Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 23 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 23 6. Juni 1924 11» Jahrgang mpm sn Das Fest, welches wir in den schönen Frühlingstagen feiern, führt uns zurück in die Jugendzeit unseres Volkes, in die Zeit, welche die schönsten Hoffnungen für die Zukunft desselben erweckte. Israel war aus den schweren Sklavenketten in Ägypten glücklich erlöst, sein Führer hatte es unter den Schwierigkeiten mannigfaltiger Art dem Sinai nahegebracht und hier wartete seiner die Botschaft, daß es ausersehen sei, die heilige Nation der Erde, ein Volk der Priester zu werden. Jubelnd vernahm das Volk diese Kunde und in jugendlicher Frische rüstete es sich, dem Rufe seines Gottes Folge zu leisten. Hier tritt uns zum ersten Male das Judentum in der noch ungebrochenen Kraftfülle seiner Jugend entgegen. Das „Fest der Gesetzgebung“ erinnert uns an die erste schöne Epoche der jüdischen Nation. Es findet aber uns Juden im Golus in einer schweren Zeit der Not und des Kampfes. Dränger von allen Seiten suchen uns in Ost und West das Dasein zu erschweren und uns in die Verhältnisse lang vergangener Zeiten zurückzuschrauben. Ein tragisches Geschick ist es, das uns und ganz besonders unsere Jugend heimsucht. Und in dieser Zeit ist gerade das Fest, das uns an den Frühling unseres Volkes erinnert, ganz besonders geeignet, uns an unsere Pflichten zu mahnen, uns aufzurütteln, um schwere Aufgaben zu erfüllen. Haß und Neid sind ganz wie im Mittelalter am Werke, uns das Leben zu untergraben, den Namen der Zivilisation und Kultur schmähende Horden trachten darnach, uns das Dasein zu verkümmern. Der einzige Hoffnungsstrahl, der uns in dieser schweren Zeit des Niedergangs leuchtet, ist unsere Jugend und ein Blick auf das Land unserer Sehnsucht. Die Verhältnisse in Palästina sind allmählich in günstiger Entwicklung begriffen und das jahrzehnteschwere Ringen um den Aufbau des Landes ist in erfolgreiche Bahnen eingelenkt Die Jugend begreift, was es heißt im freien Lande frei nach den Idealen zu leben und sie ist es, welche allen Schwierigkeiten trotzend dem Volke ohne Land ein Land mit Volk zu begründen bereit ist. In Ansehung dieser Hoffnung ziemt es uns besonders heute der Tage am Sinai zu gedenken und uns der Offenbarung zu erinnern. Welches Volk auf Erden kann sich rühmen, schon vor tausenden von Jahren die Grundlagen höchster Sittlichkeit und vollkommenster Wahrheit geschaffen zu haben? In den zehn Worten vom Sinai wurde der Welt die reinste Moral und wahrhafte Sittlichkeit vor Augen geführt. Ins Land unserer Väter zurückgekehrt, werden wir sie der ganzen Menschheit in Beispiel, in Freiheit erfüllen können. Das schöne Fest gibt uns Veranlassung, diese Gedanken immer mehr in uns zu vertiefen. J. F. Einberufung des Hktionskomitees nach London für den 17. Juni Der Kongreß soll Im Winter stattfinden. — Ausfall der Jahreskonferenz Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hat beschlossen, das Aktionskomitee zu einer Sitzung einzuberufen. Im Einvernehmen mit dem Präsidium des A.-C. wurde als Termin der Sitzung der 17. Juni und als Tagungsort London festgesetzt. Die Exekutive beabsichtigt, dem Aktionskomitee den Antrag vorzulegen, den XIV. Kongreß bereits in diesem Jahre und zwar im Winter 1924 abzuhalten. Dementsprechend würde die ursprünglich für diesen Sommer vorgesehene Jahreskonferenz ausfallen. Der Grund für diesen Vorschlag ist darin zu sehen, daß die Verhandlungen über die Bildung der Jewish Agency, die in Amerika geführt wurden, bereits in ein derartiges Stadium getreten sind, daß damit zu rechnen ist, daß bereits in der kürzesten Zeit klare Vorschläge der Wien (J.T.A.). Aus Siebenbürgen treffen haarsträubende Nachrichten über dort an Juden verübte Grausamkeiten, die sogar Todesopfer forderten, ein. In Balasfalva fand am letzten Sonntag eine Nationalfeier statt, zu der sich zahlreiche rumänische Studenten aus Bukarest und Klausenburg, sowie zwei rumänische Minister einfanden. In demselben Zug, in welchem die Minister reisten. wichtigsten jüdischen Gruppen über die Form ihrer Beteiligung an der Jewish Agency vorliegen werden. Da die Jahreskonferenz, die durch die Beschlüsse des XIII. Kongresses gebunden ist und nur in deren Rahmen Entscheidungen treffen kann, in einer freien Erörterung und Entschließung über diese Gegenvorschläge durch formelle Bedenken gehindert wäre, die Entscheidung aber keinen Aufschub um ein weiteres Jahr duldet, so muß nach Ansicht der Exekutive der Kongreß einberufen werden. Die Exekutive beabsichtigt, dem Aktionskomitee am 17. Juni einen genauen Bericht und alles bis dahin vorliegende Material vorzulegen. Die Entscheidung über die Fragen, die dann vom Aktionskomitee zu formulieren sind, wird den zionistischen Wählern selbst unmittelbar anheimgestellt werden. (Ziko.) Rumänien wurden die mitreisenden Juden von den Studenten schwer gequält und mit dem Tode bedroht. An jeder Haltestelle und auch aus dem fahrenden Zuge wurden jüdische Mitreisende unter brutalen Mißhandlungen aus dem Zuge gestoßen, mehrere aus den Kupeefenstern geworfen. Viele derselben wurden später mit gebrochenen Gliedern oder mit Schädelbrüchen aufgefunden. Zwei von den Ver-