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Das jüdische Echo · 1924-05-09 · 19 (9.5.1924) · p. Seite 63

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
19 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 63? giösen Minderheiten betreffenden Klauseln in den internationalen Verträgen; er wendet sich auf Grund der Prinzipien der menschlichen Pflicht gegen jedes Regime, das andersrassige Bürger in eine untergeordnete Stellung zwingen oder ihnen die den anderen Bürgern zustehenden Rechte versagen will; weiter betont der Kongreß mit besonderem Nachdruck, daß die Einführung des „Numerus clausus“ an den Universitäten (ganz gleich von welcher Autorität dies ausgeht und in welcher Form das geschieht) ein Attentat auf das primärste und unverletzlichste Recht jedes Menschen darstellt, auf das Recht nämlich, Wissen zu erwerben, den Geist zu kultivieren und am Fortschritt der ganzen Menschheit mitzuwirken, indem er an der Arbeit der modernen Kultur teilnimmt.“ Deutschland Auf der Spur der Hintermänner des Rathenaumordes Berlin. (J.T.A.) In den letzten Wochen sind neue Ermittlungen aufgenommen worden, die ein überraschendes Licht auf die Hintergründe des Rathenaumordes werfen. Bekanntlich haben sich Rathenaus Mörder Kern und Fischer auf der Burg Saaleck das Leben genommen, während ihre Mitschuldigen, die Brüder Techow und Genossen, vom Staatsgerichtshof der Republik zu schweren Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt worden sind. Die Gerichtsverhandlung brachte aber keine Aufklärung über die Hintermänner des Verbrechens, namentlich über die Geldgeber, von denen die Tat finanziert worden ist. Die jetzt aufgenommenen neuen Ermittelungen haben ergeben, daß diese Hintermänner in den Kreisen des Alldeutschen Verbandes zu suchen sind. Besonders ist ein Berliner Kaufmann schwer belastet, der ein Vertrauensmann des Alldeutschen Verbandes ist. Für die Finanzierung des Unternehmens kommt ferner der Fürsprech Hoffmann in Bern in Betracht, durch dessen Hände auch noch bis zum heutigen Tage die Unterhaltsgelder für die nach Ungarn geflüchteten Mörder Erzbergers, Schulz und Tillesen gehen. Das gesamte Aktenmaterial ist jetzt dem Oberreichsanwalt vorgelegt, der über die weiteren Maßnahmen Entscheidung treffen wird. Das Berliner Zentrumsorgan „Germania“ bringt weitere Mitteilungen über die Hintergründe des Rathenaumordes. Die Zeitung erfährt: Bei der Ausführung des Rathenaumordes haben die geldgebenden, durch das neue Material belasteten alldeutschen Stellen die Organisation „Konsul“ mit genauen Weisungen versehen. Es waren für die Ermordung zwei Kolonnen gebildet worden, von denen die eigentlich in erster Linie zur Tat bestimmte nicht eingreifen konnte, weil ihre Mitglieder im entscheidenden Momente betrunken waren. Dadurch kam die „Reservekolonne“ Kern- Fischer-Techow zum Zuge. Hieraus erklärt sich auch, daß die Rathenaumörder so schlecht mit Geld und Pässen versehen waren. Hohe deutsche Offiziere bekräftigen unter Eid die Tapferkeit der Juden im Kriege Berlin. (J.T.A.) Wie jetzt bekannt wird, haben vor kurzem im vierten Unterausschuß des nach dem Zusammenbruch eingesetzten parlamentarischen Untersuchungsausschusses Verhandlungen über die Teilnahme der deutschen Juden am Kriege stattgefunden. In diesen Verhandlungen brachte der deutschnationale Abgeordnete Dr. Philipp einige persönliche Erlebnisse vor, aus denen die besondere Feigheit und militärische Unfähigkeit der jüdischen Soldaten hervorgehen sollte. Demgegenüber erklärte der Sachverständige General v. Kühl, der Generalstabsschef der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht, der auch Ludendorff besonders nahe stand, unter seinem Eid: „Meine persönlichen Erfahrungen und die Erfahrungen, die mir von anderen übermittelt worden sind, lassen erkennen, daß die Juden an der Front ebenso gut ihre Schuldigkeit getan haben, wie die anderen auch.“ Der zweite Sachverständige, Oberstleutnant v. Stülpnagel, erklärte: „Ich möchte scharf unterstreichen, was ExzöIc lenz v. Kühl eben sagte. Ich habe als junger Generalstabsoffizier bei der sechsten preußischen Division die Erfahrung gemacht, daß diejenigen Juden, die an der Front waren, ihre vollste Pflicht und Schuldigkeit getan haben. Ich will erwähnen, daß es mir eine Freude war, als unter den ersten auch einem Juden das Eiserne Kreuz verliehen wurde.“ Der dritte Sachverständige, Oberst Schwertfeger, sagte aus: „Ich habe im Kriege jahrelang Gelegenheit gehabt, die Verhältnisse im Generalgouvernement Belgien kennen zu lernen, das als Etappe anzusehen ist. Im Bereiche des Generalgouvernements Belgien waren natürlich an verschiedenen Stellen, besonders der politischen Verwaltung und der wirtschaftlichen Behörden, Angehörige der jüdischen Religion und es ist damals auch verschiedentlich an das Generalgouvernement mit dem Wunsche herangetreten worden, da eine stärkere Auskämmung im Sinne der Abgabe an die Front vorzunehmen. Es stellte sich dann aber in den meisten Fällen heraus, daß diese Herren auf dem Posten, auf dem sie waren, wirklich unentbehrlich waren und durch bessere und eingearbeitetere Persönlichkeiten nicht ersetzt werden konnten, so daß sich auch die Mißstimmung, die gelegentlich darüber auch in Offizierkreisen geherrscht hat, verhältnismäßig bald gab, weil im einzelnen nachgewiesen werden konnte, daß man nicht in der Lage war, diese Leute aus ihrer Stellung zu entfernen und durch gleichwertige zu ersetzen.“ Alldeutsche Wahlparole: Austreibung der Ostjuden, Einziehung ihres Vermögens Berlin. (J.T.A.) Unmittelbar vor den Wahlen in den Reichstag veröffentlichte das Berliner Organ der Alldeutschen „Deutsche Zeitung“ unter der Überschrift „Vergeßt die Ostjuden nicht bei der Wahl!“ einen Aufruf an die Wähler, in welchem gesagt wird: „Wir wollen es nicht vergessen, daß die Reichstagswahl am 4. Mai wieder die Ostjudenfrage in ihrer ganzen Bedeutung für uns aufrollen muß. Jetzt können wir uns eine Regierung wählen, die endlich diese Schmarotzer zum Lande hinausjagt. Die genau die Einbürgerungen überprüft und dafür sorgt, daß die von den Juden aufgehäuften Schätze noch rechtzeitig vor Abzug beschlagnahmt werden. Diese Wahl wird völkisch und national ausfallen und damit dem Ostjudenparadies auf deutschem Boden ein Ende bereiten.“ Zum Schluß wird das Märchen aufgetischt, daß ein jüdischer Bankdirektor an der Heerstraße (nähere Angaben werden nicht gemacht) die Zimmer seiner neuen Villa teils mit Gold-, teils mit Silberplatten tapezieren läßt.

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