Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 26 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9103074-9151711--06067-9078768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 26 Das Jüdische Echo 141 salem in hervorragender Weise verdient gemacht Int Die Gesellschaft „Pro-Jerusalem“ zeigt u. a. die berühmten Modelle des Stiftzeltes, des Salomonischen Tempels und auch des Tempels des Herodes und auß erdender Gebäude, welche sich jetzt in dem früheren Tempelgebiete befinden. Mehrmals täglich finden Führungen statt, um an dr Hand dieser Modelle die bezüglichen Berichte der Bibel zu erläutern. Außer diesen historischen Sehenswürdigkeiten sind glasierte Kacheln, Steingutgeräte und Glasarbeiten ausgestellt, wie sie heute noch in Hebron in alter traditioneller Weise hergestellt werden. Eine Besichtigung der Ausstellung ist für jeden, sei er Kaufmann oder Gelehrter, von größtem Intersse. Nähere Auskunft über die Einreiseerleichterungen, welche seitens der englischen Behörden für Ausstellungsbesucher gewährt werden, erteilt das zuständige englische Konsulat. Rumänien Die rumänische Regierung hat sich zu einer strengen Untersuchung der antisemitischen Vorfälle in Siebenbürgen entschlossen Die jüdische Tageszeitung in Klausenburg „Uj Kelet“ teilt auf Grund von Informationen an kompetenter Stelle mit, daß die rumänische Regierung sich nunmehr entschlossen hat, eine Untersuchungskommission nach Siebenbürgen zu entsenden, welche über alle antisemitischen Ausschreitungen der letzten Zeit eine genaue unparteiische Untersuchung durchführen soll. An der Spitze dieser Kommission steht der Inspektor der Siguranza, Parifianu. Um jede Parteilichkeit bei der Untersuchung auszuschließen, hat die Regierung bestimmt, daß die Kommission durch Vertreter der jüdischen Organisationen von Siebenbürgen und Altrumänien ergänzt werde. Zu diesem energischen Schritt entschloß sich die Regierung auf Grund eines eingehenden Referats des Außenministers Duca. Sowohl der jüdische Nationalverband Siebenbürgens als auch der Verband der eingeborenen Juden in Altrumänien haben die Regierung rechtzeitig auf die schweren Folgen, welche die Ausschreitungen unverantwortlicher Elemente hinsichtlich de* Stimmung im Ausland haben müssen, aufmerksam gemacht. Wie „Uj Kelet“ berichtet, sei die Regierung auch bereit, in allen Fällen berechtigter Forderungen den Juden, die bei diesen Ausschreitungen Schaden erlitten, einen Schadenersatz zu leisten. Es scheint also, daß die rumänische Regierung in Anbetracht des Ernstes der Situation von ihrem Grundsatz, gegenüber dem Ausland alles abzustreiten, abgegangen ist und sich zu den notwendigen Schritten entschlossen hat. Rußland Die palästinensische Regierung gestattet die Einreise der in Rußland verhafteten Zionisten Moskau. (J.T.A.) In Moskau traf soeben die telegraphische Nachricht aus Palästina ein, daß die dortige Regierung den im Moskauer Butirka- Gefängnis inhaftierten 37 Zionisten die Einreise nach Palästina gestattet hat. Gleichzeitig hat der englische Bevollmächtigte in Moskau die telegraphische Anweisung erhalten, den Verhafteten Visa für Palästina auszustellen. Wie bekannt, sind diese 37 verhafteten Zionisten bereits in drei Straftransporte eingeteilt gewesen. Die einen sollten nach der Gegend von Narim, die anderen nach dem Solowezki-Kloster am Weißen Meer und die dritte Kategorie nach dem Ural verschickt werden. Es wurde ihnen mitgeteilt, daß, wenn sie bis zum 11. Juni nicht die Einreiseerlaubnis nach Palästina erhalten, sie den Weg in die Verbannung werden antreten müssen. Nunmehr sind die Visa rechtzeitig eingetroffen. Schweiz Nansens Bericht an den Völkerbundsrat über das Flüchtlingsesen Genf (J.T.A.). Der Oberkommissar für das Flüchtlingswesen Professor Frithjoff Nansen erstattete am 18. Juni dem Völkerbundsrat den Bericht und stellte fest, daß 18 Staaten an der Frage der russischen Flüchtlinge direkt interessiert sind. Von ihnen zählt u. a. Belgien etwa 10 000 Flüchtlinge, Bulgarien 33 000, Frankreich 400 000, Türkei 20000. Von den in Deutschland befindlichen 500 000 russischen Flüchtlingen möchten viele nach ihrer Heimat zurückkehren. Dasselbe gilt von den 41 000 Russen, 26 000 Ukrainern und 13 000 Juden, die sich als Flüchtlinge in Polen befinden, und wird auch von den 30 000 in Rumänien befindlichen Flüchtlingen gesagt. Dem Abkommen über Verleihung eines besonderen Passes an die Flüchtlinge hat sich nunmehr auch Deutschland in vollem Umfange angeschlossen. um in 11! If 11 llllillll lil || Feuilleton in im 11! II1 i iiiiiili! II Sammy Gronemann*) Ein jüdisches Restaurant Das altrenommierte Restaurant Schloßberg, so benannt nach den Schwiegereltern des jetzigen Besitzers Michelsohn, der auch schon ein alter Herr ist, ist nicht eigentlich ein Prunkgebäude. Man geht entschieden fehl, wenn man den Maßstab von Adlon oder Ritz anlegen will. Und was die äußere Aufmachung anlangt, werden wohl selbst die bescheidensten rituellen Speisehäuser des Westens jeden Vergleich mit Entschiedenheit ablehnen. Die „koscheren“ Gastwirte Berlins oder Frankfurts werden außerdem mit erheblichem Stolze darauf hinweisen, daß dieses Kownoer Lokal jenes Wahrzeichens entbehre, das im Westen allein die religiöse Zuverlässigkeit garantiert, — *) Gronemann, dessen treffsicherer und köstlicher Witz den meisten unserer Leser aus seinem Buche „Tohu wabohu“ bekannt sein dürfte, veröffentlicht unter dem Titel „Hawdoloh und Zapfenstreich“ in der „Jüd. Rundschau“ seine Kriegserinnerungen, denen wir dieses Kapitel entnehmen. es steht nicht „unter Aufsicht“ einer rabbinischen Autorität oder des „Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser“ in Hamburg. Der auf rituelle Kost reflektierende Reisende setzt sich bekanntlich mit vollkommen beruhigtem Gewissen nur an den Tisch jener Wirte, die die Schutzmarke dieses Vereins führen, bestehend aus einem riesenhaften höchst rätselvoll und durchaus unrituell aussehenden Vogel, der aus unbekannten Gründen eine Münze geklaut hat und mit ihr zur Sonne emporfliegt. Wieso dieses diebische Vieh geeignet ist, als Symbol ritueller Zuverlässigkeit zu erscheinen, ist unaufgeklärt. Ich vertrete die Hypothese, daß dieser zoologisch nicht zu rubrizierende Vogel jener merkwürdige Janschuf ist, der in der Bibel unter den Vögeln aufgezählt wird, den in irgendeine Kategorie der bekannten Geflügelarten einzuordnen aber bisher nicht gelang. Mir persönlich würde eine pommerische Nudelgans sinniger Vorkommen; jedenfalls gibt das an der Tür solcher Speisehäuser angebrachte Zeichen die Gewißheit, daß jener Verein jegliche Garantie für die Ritualität der Tische übernimmt. Außer diesem Wahrzeichen gibt es aber noch ein anderes in den westlichen Restaurants. Zwi-