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Das jüdische Echo · 1924-05-16 · 20 (16.5.1924) · p. Seite 71

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
20 (16.5.1924)
Date
1924-05-16
Page
Seite 71 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 71 Auch auf anderen Gebieten gibt es in Palästina Arbeitergenossenschaften, so z. B. in der Form von Druckereien, Tischlerwerkstätten, die Eigentum von Arbeitern sind. Die Zahl der Mitglieder der einzelnen Genossenschaften ist im allgemeinen nicht größer als 50 bis 100. Das technische Problem ist daher vorläufig einfach. In welcher Weise später die Frage für große Fabriken gelöst werden wird, ist noch nicht klar, aber es ist nicht zu bezweifeln, daß neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Arbeit und Kapital schließlich gefunden werden. Denn das eine, was immer wieder betont werden muß, ist das, daß der Fortschritt ohne Kampf vor sich geht. Die Beseitigung des privaten Arbeitgebers bedeutet nichts Schlimmes für das Kapital, weil dieses noch nicht richtig angespannt worden ist. Sie bedeutet also vorläufig nur die Verhütung eines Übels, nicht seine Heilung. Kein Kapitalist leidet darum unter der Neuordnung der Dinge. Die neue Ordnung wächst nicht aus den Ruinen der alten, sondern direkt aus dem Boden hervor. Wenn gleichwohl kleine Konflikte unbedeutender Art Vorkommen, so werden sie von einem Schiedsgericht beseitigt. Dies sind in kurzen Andeutungen einige Illustrationen. Die Einzelheiten müssen natürlich noch studiert werden, und zweifellos wird die Entwicklung des Landes die Aufmerksamkeit derer, die die Wirtschaftsentwicklungen und die sozialen Probleme beobachten, in großem Umfang auf sich lenken. Dies ist also wirklich die letzte Rechtfertigung der zionistischen Idee: daß sie den verwirrten Idealisten in der westlichen Welt die einzigartige Entwicklung einer sozialen Ordnung zeigt, die jene vergeblich erträumt haben. Wenn dies alles in Zukunft Gestalt annimmt, so wird es wirklich nichts anderes sein, als die Verwirklichung des Jahrhunderte alten prophetischen Traumes des jüdischen Volkes, als die neue Formulierung der alten Botschaft, die die Juden der Welt verkündet haben. Weltkongreß jüdischer Studenten Vorn 30. April bis 6. Mai fand in Antwerpen ein bedeutungsvoller Weltkongreß jüdischer Studenten statt, an dem aus verschiedenen Ländern Delegierte teilnahmen, die sich aus Zionisten, sozialistischen Zionisten, Bundisten und orthodoxen Gruppen zusammensetzten: ln einem Referate über die rechtliche Lage der jüdischen Studenten führte Herr Lewin, Warschau, aus, daß es in Polen keine gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdischen Studenten gebe. Unter den polnischen Studenten bestehe jedoch eine starke Gegnerschaft gegen die jüdischen Studenten. Dann ging er noch auf das von dem früheren Unterrichtsminister Professor Glombinski an die polnischen Universitäten verschickte Zirkular ein, in welchem empfohlen wird, den Numerus clausus in der Praxis auszuführen. Ungarn ist das einzige Land, in welchem der Numerus clausus von Gesetzes wegen besteht. In Österreich ist der Numerus clausus ebenfalls gesetzlich, aber nur gegen ausländische Juden, ln Deutschland hat das Studentenparlament eine Resolution für die Einführung des Numerus clausus angenommen. In Rumänien liegt die Lage ähnlich wie in Polen. Es bestehen keine gesetzlichen Beschränkungen, aber die rumänischen Studenten sind den Juden feindlich gesinnt, und es finden sehr oft Kämpfe in den Universitäten statt. Herr Lewin wendete sich gegen eine jüdische Universität in Europa, mit der Begründung, daß dies das Inkrafttreten des Numerus clausus in verschiedenen Ländern beschleunigen könnte. Man würde dann den jüdischen Studenten sagen, sie sollten auf die jüdische Universität gehen. Nachdem in der Sitzung vom 3. Mai die Referate über „Die Aufgaben des Weltverbandes“, über die „Rechtliche Lage“ und über die „Wirtschaftliche Tätigkeit des Weltverbandes“ erstattet worden waren, begann der Kongreß die Generaldebatte über diese drei Punkte. Es entstand schon zu Beginn eine starke Kontroverse, da einige Redner darauf hinwiesen, daß Herr Lewin (Warschau) in seinem Referate über die rechtliche Lage dem Kongresse nicht alle wichtigen Tatsachen über die rechtlichen Beschränkungen vorgebracht habe, und daß er allzusehr darauf bedacht sei, die Empfindlichkeit der einzelnen Staaten nicht zu verletzen. Herr Leo Motzkin vom Comite des Delegations Juives wies darauf hin, daß die Loyalität den betreffenden Staaten gegenüber nicht zu weit zu treiben sei. Er führte die Ziffern an, aus denen hervorgeht, daß an einzelnen polnischen Universitäten der Numerus clausus mit Strenge durchgeführt wird, obwohl er keine gesetzliche Kraft besitzt. Der Kongreß beschloß, die Einzelheiten dieser Frage in der rechtlichen Kommission zu erörtern. Was den Charakter des Weltverbandes betrifft, förderte die Diskussion zwei scharf voneinander getrennte Meinungen zutage. Die eine sieht in dem zu schaffenden Weltverr bande ein Mittel zu kultureller und nationaler Zusammenarbeit der jüdischen Studenten und den Ausdruck eines Bestrebens zur Förderung der interritorialen Einheit des jüdischen Volkes. Die andere sieht in ihm Mittel zur Koordinierung der wirtschaftlichen Tätigkeit und Organisierung der Selbsthilfsinstitutionen, sowie auch zum rechtlichen Schutze der jüdischen Studenten. Es ist auch eine kleine bunaistische Gruppe vorhanden, POBZBILAir-imBBlOIMfil MITMCMEN THE ATI N E RSTRASSE •» gtgaaütr Atr FtUknrmkaSt ■CdSSTB AU SWAMI. 1K «EBBACeiBr«>EBLl.Al ViSLICBE UVIBIISÄIIVI«

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