Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- Seite 119 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Das jüdische Echo 119 für eine deutsch-politische Partei auch wünschten, ihre Stellungnahme gegenüber den deutschen Juden in ausgesprochen antijüdischer Form zu bekunden“. Im ganzen schätzt Goslar die rein antisemitische Stimmabgabe nicht auf zwei Millionen Wähler, sondern mindestens auf sieben Millionen.,Im Parlament 36 Abgeordnete, die in allererster Linie von einer radikalen Lösung der Judenfrage, — d. h. Stellung der Juden unter Fremdenrecht, Rückgängigmachung der Emanzipation, Ausweisung aller seit 1914 eingewanderten ausländischen Juden usw. — das Heil Deutschlands erwarten, und neben diesen 36 Unentwegten ein rundes Hundert Deutschnationaler, deren rechter Flügel von dem pommerischen Junker Schlange-Schöningen geführt wird, der sich in seiner Stellung zu den deutschen Juden um nichts von Hitler unterscheidet, und der viele, gar zu viele Gesinnungsgenossen in den deutschnationalen Reihen zählt. All das spiegelt nur die Wandlung wieder, die im deutschen Volke vor sich gegangen ist, denn seit den Judenpogromen des Jahres 1815 und der Hamburger „Judenschlacht“ in den 30er Jahren hat die judenfeindliche Bewegung in Deutschland nicht einen derartigen Umfang angenommen, wie gerade in diesen Tagen.“ Der Artikel schließt: .„Suchen wir neue Bereicherung und seelische Harmonie durch Rückkehr zu den Quellen unserer jüdischen Kraft, zum jüdischen Wissen, das allein erst ein jüdisches Leben ermöglicht, fühlen wir uns ganz wieder als Söhne des Amechod. Dann und nur dann werden wir auch — in geschlossener Einheitsfront — wirklich die wirksamen und vollwertigen Abwehrkräfte entwickeln können, die das deutsche Judentum vielleicht schon bald dringend brauchen wird? literarisches Echo „Der Jude“. Eine Monatsschrift. Herausgegeben von Dr. Martin Buber im Jüdischen Verlag, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 35. Inhalt des 4. Heftes: Leonhard Stein: Zur Frage der Selbstregierung Palästinas; Arnold Kutzinski: Siegmund Freud, ein jüdischer Forscher; Franz Rosenzweig: Vom übersetzen; S. J. Agnon: Zwei Erzählungen (Aus dem Hebräischen übertragen von Gerhard Scholem); Martin Buber: Zweierlei Liebe; Bemerkungen: Hans Kohn: Die Pforte des Ostens; Rudolf Seiden: Joseph Trumpeldor in arabischer Darstellung; Umschau: Josef Meisl: Ein Judenstaatsantrag an den Berliner Kongreß (1878); Nathan Porges: Jüdisch-deutsche Bibelübersetzungen; Die Verbannten (Aus einer Rede des englischen Ministerpräsidenten Macdonald). Abonnementspreis pro Quartal für Deutschland 3.20 M. Moissi über „Habimah“. Alexander Moissi hat während seines Moskauer Gastspiels einige Vorstellungen des dortigen hebräischen Theaters „Habimah“ besucht. Wie seinerzeit auch Maxim Gorki, der über die Leistungen dieser Bühne einen begeisterten Aufsatz schrieb, hat auch auf Alexander Moissi die „Habimah“ einen starken Eindruck gemacht. Er äußerte sich dahin, daß die ganze moderne Kunstwelt auf die Entstehung und Entwicklung der „Habimah“ stolz sein könne. Personalia Berlin. Durch den plötzlichen Tod eines der befähigtesten jüngeren Dozenten, A. E1. Kaplan, hat das Berliner Rabbinersemmar einen großen Verlust erlitten. Der Verlebte erreichte nur ein Alter von 34 Jahren und galt trotz seiner Jugend zu den ersten Talmudgelehrten Deutschlands. In einer Zeit wie der unserigen, wo es an halachischen Autoritäten so sehr mangelt, ist der Verlust ein doppelt schwerer. In dem Nachruf eines Freundes wird von dem Dahingeschiedenen gesagt, daß er ein Geist war, der den Versuch unternehmen konnte, die Forscherarbeit von tausend Jahren in einem neuen Talmudkommentar umzuschmelzen und der berufen war, ein Meister und Wegweiser im Talmud zu werden. Von der litauischen Jeschiwah aus wurde er an das Berliner Rabbinerseminar berufen und hier kam sein Wissen und Können erst recht zur Geltung, dies umsomehr, als er auch einzigartiges, pädagogisches Geschick entwickelte. Den Lesern des „Jeschurun“ waren seine hebräischen Abhandlungen stets ein Genuß. tfll!illti!fHUt!tlt1!!tlli!tf{liltiltllUIUUttllliUllt!tfHlUtHltlltftltilltlff!iitniü!tH!H)llfi1itUflltUtÜHtitlf Für Diplomhandelslehrer mit etwas Barmitteln Niederlassungsmöglichkeit gegeben in größerer Stadt Süddeutschlands durch Beteiligung mit der Witwe des verstorbenen Inhabers einer seit mehr als 20 Jahre bestehenden konzessionierten guten Handelsschule. Die Schule kann auch käuflich erworben werden. Näheres durch das Büro des Zionistisch. Gruppenverbandes, Bayern-Württemberg, Nürnberg, Fürtherstr. 87. lllllllllllilUlllililillflilHiltm Gemeinden-u. Vereins-Echo Zionistische Ortsgruppe München. Montag, den 16. Juni, abends 8.15 Uhr: Vorstandssitzung im Klubzimmer, Ottostraße 2. Berlin Hilfsverein der deutschen Juden. Auf der Jahresversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden erstattete Dr. James Simon Bericht über die Fürsorgetätigkeit zugunsten jüdischer Auswanderer im vergangenen Jahre. Aus dem Bericht geht hervor, daß im Berichtsjahre etwa 30 000 jüdische Auswanderer aus dem Osten den Schlesischen Bahnhof zu Berlin passierten. Die Station Stentsch an der deutsch-polnischen Grenze passierten 26 000 Durchwanderer. Im Jahre 1923 haben 10 000 jüdische Auswanderer über Deutschland die Ausreise nach Amerika angetreten. Der Bericht stellt fest, daß nunmehr nach Annahme der Emigrationsbill nur sehr wenige Emigranten aus den östlichen jüdischen Emigrationszentren nach Amerika werden reisen können. Der Bericht erwähnt auch die Lage m Palästina, die sich im vergangenen Jahre gebessert hat, indem eine Arbeitslosigkeit fast nicht mehr vorhanden ist. Herr Dr. Paul Nathan referierte über Zukunftsaufgaben des Hilfsvereins. Angesichts der Immigrationssperre sind mindestens 2Va—3 Millionen Juden an den Westgrenzen von Rußland an ihre Wohnstätten gebannt Für den Fall einer Katastrophe würde sich ein Strom in die Nachbarländer, natürlich auch nach Deutschland, ergießen wollen. Um einer solchen Gefahr zu begegnen, müsse man eine Binnenwanderung in Rußland selbst organisieren, um die jüdischen Massen über das ganze riesige russische Reich zweckmäßig zu verteilen. Palästina käme nur in bescheidenem Maße als Einwanderungsland in Betracht, Die russischen Gebiete böten aber weiteste Aufnahmefähigkeit, wobei nicht allein die europäischen, sondern auch die asiatischen Teile in Betracht kämen. Es sei darum ratsam, entsprechende Gebiete in Rußland zu eruieren, wo Juden mit Erfolg angesiedelt werden können. Die ras-