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Das jüdische Echo · 1924-06-06 · 23 (6.6.1924) · p. Seite 106

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
23 (6.6.1924)
Date
1924-06-06
Page
Seite 106 (sequence 8)
Language
German
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106 Das Jüdische Echo Nr. 23 dem Beruf von Anwälten, Theater- und Kinodirektoren sind Juden ausgeschlossen. Ärztliche Kunst dürfen sie nur an Glaubensgenossen ausüben. Sie besitzen weder aktives, noch passives Wahlrecht. Zum Dienst in Heer und Flotte werden sie nicht zugelassen und zahlen statt dessen eine Wehrsteuer. Deutsche Schulen und Hochschulen dürfen keine Juden aufnehmen. Zeitungen, in welchen Juden arbeiten, oder die in deren Besitz oder Mitbesitz sich befinden, müssen am Kopfe deutlich sichtbar den Davidschild tragen. In Staatsbetrieben, Gasanstalten, Elektrizitätswerken, Wasserwerken, Eisenbahnen, Straßenbahnen und Reedereien dürfen keine Juden angestellt werden. Ländlicher Grundbesitz darf künftighin an Juden nicht verkauft werden. In den Handelsregistern muß bei den Namen der Inhaber, Teilhaber usw. vermerkt werden, wenn sie Juden oder Judenchristen sind. Jüdische Wechsel müssen auf der Vorderseite den gedruckten Namen der ausstellenden Firma und den Stern Davids führen. Alle offenen Geschäfte, deren Teilhaber oder Inhaber Juden sind, müssen am Aushängeschild den Stern Davids gut sichtbar angebracht tragen. Juden und Jüdinnen, die des Landes verwiesen wurden, und die die Reichsgrenzen wieder überschreiten, werden gehängt. Die Juden entrichten für den Schutz, den sie im Deutschen Reich genießen, doppelt so viel Steuer wie die Deutschen. Alle Bestimmungen der „Deutschen Judenordnung“ gelten auch für solche Nichtjuden, die sich der Judenschaft als Schutztruppe oder in Abwehrvereinen anschließen. Polen Selbsthilfe der jüdischen Kleinhändler in Polen Warschau (J.T.A.). Wie bekannt, herrscht infolge der Wirtschaftskrise und des besonders den jüdischen Mittelstand erdrückenden Steuersystems nicht nur unter den jüdischen Fabrikanten und Großhändlern, sondern auch unter den jüdischen Kleinhändlern eine akute Krisis, die bereits zum Ruin zahlreicher Existenzen geführt hat. Der zentrale Kleinhändler-Verein Polens berief eine Delegierten-Reichskonfernz der jüdischen Kleinhändler für den 25. und 26. Mai nach Warschau ein. Die Konferenz soll Mittel und Wege beraten, wie der schweren Lage der kleinen jüdischen Kaufmannschaft abgeholfen werden könnte. Die Zionisten erobern alle Sitze in der Lemberger Jüdischen Gemeinde Bei den in die Lemberger Jüdische Gemeinde durchgeführten Wahlen hat die von den Zionisten geführte vereinigte jüdisch-nationale Liste in allen drei Kurien alle Mandate errungen. Trotz der veralteten Wahlordnung hat die bisherige Kahals- Clique weder in der dritten noch in der zweiten Kurie ein einziges Mandat erringen können, so daß sie auf die Bewerbung in der ersten Kurie, der der Intelligenz, verzichtete. Alle zu vergebenden 30 Mandate wurden somit von den allgemeinen Zionisten, Misrachisten und den mit diesen verbundenen Vereinigungen der Kaufleute und Handwerker erobert. Auch in allen anderen ostgalizischen Städten haben die vereinigten Jüdischnationalen einen überwältigenden Sieg errungen und von 70—80% der Stimmen auf ihre Liste vereinigt. In Krakau gelang es der bisher im Kahal herrschenden Partei in den zwei Kurien, in denen bisher die Wahl stattgefunden hat, sich an der Macht zu erhalten, wobei in der zweiten Kurie die Zionisten einen ihrer Kandidaten, Dr. Bulwa, durchbringen konnten. (Ziko.) Gerer Chassidim gegen die Agudah Warschau (J.T.A.). Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, haben die Gerer Chassidim und verschiedene andere chassidische Gemeinschaften beschlossen, bei den kommenden Kehillah-Wahlen nicht für die Kandidaten der Agudas Jisroel zu stimmen und ein unabhängiges Wahlkomitee zu bilden. Der Grund liegt darin, daß die Agudah in Krakau und im übrigen Westgalizien eine gemeinsame Liste mit den Assimilanten gebildet haben. 1 i III III III' Feuilleton ||| i 111 1 III! II11111 111 Davids Tod*) von Karl Glaser Der Prophet Nathan schritt durch die kleine Pforte am Königsflügel des neuen Zedernpalastes, die nur die nächsten Freunde des kranken Herrschers benutzten. Joab vertrat ihm den Weg. „Du kommst vom König, Priester.“ „Keine Veränderung,“ sagte Nathan, der einer Unterredung ausweichen wollte, „keine Veränderung. David ist matt, aber er wird leben. Ich eile selbst zum Arzt, zu dem Tyrer, der die Tränke mischt.“ „Was ihr mischt, ist mir gleichgültig,“ antwortete der Feldhauptmann, „Gutes ist es nicht. Du sperrst den Herrn ab von seinen Freunden. Seit er krank ist, hältst du ihn gefangen.“ „Ich weiß, daß du mir immer Feind warst, Joab; du bist ungerecht. David braucht Ruhe.“ „Ruhe? Ich bin besser bedient, als du denkst, noch weiß ich, was im Palast vorgeht!“ „Du setzt mich in Erstaunen. David ist ein Greis; seine Kräfte schwinden, jeder Laut kann ihm schaden. Man pflegt ihn, tut alles, das kostbare Leben zu wahren. Ist das verdächtig?“ „Seit jener Ohnmacht, die den König niederwarf, ist niemand mehr zu ihm gekommen, der *) Aus „Gibborim“, erschienen in den „Jugendbüchern des Jüd. Verlags“, die wir angelegentlichst empfehlen, erhältlich in der „Ewer“-Buchhandlg. dir nicht paßte und deinem Klüngel. Nicht einmal seine Söhne; Adonia ...“ „Ist wild und laut...“ „Reize mich nicht und schweige! Du lauerst auf des Königs Tod und sorgst, daß niemand deinen Einfluß stört. Adonia ist kein gefügiges Werkzeug in deiner Hand; der jüngste, der schwächste der Prinzen soll die Krone .. „So ist des Königs Wille.“ „Schweig! Ich rate dir, schweig! — Ich sage, David weiß, was du planst und sucht das Reich zu sichern. Er ruft nach seinen Räten, aber die sind fern von ihm; nach seinen Kriegern, die mit ihm den Staat schmiedeten, aber man läßt sie nicht an sein Lager. Ja, Nathan, ich habe Grund, dafür zu sorgen, daß unser Werk nicht zu Schanden werde unter Priestern und Knaben!“ Nathan überlegte; er suchte immer noch den Bruch zu meiden: „Niemand bestreitet dein Verdienst, und ich beuge mich dem Gewicht deiner Taten. Wir wollen das Beste, beide; auf verschiedenen Wegen. Dein Weg ist nicht der rechte, Joab. Du kennst Adonia nicht, der nach deinem Willen auf Davids Stuhle sitzen soll. Er ist ein Krieger; er begnüge sich mit seinem Ruhme. Denn er ist nicht weise. Ehrgeizig ist er und ruhelos; das Blut des Volkes scheint ihm billig. Er richtet seine Augen auf Ägypten, Gosen nennt er verlorenes Erbgut unseres Volkes. Ihn blendet die Krone der Pharaonen.“ 14951823

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