Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 26 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- Seite 140 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Das Jüdische Echo Nr. 26 — wenn ihn die Tscheka überhaupt noch am Leben gelassen hat. Das wissen die hiesigen Juden und können sich daher tapfer aufs Ableugnen verlegen.“ Dann aber macht Fritsch Ausflüchte und schreibt: „Wir sagen mit Henry Ford: Der Beweis für die Echtheit der Protokolle wird erbracht durch die Vorgänge der Wirklichkeit. ... Es muß also eine verborgene Gesellschaft geben, die nach diesem politischen Programm handelt. Wenn es die Zionisten nicht sein wollen, so eine andere jüdische Geheimgesellschaft — etwa der Bne Brith-Orden oder die Alliance Israelite. Daß diese Protokolle auf dem Zionistischen Kongreß 1897 vorgetragen worden seien, haben wir nur als Vermutung ausgesprochen .... Es ist auch die Möglichkeit zuzugeben, daß das hebräische Manuskript der Protokolle der Entwurf eines einzelnen ist — etwa des Rabbi Ascher Ginsberg (Achad Haam) oder eines anderen.“ Einstein und die Intellektuelle Kommission. — Eine Erklärung gegenüber dem J.T.A.-Vertreter Berlin. (J.T.A.) Laut einer Zeitungsnachricht aus Genf hat der Völkerbundsrat in geheimer Sitzung beschlossen, Professor Albert Einstein einzuladen, wiederum in die Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit als Mitglied einzutreten. Wie erinnerlich, hat Professor Einstein, der seit Begründung der Kommission ihr Mitglied war, vor etwa einem Jahre diese Mitgliedschaft zurückgelegt und diesen Schritt damit begründet, daß der Völkerbund seine Aufgabe nicht richtig erfülle. Herr Professor Dr. Einstein teilte nun im Zusammenhang mit der obenstehenden Meldung dem J.T.A.-Vertreter das folgende mit: Vor einiger Zeit bin ich von einem mir befreundeten Mitglied der Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit gefragt worden, ob ich nunmehr unter den geänderten Verhältnissen eine Wahl annehmen würde. Ich antwortete ebenso privatim, daß ich jetzt bereit wäre, eine auf mich gefallene Wahl anzunehmen. Bis heute habe ich offiziell keine Verständigung über die erfolgte Ernennung erhalten. Neue Regierungskrise in Thüringen Aus Weimar wird berichtet: Im Thüringer Landtag wurde nun die Besprechung des Etats zu Ende gebracht. Dr. Dinter, der Redner der nationalsozialistischen Freiheitspartei hielt eine Hetzrede schlimmster Art gegen die Juden. Er erklärte, daß seine Fraktion dem Etat nicht zustimmen würde, wenn die darin angenommenen Mittel für jüdische Kultuseinrichtungen nicht sofort gestrichen würden. Er könne nicht anerkennen, daß die Juden im Staate Beamtenstellen bekleiden könnten und müßte verlangen, daß auch der Staatsbankpräsident Loeb entfernt würde. Jeder Jude, auch wenn er noch so anständig und ehrlich sei, bilde eine Gefahr für den Staat. Hier verließ die sozialdemokratische Fraktion unter Protest für die Dauer der Rede des Abgeordneten Dinter den Sitzungssaal. In einer Erwiderung erklärte der Finanzminister, daß er jeden Angriff auf die Staatsbank imd seinen Leiter mit Bedauern und unter allen Umständen zurückweisen müsse. Amerika 9300 von der Ausweisung bedrohte Emigranten dürfen in Amerika bleiben New York (J.T.A.). Das Repräsentantenhaus und der Senat des amerikanischen Kongresses haben die Resolution des jüdischen Kongreßmitgliedes Sabbath angenommen. Infolgedessen werden 9300 Emigranten, die als Überzählige von der Ausweisung bezw. Nichteinlassung bedroht waren, in Amerika verbleiben, bezw. ins Land kommen dürfen. Als die Nachricht auf Ellis Island eintraf, wurden sofort einige hundert Emigranten, die bisher zurückgehalten worden waren, befreit und ihnen die Einreise gestattet. Präsident Coolidge erklärt seine Sympathie zum Zionismus Boston (J.T.A.). Elihu D. Stone, der Assistent- Staatsanwalt der Vereinigten Staaten verlas auf der Konvention der Zionisten New Englands ein Telegramm des Präsidenten Calvin Coolidge, in welchem dieser seiner Sympathie für die zionistische Bewegung Ausdruck verleiht. „Ich bedauere,“ schreibt der Präsident, „daß mich verschiedene andere Verpflichtungen davon abhalten, der Konvention der Zionistischen Organisation von New England beizuwohnen, doch ich hoffe, daß Sie den Delegierten meine besten Wünsche übermitteln werden. Ich habe bereits so oft mein Interesse für diese große Bewegung bekundet, daß alles, was ich sagen würde, nur eine Wiederholung früherer Worte sein würde. Trotzdem nehme ich diese Gelegenheit gern zum Anlaß, um meine Sympathie mit der tiefen und starken Sehnsucht auszudrücken, die einen so schönen Ausdruck findet in dem Ziel des jüdischen nationalen Heims in Palästina. Bulgarien Attentate gegen bulgarische Juden Wien. (J.T.A.) Eine Privatagentur meldet aus Sofia, daß gegen eine Anzahl bulgarischer reicher Juden in Bulgarien Terrorakte verübt worden sind. Die Täter sind bisher unauffindbar. Die Regierung hat die schärfsten Maßnahmen gegen die Erpresser angekündigt. Offenbar handelt es sich um Erpressungen und Terrorhandlungen von Mitgliedern des mazedonischen Komitees. (Vor einiger Zeit kamen solche Erpressungen in großem Umfange vor. Red. d. J. E.) Österreich Ussischkin über das nächste Programm des Jüdischen Nationalfonds Wien. (J.T.A.) Vor der großen Konferenz der Funktionäre und Vertrauensmänner des Jüdischen Nationalfonds entwickelte Ussischkin das palästinensische Bodenproblem und das Programm des Jüdischen Nationalfonds für die nächsten fünfzehn Monate. Er forderte unbedingt die Aufbringung einer halben Million Pfund zum Ankauf gewisser riesiger Bodenflächen, die jetzt noch verhältnismäßig billig zu haben sind. Er sagte, er werde selbst unermüdlich die Länder bereisen und in allen jüdischen Zentren, auch Amerikas, solange zur Pflicht mahnen, bis die 500 000 Pfund zusammengebracht sind. — Am 20. Juni hielt Ussischkin im Tempel der sephardischen Gemeinde eine Ansprache und führte aus, er habe den sephardischen Führern in Jerusalem versprochen, ihre Brüder überall zur Mithilfe an dem jüdischen Aufbauwerk aufzurufen. Im nächsten Winter wird in Jerusalem ein sephardischer Weltkongreß tagen, der für das Aufbauwerk von großer Bedeutung sein wird. England Palästina-Ausstellung in Wembley Die Tageszeitungen haben in den letzten Wochen ausführliche Berichte über die Britische Weltreichs-Ausstellung s^dhracht, welche in diesem Sommer von April bSlDktober in Wembley Park bei London stattfindet. Für jüdische Reisende dürfte es von besonderer Bedeutung sein, daß auch Palästina eine eigene Ausstellung in Wembley bietet, um welche sich Sir Ronald Storrs, der Gouverneur von Jeru-