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Das jüdische Echo · 1924-05-09 · 19 (9.5.1924) · p. Seite 61

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
19 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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Nr« 19 Das Jüdische Echo 61 ist Arthur Dinter, der diesmal in Hessen kandidierte, durchgefallen. Keine Bürgerpartei hat jüdische Kandidaten auf gestellt. Von den Sozialdemokraten wurden die folgenden jüdischen Kandidaten gewählt: Eduard Bernstein, Dr. Rudolf Hilfferding, Dr. Julius Moses, Dr. Viktor Rosenfeld, Dr. Paul Levi, Hugo Heimann, Simon, Frau Toni Sanders. Unter den kommunistischen Kandidaten wurden die folgenden Juden gewählt: Frau Ruth Fischer, Rosenbaum und Rosenberg. Die bayerische Regierung gegen die Katholikenhetze Regierung und die Regierungsparteien in Bayern ernten die Früchte ihrer Taten. Die von ihnen liebevoll großgezogenen „Völkischen“ haben jeden kindlichen Respekt vor ihren großmütigen Protektoren fallen lassen und sind, seit sie deren Schutz nicht mehr brauchen, wild und ungebärdig — auch gegen die Katholiken geworden. Da endlich reißt der bayerischen Volkspartei die Geduld und ihre Regierung nimmt scharf gegen die Judenhetze — ach nein, gegen die Katholikenhetze Stellung. Für die Judenhetze in jeder Form und mit allen Mitteln, die sich ihre Hauptdomäne in München geschaffen hat und deren sich jed«r Kulturstaat schämen müßte, findet die Regierung kein Wort des Tadels. Deutlich genug: Die bösen Buben mit ihrem „guten Kern“ haben den ihnen zugewiesenen Tummelplatz verlassen und sind gegen die Kirche unartig gewesen. Das muß gerügt werden. Das darf nicht sein. Kehrt zu eurer Lieblingsunterhaltung zurück, schreit Saujud, schlagt da und dort ein paar Juden nieder, fabriziert und verbreitet die dümmsten Lügen, die schändlichsten Verleumdungen gegen die Juden, lenkt allen Groll des Volkes, ob Regierungsunfähigkeiten oder Franzosendruck, Ernährungssorgen oder schlechtes Wetter auf die Juden ab, dann sind wir euch wieder gut. Palästina-Nachrichten Palästina au! der Ausstellung in Wembley. Ein Vorwort Sir Herbert Samuels London. Der Oberkommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel, hat für das zur Eröffnung der britischen Reichsausstellung in Wembley herausgegebene Handbuch des Palästina-Pavillons das Vorwort geliefert. Sir Herbert Samuel schreibt: „Durch die Übernahme des Mandats für Palästina hat Großbritannien eine Aufgabe von historischer Bedeulung übernommen. Dem Christentum ist Palästina das Allerheiligste aller Länder. Dem Judentum ist es die geliebte Heimat, um die sich aller Schmerz und die zweitausendjährige Sehnsucht konzentrieren; es ist der Mittelpunkt einer die ganze Welt umfassenden Bemühung und großer persönlicher Opfer in der Gegenwart, sowie das erhabene Ideal der Zukunft. Der Islam hängt an Palästina wegen der dort gelegenen heiligen Stätten, wegen des langjährigen Besitzrechtes an diesem Lande, sowie wegen der großen Mehrheit der jetzt dort lebenden mohammedanischen Bevölkerung. Das Land wurde nicht dem britischen Reich zugesprochen; wir halten es als Treuhänder. Alle Rassen und Konfessionen besitzen dort gleiche Rechte. Die Hoffnungen der Juden der ganzen Welt, in Palästina wieder eine nationale Heimstätte aufzubauen, werden unterstützt. Die bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber werden gleichfalls geschützt. Man hofft, in Palästina sowohl eine arabische als auch eine jüdische Erneuerung zu erreichen. Die Tore des Landes sind für Pilger und Reisende der ganzen Welt weit geöffnet. Wir fanden ein durch jahrhundertelange Mißwirtschaft verödetes Land vor. Große Landstrecken waren malariaverseucht, Eisenbahnen waren nur wenige vorhanden, die Straßen waren sehr unzulänglich; Häfen gab es keine; die natürlichen Einnahmequellen waren ganz unentwickelt und eine Industrie gab es beinahe überhaupt nicht. Fast alle Erfordernisse eines zivilisierten Staates fehlten, es mußte ganz von vorne angefangen werden. Der britische Steuerzahler hat die Lasten für die in Palästina stationierten Truppen bezahlt — eine Last, die in den vergangenen vier Jahren von jährlich 4 000 000 Pfund auf jährlich 900 000 Pfund vermindert worden ist und die, wie man erwartet, sich auch weiterhin vermindern wird. Alles übrige wurde von der Palästinaregierung aus eigenen Hilfsquellen bestritten. Zu der Zivilverwaltung hat Großbritannien nichts beigetragen. Obgleich Palästina dem britischen Imperium nicht angehört, hat man es mit Rücksicht darauf, daß es ein britisches Mandatsland ist, zur Teilnahme an der großen Ausstellung eingeladen.“ Sir Herbert Samuel schließt: „Geschützt durch die Macht und gestützt durch die Führung des britischen Reiches, inspiriert durch seine eigene glorreiche Vergangenheit und getragen von der Achtung und dem Interesse der drei größten Religionen der Menschheit, erwacht Palästina in unseren Tagen aus dem jahrhundertelangen Schlaf und blickt mit Hoffnung und Vertrauen auf die Morgenröte einer neuen Epoche der Arbeit, durch die es zur Größe gelangen wird. Dr. Georg Halpern und Isaac Naiditsch gehen nach Palästina London. Wie die J.T.A. erfährt, haben sich die Direktoren des Jewish Colonial Trust, zugleich Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrates der zionistischen Organisation, Dr. Georg Halpern und J. Naiditsch, am Freitag, den 2. Mai, in Marseille nach Palästina eingeschifft, wo sie sich einige Wochen in Angelegenheit der zionistischen Banken aufhalten werden. Sie werden zusammen mit anderen, jetzt ebenfalls in Palästina weilenden Mitgliedern des Finanz- und Wirtschaftsrates, sowie mit der palästinensischen zionistischen Exekutive das der zionistischen Jahreskonferenz vorzulegende Pälästinabudget für das nächste Jahr vorbereiten. Zum ersten Male also wird jetzt das Palästinabudget in Palästina vorbereitet, eine Maßnahme, die schon vor einiger Zeit von den Vertretern der palästinensischen Judenschaft gefordert worden ist. Maifeier der jüdischen Arbeiter in Palästina Jerusalem. (J.T.A.) Der 1. Mai wurde hier von der jüdischen Arbeiterschaft durch Arbeitsruhe gefeiert. Im ganzen Lande wurden Versammlungen und Maifeiern abgehalten, die alle ruhig verliefen. Die Kommunisten verbreiteten Aufrufe in hebräischer und jiddischer Sprache. 60. Geburtstag Dr. Nathan Birnbaums Am 15. Mai dieses Jahres feiert der bekannte jüdische Schriftsteller Dr. Nathan Birnbaum (Matthias Acher), einer der ersten westeuropäischen Zionisten, Mitgründer der Wiener „Kadimah“ und erster Sekretär der Zionistischen Organisation, seinen 60. Geburtstag. Dr. Birnbaum, der das Wort „Zionismus“ geschaffen hat,

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