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Das jüdische Echo · 1924-05-09 · 19 (9.5.1924) · p. Seite 60

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
19 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 Das Jüdische Echo Nr. 19 of Columbus) tragen ihren Namen wahrscheinlich deshalb, weil eine katholikenfeindliche Organisation der Vergangenheit sich als „Söhne von 1776“ bezeichnet hatte. Im Volksmunde hießen diese amerikanischen Kulturkämpfer die „Knownothings“. Der Ausdruck kommt daher, daß die Söhne von 1776 durch ihr Ritual gehalten waren, auf jede Frage eines Außenseiters zu antworten: „I know nothing“, d. h. „ich weiß nichts“. Vermutlich wollen die Kolumbusritter schon durch ihren Namen andeuten, daß Amerika nicht von den „Vätern von 1776“, auch nicht von den puritanischen Pilgrimvätern, sondern von dem Katholiken Columbus entdeckt worden ist. Die Vereinigten Staaten haben, wenn man von dem früher sklavenhaltenden Süden absieht, keinen Feudalismus hinter sich. Wenn dort trotzdem bei Gründung ethischer Zweckverbände so häufig mittelalterliche Formen gewählt werden, so ist dies wohl teils aus dem Herdenbedürfnis nach Titeln und Auszeichnungen, teils aus dem Umstande zu erklären, daß äußere Symbole erfahrungsgemäß zur Festigung des inneren Zusammenhalts eines Bundes dienen, besonders wenn dessen Mitglieder aus den verschiedensten Kulturkreisen herkommen. Dies ist wohl auch der tiefere Grund, weshalb nicht nur die internationalen Juden, die internationalen Katholiken und die internationalen Temperenzler, sondern sogar die amerikanischen Nationalisten, die Ritter „des unsichtbaren Reichs“, sich einer mittelalterlichen Organisationsform bedienen. Die Columbusritter denken nicht daran, ihre Position durch Beteiligung an der Judenhetze des amerikanischen Ku-Klux Klans und des Geschäftsantisemiten Henry Ford zu verbessern. Der Orden hat im Gegenteil den Abwehrkampf der amerikanischen Juden gelegentlich kräftig unterstützt. Er hat damit eine Ritterlichkeit bewiesen, von der allerdings unsere Knownothings und leider auch die meisten unserer Columbusritter nichts wissen. Bemerkungen Nach den Wahlen Die Reichstagswahlen haben im großen ganzen das erwartete Resultat gebracht: Eine außerordentliche Verstärkung der radikalen Flügelparteien und im ganzen ein Ruck nach rechts, der von manchen vielleicht stärker, von anderen wieder schwächer erwartet wurde, als schließlich erfolgt ist, der aber jedenfalls in der Hauptsache unter der antisemitischen Parole „gegen Juden“, gegen Republik und Demokratie erzielt wurde. Aus diesen Tatsachen ergibt sich eine leider viel zu wenig beachtete Staatsbürgerpflicht der Juden in Deutschland: mit allen Kräften in die öffentliche Auseinandersetzung über Juden und Judenfrage einzutreten. Das, was geschieht und sich im wesentlichen auf Apologie beschränkt, ist absolut ungenügend. Angesichts des ungeheuren Einflusses, der mit den Lügen der Judenhetze auf das deutsche Volk und seine politische Richtung gewonnen wurde, ist es Pflicht der Juden, die Bekämpfung der Judenhetze nicht länger einer absolut ungenügend wirkenden Organisation, wie dem C.V., der nach seiner ganzen Einstellung etwas anderes als schwächliche Abwehr ohne gründliche Auseinandersetzung der Probleme nicht leisten kann, als sozusagen einzig Bevollmächtigtem zu überlassen, sondern in ihrer Gesamtheit und von einer Stelle aus, deren Aktivlegitimation nicht anzweifelbar ist, machtvoll in den Kampf der öffentlichen Meinung einzutreten. Nur die Gesamtorganisationen der Juden, in Bayern der Gemeindeverband, im Reich der Gemeindebund, haben unseres Erachtens das Recht und die unabweisbare Pflicht, in dieser Lebensfrage der Juden in Deutschland ihre Kräfte einzusetzen. Diese Spitzenorganisationen, ebenso wie im einzelnen die jüdischen Gemeinden dürfen sich nicht länger auf „Verwaltung“ beschränken. Die in Deutschland lebenden Juden, sowohl diejenigen, die von Synagoge und sonstigen Gemeindeeinrichtungen Gebrauch machen, als die religiös Abseitsstehenden sind in ihren Lebensinteressen bedroht und die allein für die Gesamtheit legitimierten Gesamtorganisationen laden eine ungeheuere historische Schuld auf sich, wenn sie den Dingen weiter untätig Zusehen, wie bisher, und sich damit begnügen, daß mehr oder minder dilletantenhaft „Abwehrpolitik“ von einzelnen Organisationen getrieben wird. Etwa I2V2 Millionen Wähler sind der antisemitischen Parole gefolgt, gegenüber kaum 16 Millionen Wählern, die links von der deutschen Volkspartei stehen. Diese ungeheuerliche Tatsache zeigt, wie weit der Betrug der antisemitischen Hetze gewirkt hat und wie sehr die bisherigen schwächlichen Abwehrmethoden versagen. Es gilt die Vergiftung des gesamten öffentlichen Lebens in Deutschland zu bekämpfen, die menschlichen, rechtlichen und sozialen Lebensnotwendigkeiten aller in Deutschland lebenden Juden zu schützen und dies kann niemand anders als die Gesamtheit aller Juden, das heißt, die alle umfassenden Organe. Wir stellen in diesem gefahrdrohenden Moment aufs neue die Parole auf: Jüdische Einheitsfront gegen Judenhetze, Zusammenfassung aller, die guten Willens sind (womit natürlich die nationaldeutschen „Juden“ von vorneherein ausscheiden, die selbst mehr den Antisemiten als den Juden zuzuzählen sind). Es ist ungeheuer viel versäumt worden, mögen alle, die es angeht, sich besinnen, bevor es zu spät ist. Dies ist die Lehre der eben stattgefundenen Wahlen. Die Stärkung der antijüdischen Front in Deutschland Berlin. (J.T.A.) Die Wahlen in den Reichstag haben, wie erwartet wurde, eine Stärkung der antijüdischen Front in Deutschland erbracht. Dem bisherigen Reichstag gehörte nur eine sehr kleine ausgesprochen antisemitische Gruppe, die von den Deutschnationalen abgesplitterte völkische Dreimännergruppe Wulle-Graefe-Henning, an. Die Deutschnationalen vermieden es bisher, sich parteioffiziell zu einer sogenannten „Judengesetzgebung“ zu bekennen. Der Verlauf des Wahlkampfes und der Ausgang der Wahlen hat eine andere Orientierung gebracht. Zum erstenmal werden größere Fraktionen auftreten, die die Entrechtung der Juden in Deutschland auf ihre Fahne geschrieben haben. Das ist nicht allein die 32 Mann starke Gruppe, der Völkischen und Nationalsozialisten und die Viermännergruppe der Deutschsozialen unter Führung Richard Kunzes, sondera auch ein starker rechter Flügel der deutschnationalen Volkspartei. Da alle diese Gruppen ihren Wahlkampf unter den Parolen „Entziehung des Bürgerrechtes der deutschen Juden“ und „Ausweisung der Ostjuden und der Vermögensbeschlagnahme bei denselben“ geführt haben, so ist zu erwarten, daß sie auch, schon um vor ihren Wählern gerechtfertigt dazustehen, im Reichstag selbst auf eine antisemitische Gesetzgebung hinzuwirken versuchen werden. Von Führern der Antisemiten sind gewählt: General Ludendorff, Graefe, Wulle, Henning, Frick, Theodor Fritsch, Schlange-Schöningen, Richard Kunze, genannt Knüppel-Kunze. Dagegen

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