Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 25 (20.6.1924)
- Date
- 1924-06-20
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Das Jüdische Echo Nr. 25 den bloßen Verstand gestellte, abstrakte Denkweise, die einerseits zersetzend, andererseits verflachend wirkt. Der Deutsche steht dabei in besonderer Gefahr.... Es gibt bei der Hauptrichtung des Strebens kein Mittelding; was man ist, das muß man mit ganzer Kraft sein. Der Jude muß entweder Deutscher werden mit Leib und Seele und die deutschen Geschicke teilen, oder er muß Jude bleiben.“ Es fällt schwer, zu glauben, daß sich ein Professor der Philosophie in derart zer<* setzender und verflachender Weise geäußert haben soll. Denn diese Ausführungen Euckens verstoßen gegen die Logik wie gegen die Ethik. Wenn die Philosophie „das deutsche Leben in Amerika“ begreift, muß sie auch für das jüdische Leben in Deutschland Verständnis aufbringen können. Wenn sie es billigt, daß deutsche Amerikaner mit Liebe an der alten Heimat hängen, kann sie es nicht unrecht finden, wenn Juden in Deutschland gegenüber dem Lande ihrer Väter in ähnlicher Weise empfinden. Und wenn sie sich hütet, um solcher Gesinnung willen die staatsbürgerliche Zuverlässigkeit der Deutschen in Amerika zu verdächtigen, sollte sie sich hüten, den deutschen Juden vorzuwerfen, daß sie „bei solcher Mittelstellung keine rechte Heimat besitzen“. Sie als „Heimatlose“ zu brandmarken, weil sie für den Wiederaufbau Palästinas sich interessieren, ist ebenso unlogisch wie ungerecht. Bekanntlich sind die Deutschen um ihres nationalen Wesens willen in der neuen Welt niemals Anfeindungen und Verfolgungen von solcher Dauer und Schwere ausgesetzt gewesen, wie die Juden in der alten Welt. Vor dem Richterstuhl der Philosophie ist darum der Anspruch des Juden auf nationale Toleranz nicht minder gut begründet, wie der Anspruch des Deutschen. Allein, wenn der Nationalismus zu philosophieren anfängt, geht es nun einmal ohne Entgleisungen nicht ab. Das „Fühlen“ des Politikers bringt auch das „Denken“ des Philosophen in Verwirrung, so zwar, daß sogar der Ethiker der obersten Regeln seines Handwerks vergißt. Aus der jüdischen Welt Amerika Das amerikanische Ein Wanderungsgesetz außer Kraft gesetzt? Die „Vossische Zeitung“ bringt das folgende Telegramm aus Washington, 9. Juni: In letzter Stunde, noch kurz vor der Vertagung des Parlaments, nahmen sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat einen Antrag an, durch den das Einwanderungsgesetz bis auf weiteres außer Kraft gesetzt wird. Zugleich werden noch 13 000 Einwanderer zugelassen, die vor dem 26. Mai in den Vereingten Staaten eingetroffen oder bereits auf dem Wasserwege dorthin unterwegs waren. Eine amerikanisch-jüdische Delegation nach europäischen Hafenstädten New York (J.T.A.). Das Direktorium der jüdischen Immigranten-Hilfs- und Schutzgesellschaft „Hias“ hat eine Delegation nach Europa entsandt, die die Bedingungen in den Hafenstädten erforschen, mit den lokalen jüdischen Organisationen in Berührung kommen und eine jüdische Emigrationsbewegung nach Canada, Argentinien, Brasilien, Peru, Palästina und Süd-Afrika organisieren soll. Die Organisation besteht aus den Direktoren der Hias Aaron Benjamin, B. S. Viadock, M. Weinberg und Herrn Isaac Osofsky. Die Delegation trat am 7. Juni an Bord des „Majestic“ die Reise an. Diese Maßnahme bedeutet eine radikale Erweiterung der Arbeit der Hias, die sich bis jetzt auf die Hilfe an die Immigranten, die schon in Amerika oder auf dem Wege nach Amerika waren, beschränkt hat. Die amerikanischen Bnei Brith nehmen teil an der Palästinaarbeit C h i c a g o (J.T.A.). Die Frage der Kolonisationsarbeit in Palästina wurde auf der letzten Chicagoer Zusammenkunft des Exekutivkomitees des Unabhängigen Ordens Bnei Brith erörtert. Die Exekutive beschloß, eine Änderung ihrer Kolonisationspläne vorzunehmen und anstelle der Errichtung einer Gartenstadt in Jerusalem, wie sie bisher in Betracht gezogen war, dorfartige Vorstädte zu gründen. Die Dorf-Vorstädte werden selbständige Gemeinden sein, die sich besonders mit Landwirtschaft zu befassen haben werden. Die Exekutive beschloß, ein Stipendium an der geplanten hebräischen Universität in Jerusalem zu stiften. Eine Summe von 5000 Dollar ist zu diesem* Zwecke gesammelt worden. Dieser Beschluß ist das Resultat eines Appells, den Dr. Weizmann, als er in Chicago weilte, an die Überleitung der Bnei Brith richtete. Die Exekutive hat auch die Einrichtung einer Bnei Brith-Groß-Loge in Palästina beschlossen. Palästina war bis jetzt in die Region von Ägypten und Syrien eingeschlossen. Die neue Palästina-Loge wird die Bezeichnung Groß-Loge Nr. 14 tragen. Ein Kongreß der Vertreter aller Bnei Brith-Logen in der Türkei, Ägypten, Syrien, Palästina, Bulgarien und Griechenland soll im Juni in Konstantinopel abgehalten werden. Dieser Kongreß wird die repräsentativste jüdische Zusammenkunft sein, die in dem nahen Osten abgehalten wurde. Die letzte Zusammenkunft der Bnei Brith-Logen in diesem Gebiet fand im Jahre 1914 statt. Antijüdische Boykottpropaganda der Ku-Klux-Klan New York (J.T.A.). Um der antijüdischen (zugleich antikatholischen) Boykottpropaganda der Ku-Klux-Klan in den südlichen Staaten Amerikas entgegenzuwirken, haben die jüdischen Fabrikanten und Grossisten in New York und anderen großen Städten beschlossen, in diesen Staaten eigene Geschäfte zu errichten. Der Vorsitzende der Commerzial-Liga in Amerika Mr. Hellinger erklärte, die jüdischen Konfektionäre und Schneider hätten am meisten unter der Ku-Klux-Klan- Propaganda zu leiden. Das Hebrew Commonwealth Loan Die amerikanischen Zionisten entsenden eine Kommission nach Palästina Im Zusammenhang mit dem von Judge Rosenblatt vorgeschlagenen „Hebrew Commonwealth Loan“ (Anleihe der jüdischen Gemeinden in Palästina) hat das Palestine Comittee der amerikanischen Zionistischen Organisation beschlossen, der Pittsburger Convention vorzuschlagen, eine Kommission von 12 prominenten Geschäftsleuten zu wählen, die sich nach Palästina begeben soll, um die Wirtschaftsmöglichkeiten des Landes zu prüfen. Die Feststellungen der Kommission sollen die Haltung def Zionistischen Organisation in der Frage des vorgeschlagenen Commonwealth Loan bestimmen. Wie verlautet, hat das Palestine Comittee schon eine Reihe von Meldungen von prominenten Zionisten erhalten, die der Convention als Mitglieder der Kommission vorgeschlagen zu werden wünschen. (Ziko.)