die Dauer1 der Sitzungsperiode aufzuheben, verhandelt. Der Geschäftsordnungsausschuß hat die Annahme dieses Antrages empfohlen. Der sozialistische Abgeordnete Loebe sprach unter wachsender Bewegung des ganzen Hauses seine Verwunderung darüber aus, daß die Fraktion, der Herr Fritsch angehört, einen Antrag stelle, der verhindern solle, daß der Beweis für die Behauptungen von Fritsch angetreten wende. Der Tatbestand ist folgen der: Fritsch hatte in den Jahren 1922 und 1923 die schwersten Beleidigungen über Warburg und Melchior ausgesprochen, ihnen Landesverrat, schwere Ehrlosigkeit, Schiebungen in das Ausland, Schwächung Deutschlands durch absichtliche finanzielle Schädigungen vor dem Kriege, Verlängerung des Krieges durch Verhinderung eines Friedens mit Rußland und ähnliche Verbrechen auch nach dem Kriege vorgeworfen. Fritsch hatte auch behauptet, daß während der Versailler Verhandlungen Max Warburg auf deutscher Seite und Felix Warburg auf der Seite der Entente (in Wirklichkeit war Felix Warburg gar nicht in Versailles), gemeinsam an der Knechtung Deutschlands gearbeitet haben. Als Warburg und Melchior klagten, hat Fritsch seine Behauptungen am 7. Febr. 23 unter dem Ausdruck tiefsten Bedauerns zurückgenommen. Schon am 15. Mai 1923 hiat er aber seine Behauptungen wiederholt. Auf die neue Klage wurde der erste Termin auf den 24. September 1923 festgesetzt. Fritsch erschien nicht. Der nächste Termin am 28. Januar 1924 mußte ausfallem, weil durch die Verordnung der Reichsregierung vom 9. Januar alle diese Prozesse bis zum 24. April sistiert waren. Als dann zum 27. Mai d. J. der dritte Termin festgesetzt war, fand sich Fritsch wieder nicht ein. Der Prozeß wurde auf den 1. Juli vertagt. Nun versteckt sich Fritsch, der inzwischen in den Reichstag gewählt ist, hinter seihe Immunität. Loebe schloß, man müßte doch annehmen, daß sie. die Deutschvölkischen, keinen sehnlicheren Wunsch haben, als die Warburg und Melchior zu entlarveni, jetzt aber drücken sie sich in das Gegenteil von Tapferkeit und Wahrheit. (Stürmischer Beifall von links und im der Mitte.) Loebe fordert die Nationalsozialisten auf, doch die Juden nicht zu schützen, sondern der gerichtlichen Untersuchung freien Lauf zu lassen, „damit Juda endlich entlarvt werde.“ (Stürmische Heiterkeit und lebhafte Zustimmung.) Der Demokrat Heß fragt: den völkischen Henning, ob er es für anständig halte, eine Behauptung zurückzunehmen und dann zu wiederholen. Henning antwortet mit antisemitischen Anwür-