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Das jüdische Echo · 1924-05-30 · 22 (30.5.1924) · p. Seite 93

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
22 (30.5.1924)
Date
1924-05-30
Page
Seite 93 (sequence 7)
Language
German
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Das Jüdische Echo 93 Nr. 22 -* „Daß die Welt wieder wüst und leer werde? Nein, das geht nicht, denn die Sünden wiegen nicht über.“ „Daß die Welt erlöst werde? Auch das geht nicht: Denn auch die guten Werke wiegen nicht über.“ „Was würde er also beschließen?“ „Fliege weiter!“ würde er der Welt sagen, schwebe zwischen Himmel und Hölle, zwischen Liebe und Haß, zwischen Tränen des Mitleids und rauchendem Blut... zwischen Wiegen und Gräbern, immer weiter und weiter.“ .... Es war aber der armen irrenden Seele doch bestimmt, erlöst zu werden: Trommelwirbel erweckten sie aus ihren ^Gedanken .... Wo ist sie nun? Sie kann weder den Ort noch die Zeit erkennen . . . Sie sieht einen Platz vor einem Gefängnisse . . . In den kleinen vergitterten Fenstern spielen Sonnenstrahlen. Sie funkeln auch in den Bajonetten der Gewehre, die an der Mauer aufgestellt sind: die Soldaten haben statt der Gewehre Spießruten in den Händen .... Die Soldaten sind in zwei langen Reihen aufgestellt. so daß in der Mitte zwischen ihnen ein schmaler Gang offen bleibt. Jemand soll Spießruten laufen. Wer? Ein Jude mit einem zerrissenen Hemd auf dem magern Leib, mit einem Käppchen auf dem zur Hälfte rasierten Schädel. Schon führt man ihn aus der Kasematte heraus. Womit hat er diese Strafe verdient? Wer weiß es! Es ist ja schon so lange her! Vielleicht hat er einen Diebstahl auf dem Gewissen, vielleicht Raub oder Mord... Und vielleicht ist es auch nur eine falsche Anklage... Das ist ja doch schon so lange her ... Soldaten lächeln und denken sich: „Warum hat man uns in solcher Menge aufgestellt? Er wird ja auch nicht die Hälfte der Hiebe aushalten können. Nun stößt man den Verurteilten zwischen die Soldatenreihen hinein, schon geht er vorwärts... Und er hält sich aufrecht, und seine Füße straucheln nicht... Er erträgt die Hiebe, die auf ihn niederprasseln ... Die Soldaten sehen, wie aufrecht er geht, und sie geraten in Wut! Und die Spießruten sausen durch die Luft wie böse Geister, und sie legen sich um den Leib wie die Schlangen. Und vom hageren Leib spritzt, tropft, strömt Blut... Hu — ha! Hu — ha! sausen die Ruten! Nun trifft es sich, daß ein Soldat zu hoch ausholt und dem Verurteilten das Käppchen vom Kopfe schlägt. Dieser bemerkt es erst nach einigen Schritten... Er bleibt einen Augenblick stehen, als ob er sich etwas überlegte, und dann entschließt er sich und kehrt um: er will nicht mit entblößtem Kopf sterben und er geht zurück bis zur Stelle, so ihm das Käppchen heruntergefallen war; er bückt sich, er hebt es auf, und dann kehrt er wieder um und geht weiter, verblutend, doch mit bedecktem Kopf... Und so geht er, bis er tot umfällt... Und als er umgefallen war, flog die irrende Seele zu ihm herab, ergriff das Käppchen, das ihn so viele überflüssige Hiebe gekostet hatte und trug es zur Himmelspforte. Auch das dritte Geschenk wurde angenommen. Und die Gerechten verwendeten sich für die Seele und die Tore des Paradieses wurden für sie aufgetan. Und der Größte unter den Gerechten, der Verfasser des Werkes „Urim wetumim“, sprach: „Es sind wirklich schöne, ganz außergewöhnlich schöne Geschenke, wenn sie auch zu nichts nutze sind!“ literarisches Echo Eniamiel Reicher gestorben. Berlin (J.T.A.) Am Donnerstag, den 15. Mai, nachmittags, starb in Berlin der weltbekannte Schauspieler Emanuel Reicher im Alter von 75 Jahren. Emanuel Reicher war im Jahre 1849 in der galizischen Stadt Bochnia als Sohn eines jüdischen Advokaten geboren. Er widmete sich schon in sehr jungen Jahren der Schauspielkunst und trat zuerst in kleinen jiddischen Wandertheatern in Galizien und Ungarn auf. Mit 24 Jahren kam er nach Deutschland und errang sich sehr bald einen hohen Rang an der deutschen Bühne. Er war der Schöpfer eines neuen Darstellerstils, der in Deutschland Schule machte. Unerreicht war er aber als Schöpfer großer Judentypen, wie Nathan der Weise usw. ln den ersten Kriegsjahren zog Emanuel Reicher nach Amerika, wo er zu dem ersten Ideal seiner Jugend, der jiddischen Bühne, zurückkehrte, die er zu einem höheren Kunstwillen erzog. Vor einem Jahre nach Deutschland zurückgekehrt, trat er wieder auf deutschen Bühnen, hauptsächlich in jüdischen Rollen, auf. Sein letzter großer Erfolg war der Leiser Fränkel in dem Pogromstück „Die Juden“ von Tschirikow, das im Berliner Renaissance-Theater aufgeführt wurde. Eine jüdische Wochenschrift für Süd-Deutschland Heilbronn (J.T. A.). Auf Veranlassung des bayerischen Gemeindebundes ist eine „Süddeutsche israelitische Wochenschrift“ begründet worden, deren Hauptschriftleitung in den Händen des Bezirksrabbiners Dr. Beer manu liegen wird. Das Organ wird wöchentlich 16 Seiten stark erscheinen und sich nicht allein auf Nachrichten aus dem jüdischen Gemeindeleben beschränken, sondern die gesamte jüdische Lebens- und Weltanschauung in Bei- (Fortsetzung Seite 97) DAS HAUS KREU-UOCO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN - DECKEN

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