Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 23 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Das Jüdische Echo Nr. 25 wundeteil erlagen ihren Verletzungen, während andere mit dem Tode ringen. Die mitreisenden Minister nahmen sich der bedrohten Juden nicht an. Auch auf der Rückreise von Balasfalva nach Klausenburg wurden die jüdischen Mitreisenden im Schnellzuge schwer mißhandelt und mehrere aus dem Zuge geworfen. Das Eisenbahnpersonal kam den Juden nicht zu Hilfe, sondern hielt den Zug immer dort an, wo es den Studenten beliebte. In der Station Toeves verließen die Studenten den Klausenburger Zug und versuchten, in zwei dort haltende internationale Züge einzudringen, um die jüdischen Passagiere herauszuholen. Sie wurden aber von dem Zugpersonal und den Reisenden zurückgeschlagen. Judenhatz in Klausenburg. — Zwei Studenten in den Fluß geworfen Wien (J.T.A.). Dieselben Studenten, die auf dem Wege nach Klausenburg gegen die jüdischen Passagiere gewütet haben, veranstalteten, als sie in Klausenburg eintrafen, eine Hetzjagd auf die jüdischen Straßenpassanten. Besonders sahen sie es auf die jüdischen Studenten ab. Mehrere Passanten und Studenten erlitten schwere Verletzungen. Zwei jüdische Studenten wurden zu dem Teich geschleppt und dort ins Wasser geworfen. Eine Nachricht besagt, daß die zwei Studenten ertranken. Diese Nachricht ist noch nicht bestätigt. —Im übrigen dauern die Judenexzesse in Klausenburg seit einer Woche fast ununterbrochen an. Schon am 15. Mai wurden jüdische Studenten in den Stadtteich geworfen, sie konnten sich aber als gute Schwimmer retten. Störung des Referats eines Völkerbunds-Vertreters durch antisemitische Studenten Bukarest (J.T.A.). Eine über das Thema „Nationale Minderheiten“ einberufene Versammlung in Klausenburg, in welcher der Direktor der Minoritätenabteilung beim Völkerbundssekretariat, Herr Erik Colban, eine Rede hielt, wurde durch das Eindringen einer Bande antisemitischer Studenten gestört. Die Studenten stürmten lärmend in den Saal und riefen unausgesetzt: „Wir wollen keine Vertreter der jüdischen Freimaurer unter uns dulden!“ Mehrere der Eindringlinge wurden verhaftet. Bei dem Verhör auf dem Polizeiamt ergab sich, daß die meisten von der Universität Jassy waren und auf spezielle Anweisung des Prof. Cuza, dem Haupt der antisemitischen Organisation, nach Klausenburg gekommen waren, um die Versammlung zu stören. Intervention beim Innenminister Bukarest (J.T.A.). Der Innenminister empfing eine Deputation der Union rumänischer Juden, die in schärfster Form gegen die Pogrome in Siebenbürgen protestierte und an den Minister die Frage stellte, wie es kommt, daß solche Scheußlichkeiten unter dem Belagerungszustand geschehen können und die Behörden nichts zur Verhütung der Unruhen unternehmen. Fortdauer der Exzesse. — Attackierung der „Kadimah“ in Temesvar Bukarest (J.T.A.). Die antisemitischen Unruhen in Siebenbürgen dauerten noch am 21. Mai an. Die Attackierung der jüdischen Reisenden wurde auf allen Bahnlinien Siebenbürgens gleichzeitig und planmäßig durchgeführt. In Temesvar kam es anläßlich des Fußballmatches zwischen dem rumänischen Klub Politechnicum und dem jüdischen Fußballverein Kadimah zu blutigen Ausschreitungen. Das Publikum stürmte auf den Spielplatz und verprügelte die Spieler der Kadimah. Dann zog die Menge in die Stadt, insultierte die jüdischen Passanten und schlug die Fenster der von Juden bewohnten Häuser ein. Fortdauer der Pogrome in Transsylvanien Auftauchen einer Ritualmord-Legende Bukarest (J.T.A.). Die Zahl der Todesopfer bei den transsylvanischen Pogromen kann noch nicht genau festgestellt werden. Eine große Anzahl Juden wird als vermißt angegeben und man fürchtet, daß viele von ihnen den Tod gefunden haben. In den Eisenbahnzügen sieht man jetzt keine Juden, da man eine Wiederholung der fürchterlichen Eisenbahnexzesse befürchtet. An gewissen Orten haben sich die Ausschreitungen wiederholt. In Targumuros z. B. fand am letzten Donnerstag ein Pogrom statt und viele Juden wurden mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert. Am nächsten Tag hatte ein Dienstmädchen eine Ritualmordlegende verbreitet, die fast zu einem neuen Pogrom geführt hätte. Das Mädchen lief durch die Straßen und schrie, daß die Juden, bei denen sie bedienstet sei, versucht hätten, sie in den Keller zu söhleppen, um ihr Blut für Ritualzwecke abzuzapfen. Die Polizei unterzog das Mädchen einem Kreuzverhör, wobei sich herausstellte, daß es von einer örtlichen antisemitischen Organisation veranlaßt worden sei. diese Blutbeschuldigung in den Straßen auszurufen. Die rumänische Regierung informiert sich Bukarest (J.T.A.). Der Ministerpräsident Bratianu hat die Präfekten der drei neurumänischen Provinzen Siebenbürgen, Bukowina und Bessarabien nach Bukarest eingeladen, damit sie ihm über die Verhältnisse in den drei Provinzen, besonders im Hinblick auf die letzten Judenexzesse, berichten. Zunächst konferierte Bratianu mit dem Klausenburger Präfekten über die Exzesse in den Eisenbahnen, in den Städten und auf dem Lande. Der Unterstaatssekretär Tartarereu äußerte sich einem Mitarbeiter des „Adeverul“ gegenüber über die Pogrome in Siebenbürgen dahin, der Regierung seien die traurigen Verhältnisse nicht unbekannt. Unter den Verwundeten sind aber auch vier rumänische Studenten, von denen zwei sogar schwer verwundet sind. Daß auch Tote zu beklagen sind, ist der Regierung nicht bekannt (!). Der rumänische Gesandte in den Vereinigten Staaten dementiert New-York (J.T.A.). Der rumänische Minister in Washington, Prinz Bibesco, hat der Jüd. Telegr.- Agentur telegraphisch mitgeteilt, die rumänische Regierung hätte ihn ermächtigt, die über Pogrome auf die jüdische Bevölkerung in Rumänien verbreiteten Nachrichten zu dementieren. (Hierzu ist zu bemerken, daß in Europa ein solches Dementi nicht erfolgt ist. Im Gegenteil hat der Unterstaatssekretär Tartarereu dem Redakteur der „Adeverul“ erklärt, die Regierung habe Kenntnis von den traurigen Ereignissen, sie wisse nur nicht, ob auch Tote zu beklagen sind. Nun ist es möglich, daß infolge der strengen Zensur und der dadurch begünstigten Entstehung von Gerüchten die Zahl der Todesopfer höher beziffert wurde, als dies in Wirklichkeit der Fall ist.) Von der Emigrationskonferenz in Rom Ein Memorandum des Emigrationsdirektoriums an den internationalen Emigrationskongreß Berlin (J.T.A.). Dem Vereingten Komitee für jüdische Auswanderung (Emigrationsdirektorium) wird aus Rom mitgeteilt: Die Delegierten der