Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 19 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Das jüdische Echo Nr. 19 Reichskonferenz der Ostjuden in Deutschland Am 28. und 29. April fand im Repräsentanten,- Sitzungssaal der Berliner jüdischen Gemeinde eine Konferenz von Vertretern ostjüdischer Organisationen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands statt. Die Konferenz hatte die Aufgabe, einen Zusammenschluß der im Reiche lebenden Ostjuden herbeizuführen, sowie die aktuellen ostjüdischen Fragen zu behandeln. Der Vorsitzende der provisorischen Exekutive, Herr Samuel Haarpuder, Berlin, eröffnete die Konferenz mit Begrüßung der zahlreich erschienenen Delegierten und Gäste, insbesondere der Vertreter der großen jüdischen Organisationen. Nach einer kurzen Beratung des Permanenzausschusses unterbreitet Herr Lin dessen Vorschläge für das Konferenzpräsidium: Jakob Reich, München, I.Vorsitzender, als weitere Mitglieder des Präsidiums die Herren Haar, Haarpuder, Dr. Büschel, Schönhorn, Goldenblum und Stier. Herr Motzkin, Präsident der Welthilfskonferenz, beleuchtete in seinem Referat über die politische Weltlage der Juden in großen Zügen besonders die gegenwärtige Situation des Ostjudentums und die Bemühungen zur Wahrung seiner in den Friedensverträgen verbürgten Rechte. Die inhaltsreichen Ausführungen des Referenten wurden mit begeistertem Beifall aufgenommen. Herr Benzion Fett referierte über die Lage der Ostjuden in Deutschland und ihre Stellung in den jüdischen Gemeinden. Redner betonte die Notwendigkeit, die rechtlichen Interessen der Ostjuden im Reiche zu wahren und die jüdischen Gemeinden zu echten Volksgemeinden unter voller Gleichstellung der ausländischen mit den inländischen Juden zu gestalten. Dem Referat folgte eine längere Diskussion, in der sich sämtliche Redner im Sinne der von Herrn Fett aufgestellten Forderungen aussprachen. Der Leiter des Arbeiterfürsorgeamtes, Herr Rudel, schilderte die Tätigkeit des A.F.A. für die rechtlichen Interessen der Ostjuden. Am 2. Konferenztage erstatteten die Delegierten aus dem Reiche Bericht über den Stand der Ostjudenarbeit an ihren Plätzen. Hierauf hielt Hr. Josef Lin das Referat über die Organisation. Er führte aus, daß die ostjüdische Organisation nicht bloß eine Interessengruppierung bilde, sondern wesentlich von einer Idee getragen werde. Das Prinzip der jüdischen Solidarität und der demokratische Charakter seien ihre Grundzüge. Darauf kennzeichnete der Referent die Form und die Aufgaben der Organisation. In der anschließenden Diskussion wurden wertvolle Anregungen hinsichtlich des Ausbaues der Organisation gegeben. Nachdem sämtliche Delegierte den Beitritt der von ihnen vertretenen Organisationen zum „Verband ostjüdischer Organisationen in Deutschland“ bei namentlichem Aufruf erklärten und die Statuten einstimmig angenommen waren, wurde die Gesamtorganisation als konstituiert erklärt. In das Zentralkomitee wurden darauf gewählt: aus Berlin: Haltrecht, Koppel, Langermann, Mehler, Rosenberg, Stern, Zolko; aus dem Reich: Dr. Büschel, Elberfeld; Schwarz, Dresden; Springut, Frankfurt a.M.; Scheffler, Köln; Reich, München; Dr. Hagler, Breslau; Fink, Köln; Brenner, Erfurt; Stier, Halle; Teitelbaum, Barmen; Londner, Hannover; Nemerowski, Frankfurt a. Oder; Schapiro, Wanne i. W.; Goldreich, Beuel a. Rh.; Sternberg, Kassel; Mistowski, Hindenburg; Schwarzbarth, Beuthen; Mprgulies, Essen; Klausner, Bochum; Lieber, Chemnitz; Kainer, Mühlheim a. R. Die Exekutive bilden: Josef Lin als Vorsitzender, Ackerhaid, Haarpuder, Koppel, Krebs, Rothenberg, Schönhorn, Weiß, sämtliche in Berlin. Es besteht begründete Hoffnung, daß die neue Organisation ihre Aufgabe, die in Deutschland lebenden Ostjuden zusammenzufassen und ihre Interessen wahrzunehmen, erfüllen wird. Literarisches Echo Jüdische Literatur in Esperanto. Die Nummer 180 der in Köln erscheinenden Esperantozeitschrift „Esperanto Triumfonta“ enthält, wie in der „Wiener Morgenzeitung“ bereits kurz berichtet wurde, als literarische Monatsbeilage eine Revue, die ausschließlich Proben aus der hebräischen und jüdischen Übersetzungsliteratur bringt. Das Blatt will damit, wie es x selbst hervorhebt, einen Zoll des Dankes den zahl- "T reichen jüdischen Esperantofreunden abstatten, die seit Jahr und Tag der Esperantosache in uneigennütziger Treue dienen. Es hätte hinzufügen können, daß damit auch das Andenken des Erfinders des Esperanto, Dr. Zamenhof, geehrt wird, der genau vor sieben Jahren, in der Pessachwoche 1917, an gebrochenem Herzen über die Greuel des Weltkrieges dahingegangen ist. Zamenhof war auch der erste, der Werke der hebräischen und jüdischen Literatur in die von ihm erfundene Sprache, die nach seiner Absicht der Verständigung der Völker und damit dem Weltfrieden dienen sollte, übersetzt hat. Er hat die fünf Bücher Moses, Kokeleth und die Psalmen ins Esperanto übertragen und in einer bei Hachette (Paris) erschienenen Revue bereits im Jahre 1910 Schalom Alejchems bekannte Humoreske „Das Gymnasium“, aus dem Jüdischen übersetzt, erscheinen lassen. Die jetzt vorliegende Revue bringt wertvolle Proben aus der Literatur des Judentums. Schon das einleitende Gedicht: „La ventego“ (Der Sturm) von H. N. Bialik, packt durch eine grandiose Naturschilderung. Eine Perle echt jüdischen Volksgeistes bildet die von Israel Leiserowicz übertragene Volkserzählung „Das menschliche Glück“. Schalom Asch ist durch ein Fragment aus dem Zweiakter „Mit dem Strom“ vertreten. Aus dem Hebräischen des Jehuda Steinberg stammt die prächtige Skizze „Der Naive“. Dann folgen Fabeln von David Frischmann und zum Schluß, als die Perle der Auswahl, die kleine Skizze „Wissen und Ideal“ von J. L. Perez. Die Übertragungen sind überaus gelungen und geben die Feinheiten der Originale gut wieder. Sie geben ein Beispiel, welche wichtige Rolle der Vermittlung der aus jüdischem Geiste geborenen Hilfssprache Esperanto zukommen kann. Prof. Otto Simon. Gemeinden-u.Vereins-Kcho Zionistische Ortsgruppe München. Der Quartalsbeitrag für das laufende Quartal April—Juni ist, wie bisher, auf drei Mark festgesetzt worden. Der Beitrag wird mit der Zionistensteuer, Landesbeitrag etc. durch Nachnahme eingezogen, falls er nicht bis Donnerstag, den 15. Mai, im Zionistischen Büro, Herzog Maxstr. 4/0 (geöffnet nur nachmittags zwischen 3—6 Uhr) eingezahlt wird. Jeden Montag, abends 8 Uhr treffen sich die Gesinnungsgenossen im neuen Klubraum. Montag, den 12. Mai: Paul Grünbaum „Eindrücke aus Erez Israel“. . Blau-Weiß München. Turnen des 1. Zuges fällt am kommenden Donnerstag aus. Am Samstag,