Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1924-06-13 · 24 (13.6.1924) · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
24 (13.6.1924)
Date
1924-06-13
Page
Seite 118 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103074-9148135--06044-9078743
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

118 Das Jüdische Echo Nr. 24 Orangenzüchter in Jaffa „Pardess“ und lobte die ausgezeichnete Jaffafrucht. Danach besichtigte die königliche Gesellschaft den Anbau, in dem die Pro-Jerusalem-Gesellschaft ein Modell des Jerusalemer Tempels ausgestellt hat, und nahm eine kurze Erklärung der Ausstellungsleitung entgegen. Dem Könige wurden Photographien dieses Modells und der Königin Mary ein Bukett überreicht. Der König von Italien zeigte sich sehr interessiert für die jemenitischen Handwerker, die Major Little ihm vorführte. Die königliche Gesellschaft nahm im Britischen Regierungspavillon ihren Lunch. Das Dessert Wurde von der „Pardess“-Gesellschaft geliefert und bestand aus Jaffa-Orangen in einem Silberkorb, den ein palästinensischer Page überbrachte. Verfolgte russische Zionisten nach Palästina Jerusalem. (J.T.A.) Die palästinensische zionistische Exekutive hat für die kürzlich wegen ihrer zionistischen Tätigkeit von den Sowjet-Behörden in die Strafkolonien nach Sibirien verbannten 38 Zionisten Visa fürS Palästina angeboten. Die Sowjet-Behörden haben jetzt die Erlaubnis gegeben, daß die Verbannten nach Palästina gehen und diesen Beschluß sofort nach Palästina mitgeteilt. Daraufhin hat die zionistische Exekutive Schritte unternommen, um die nötigen Visa nach Moskau zu senden. Zur palästinensischen Staatsbürgerschaft berechtigte Personen Jerusalem (J.T.A.). In einem Brief an den Waad Hair (Stadtrat der Jerusalemer Juden) teilt der Gouverneur des Jerusalemer Distrikts mit, daß vorläufige Zertifikate über die palästinensische Staatsbürgerschaft nur solchen Personen gegeben werden können, die 1. in Palästina geboren oder Kinder eines in Palästina geborenen Vaters sind, 2. für die palästinensische Staatsbürgerschaft nach Einführung des Nationalitätengesetzes optieren wollen, und 3. ihren dauernden Wohnsitz in Palästina nehmen wollen. Russische Untertanen, die während des Krieges gezwungen waren, für die türkische Staatszugehörigkeit zu optieren, können vorläufig Zertifikate für die palästinensische Staatsbürgerschaft unter den Bedingungen 2. und 3. erhalten. Schon wieder Agudah-Quertreibereien Wie die Palästinensische Telegrafen-Agentur erfährt, hat die palästinensische Agudas Jisroel, deren Vorsitzender Rabbiner Sonnenfeld ist, dem Kolonialamt in London ein Telegramm gesandt, des Inhaltes, daß die Agudah gegen die neue Verordnung betreffend die Rechtsprechung der zivilen und religiösen Gerichtshöfe in Palästina, durch die die Rechtsprechung der jüdischen Wakufs dem palästinensischen Oberrabbinat übertragen wird, protestiert. In dieser Mitteilung werden Sir Herbert Samuel, sowie der palästinensische Kronanwalt Mr. Norman Bentwich scharf angegriffen; man macht sie dafür verantwortlich, daß sie die orthodoxen Juden der Rechtsprechung des zionistischen Oberrabbiners unterstellt hätten. Das Kolonialamt wird ersucht, zu erlauben, daß die orthodoxen Juden Palästinas der Rechtsprechung der mohammedanischen religiösen Gerichtshöfe unterstellt würden, was ihnen jedenfalls lieber sei, als der des zionistischen Oberrabbinats unterstellt zu sein (!). Palästina auf dem Gewerkschaftskongreß Am zweiten Sitzungstage des gegenwärtig in Wien tagenden internationalen Gewerkschaftskongresses erstattete der jüdische Delegierte aus Palästina Dov Hos seinen Bericht über die Lage in Palästina und führte aus: Die Gewerkschaften in Palästina zählen gegenwärtig zwar nur 20 000 Mitglieder, jedoch sind sie in einem rapiden Wachstum begriffen, da jetzt ein starker jüdischer Einwanderungsstrom eingesetzt hat. Den jüdischen Gewerkschaften gehören auch arabische Mitglieder an, insbesondere Transportarbeiter und Eisenbahnangestellte. Herr Dov Hos sagte weiter: Wir benötigen dringend die Hilfe des Gewerkschafts-Kongresses, da in Palästina kein Arbeiterschutz existiert. Wir hoffen, daß die englische Arbeiterregierung jetzt dafür Sorge tragen wird, daß auch in Palästina ein Minimum des Arbeiterschutzes gesetzlich festgelegt wird. Die jüdische Gewerkschaftsbewegung in Palästina ist eine Brücke zu der Gewerkschaftsbewegung ganz Asiens. Die asiatischen Gewerkschaften werden sich mit der Zeit vereinigen, schon heute bestehen zwischen den einzelnen derselben Berührungspunkte. In der gleichen Sitzung hielt auch der zweite palästinensische Delegierte Swerdlow ein Referat in hebräischer Sprache, welches durch Herrn Dov Hos ins Englische übertragen worden ist. Obwohl die wenigsten Delegierten Hebräisch verstanden, hörten alle mit Interesse der ersten hebräischen Rede, die auf einem internationalen Gewerkschafts-Kongreß gehalten worden ist, zu. Am 3. Juni abends hatten die palästinensischen Delegierten eine Zusammenkunft mit den Delegierten der englischen Trade Union. Aus der jüdischen Welt Deutschland Sitzung des Zentralkomitees der Z.V.I.D. am 29. Juni. Berlin (J.T.A.). Nachdem die A.-C.-Sitzung auf den 17. Juni anberaumt ist, hat der Landesvorstand beschlossen, die ursprünglich für den 15. Juni vorgesehene Zentralkomitee-Sitzung zum 29.Juni einzuberufen. Der Delegiertentag der Z.V.f.D. wird, da die Jahreskonferenz abgesagt ist, aller Voraussicht nach nunmehr anfangs November stattfinden. Das deutsche Judentum nach den Reichstagswahlen Sieben Millionen antisemitische Wähler Hamburg-Berlin (J.T.A.). Im Hamburger „Israelitischen Familienblatt“ vom 5. Juni veröffentlicht Oberregierungsrat Hans Goslar, Berlin, Betrachtungen über den Ausgang der Reichstagswahlen. Er warnt vor Optimismus und führt aus: „Weil die Deutschvölkischen aller Schattierungen einschließlich der Kunze-Leute „nur“ mit 36 Mandaten in das Parlament eingezogen sind, glaubt man. daß der antisemitische Ansturm abgeschlagen und die größte Gefahr vorüber sei. Diese Anschauung ist jedoch falsch. Nicht nur die 36 Mandate und rund 2 Millionen Stimmen der Deutschvölkischen und Nationalsozialisten dürfen als das antisemitische Votum angesehen werden; vielmehr muß auch der allergrößte Teil, sagen wir 80 Prozent der für die deutschnationale Volkspartei abgegebenen Stimmen, hinzugerechnet werden, um Klarheit darüber zu schaffen, wie groß die Volkskreise sind, die zugleich mit der Erfüllung ihrer Wahlpflicht und der Stimmabgabe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.