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Das jüdische Echo · 1924-05-30 · 22 (30.5.1924) · p. Seite 91

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
22 (30.5.1924)
Date
1924-05-30
Page
Seite 91 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 91 anerkennen. Einen Mittelweg gibt es nicht. Es soll noch erwähnt werden, daß die meisten englischen Beamten bei der palästinensischen Regierung, die der Errichtung einer jüdischen Heimstätte feindlich gegenüberstehen, ihre Demission gegeben haben. Die zionistische Politik — so schloß Colonel Kisch — ist auf gutem Wege. Kommen noch Menschen und Geld ins Land, dann ist die jüdische Heimstätte eine Tatsache. Die Haltung der Schutzpolizei während des Berliner Progroms Berlin (J. T. A.) Wie bekannt, hatten sich die Mitglieder des Vorstandes des Bundes jüdischer Frontsoldaten am 16. Mai wegen der Bildung eines bewaffneten Selbstschutzes am 5. November, da der Pogrom im Berliner sogenannten Scheunenviertel stattfand, zu verantworten. Die Erontbundmitglieder wurden wegen Notwehr freigesprochen. Während des Prozesses war aber viel von dem antisemitischen Verhalten der Schutzpolizei an dem kritischen Tage die Rede. Die Mitglieder des Frontkämpferbundes warfen in dem Prozeß der Schutzpolizei, die dort während der Exzesse den Dienst versah, vor, daß sie für den Mob und gegen die mißhandelten und geschlagenen Frontkämpfer Stellung genommen habe. Nach Erklärung der Betroffenen sind die Hauptschuldigen bei der Schutzpolizei ein Major Strobe, ein Hauptmann Dubbe, ein Oberwachtmeister und fünf Polizisten der Alexanderkaserne in der Kaiser Wilhelm-Straße, Nach den Erklärungen von Mitgliedern des Frontkämpferbundes, die sich dort aufhielten, um Mißhandlungen zu verhindern, haben sich die Vorgänge im Scheunenviertel folgendermaßen abgespielt: Major Strobe fuhr mit einem Dienstauto am 5. November durch das Scheunenviertel. Als er von den Frontkämpfern gebeten wurde, Schutz zu schicken, da man bedrängt und geschlagen würde, zuckte er die Achseln und meinte, das sei „ihrn egal“, und fuhr davon ohne einzuschreiten. Etwa fünf Mitglieder des Frontkämpferbundes wurden später unter Führung eines Oberwachtmeisters testgenommen, geschlagen, mit Füßen getreten, auf ein Lastauto geschleppt und nach der Alexanderkaserne gefahren. Dort ließ man sie auf dem Hofe strammstehen, etwa zehn Minuten lang die Arme hochheben und von der gesamten Mannschaft in der wüstesten Weise beschimpfen. Die Mannschaften schlugen auch die Wehrlosen mit Gummiknüppeln oder versetzten ihnen Fußtritte. Hauptmann Dubbe befand sich auf dem Kasernenhofe, sah ruhig dieses Treiben mit an, ohne daß er Miene gemacht hätte, einzuschreiten. Während die Frontkämpfer mit erhobenen Händen auf dem Kasernenhof standen und beschimpft wurden, trat einer von den Mannschaften an einen der Frontkämpfer heran, stahl ihm die Uhr und Brieftasche und ging davon. Endlich, nach einstündigem Aufenthalt in der Kaserne, nachdem einige der Gefangenen durch die Mißhandlungen schon recht erheblich verletzt waren — so war einem von ihnen, einem Arzt, durch einen Kolbenschlag die Hand gebrochen —, wurden sie entlassen. Der Kommandeur der Schutzpolizei, Oberst Kaupisch, sagte eine strenge Untersuchung der Vorgänge zu. Ein Major der Schutzpolizei wurde beauftragt, die Untersuchung zu leiten, die bereits am 6. November in der Alexanderkaserne begann. Bei den Konfrontierungen leugneten fast alle belasteten Schupo-Offiziere und Mannschaften die ihnen zur Last gelegten Taten. Einige Tage später wurden dann die Mannschaften vernommen. Die Frontkämpfer erkannten fünf Mann wieder, die sie als Juden beschimpft und mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben geschlagen haben. Keiner der Mannschaften bestand, auch derjenige, der Uhr und Brieftasche gestohlen hatte, meldete sich nicht. Nur ein einziger Oberwachtmeister erklärte, er habe gesehen, wie einige seiner Kameraden geschlagen hätten, und daß auch antisemitische Hetzreden in der Kaserne gehalten wurden. Wenige Tage nach den Vernehmungen trat ein Mittelsmann des Leiters der Alexanderkaserne, des Majors Rank, an den Leiter des Frontkämpferbundes mit der Bitte heran* der Frontkämpferbund möge erklären, daß für ihn die Sache erledigt sei. Das lehnte der Leiter der Frontkämpfer rundweg ab und strengte den Prozeß gegen die beteiligten Schupo-Offiziere und Mannschaften, wegen Beleidigung, Verleumdung und tätlicher Mißhandlung an. Soweit nun die Mitteilungen des Frontkämpferbundes. Wie nun die „Vossische Zeitung“ erfährt, sind in diesen Tagen vom preußischen Ministerium des Innern das gesamte Material und alle Protokolle über die damaligen Vernehmungen angefordert worden. Nach Meinung der Zeitungen scheint es aber, als ob man erst den Prozeß des Frontkämpferbundes gegen die Schupo abwarten will, ehe man von Regierungsseite einschreitet. Die Zeitung verlangt, daß die Regierung nunmehr mit aller Energie die Beschuldigung des Frontkämpferbundes prüft. Feuilleton Drei gute Geschenke Von Leib-Perez. Deutsch von Alexander Eliasberg. (Schluß.) „Denke daran,“ rief ihr der Engel nach, als er die Pforte hinter ihm wieder verschloß, „daß du noch zwei Gaben zu bringen hast!“ „Gott wird mir schon helfen!“ erwiderte die Seele hoffnungsfroh und flog freudig zur Erde hinab. Doch mit der Zeit schwand diese Freude. Es vergingen wieder viele Jahre, und sie sah nichts außergewöhnlich Schönes .... Und es kamen ihr wieder traurige Gedanken: „Wie eine lebendige Quelle ist der Strom der Menschheit dem göttlichen Willen entsprungen und er fließt immer weiter und weiter durch die Zeit. Und je weiter er fließt, um so mehr Schmutz und Staub nimmt er in sich auf und wird trüber und unreiner; und es wird immer schwieriger, in ihm ein des Himmels würdiges Geschenk zu finden. Kleiner werden die Menschen, unbedeutender ihre guten Werke und winziger ihre Sünden; ihre Werke sind mit dem Auge kaum zu erkennen! .... „Und wenn Gott befehlen würde,“ denkt sich die Seele, „die guten Werke und die Sünden der ganzen Welt abzuwägen, so würde sich das Zünglein an der Wage nur um eines Haares Breite rühren.“ .... „Auch die ganze Welt ist jetzt so wie ich: sie kann weder in den Himmel hinauf, noch ln die Hölle hinab und muß ewig zwischen den beiden schweben .... Und der Fürsprech und der An-

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