Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 18 (2.5.1924)
- Date
- 1924-05-02
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Das jüdische Echo Nr. 18 des Boden rechtes und der Bodensteuern. Eine solche würde in der Richtung einer Verstärkung des Angebots von unbebautem Land. Senkung der Preise, Intensivierung der Bebauung führen können. Sie wäre daher für die jüdische Kolonisation von viel größerem politischen Werte als die Durchsetzung irgend einer politischen Formel; denn es gibt nichts, was von stärkerem politischem Gewicht wäre, als eine Ausdehnung und Kräftigung der jüdischen Position im Lande. Ähnliches gilt von der Zolltarifreform. Bekanntlich wird nach dem alten türkischen Tarif von Rohstoffen noch ebenso hoher Zoll (12 Prozent des Wertes) erhoben als von Fabrikaten. An und für sich ist die Wertzollberechnung eine äußerst primitive. Die Differenzierung der Zolltarife befindet sich trotzdem noch in den ersten Anfängen. Die Aufmerksamkeit der jüdischen Führerschaft war bisher viel zu sehr einseitig den rein politischen Fragen zugewendet. Es ist dies angesichts ihrer Schwere und Kompliziertheit begreiflich, daneben spannt die unablässige Arbeit für die Aufbringung der Mittel die Energien der Zionisten aufs äußerste an. Aber sowohl für die Führung der Politik <als auch für die bessere Ausnützung der Mittel ist es dringend notwendig, den wirtschaftlichen Tatsachen und Erfordernissen mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden als dies bisher der Fall war. Im letzten Jahre „sind vielfache Versuche gemacht worden, in d'er zionistischen Organisation dafür Verständnis zu wecken. Auf der nächsten Jahreskonferenz, die in diesem Sommer stattfinden wird, werden zweifellos alle Anstrengungen gemacht werden, der Erörterung der wirtschaftspolitischen Fragen mehr Zeit und Beachtung zu erkämpfen als sie bisher auf den zionistischen Tagungen gefunden haben. Feuilleton Sieben gute Jahre Eine volkstümliche Erzählung von J. L. P e r e z. In Turbin lebte einst ein Lastträger namens Tewje, der sehr arm war. Eines Tages stand er auf dem Markt und blickte sich nach Arbeit um. Es war an einem Donnerstag und Tewje hatte kein Geld, um für Sabbat Einkäufe zu machen. Es war nirgends etwas zu verdienen, und so erhob der Lastträger seine Augen zum Himmel und flehte um Hilfe, damit er, sein Weib und die Kinderchen am Sabbat nicht Hunger litten. Da zog ihn jemand beim Rock, und als er sich umblickte, gewahrte er einen Jäger, der ihn in deutscher Sprache also ansprach: „Höre, Tewje, dir sind sieben gute Jahre bestimmt, sieben Jahre voll Reichtum, Glück und Segen. Wenn du willst, können die sieben guten Jahre noch heute beginnen, und bevor noch) die Sonne untergeht, wirst du ganz Turbin mit deinem Gelde kaufen können, aber nach diesen sieben Jahren wirst du wieder ein armer Mann. Die gute, gesegnete Zeit kann aber — wenn du willst — auch am Ende deines Lebens kommen, und du kannst als der reichste Mann aus dem Leben scheiden.“ Der Fremde war der Prophet Elias, der sich als Jäger verkleidet hatte. Der Lastträger aber meinte, daß er einen einfachen Zauberer vor sich habe, und so antwortete er: „Mein lieber Herr, mich laßt in Ruhe, denn ich bin ein armer Teufel. Ich habe nicht einmal Geld für die Sabbateinkäufe und ich werde Eure Mühe und Eure guten Ratschläge nicht bezahlen können.“ Der Fremde aber ließ nicht von ihm. Er wiederholte seine Worte ein paarmal, bis sich Tewje mit dem Gedanken befreundete. „Wißt Ihr was?“ erwiderte er. „Wenn Ehr es wirklich ernst mit mir meint, so muß ich Euch sagen, daß ich mich in allem mit meinem Weib Serel berate. Ich kann Euch, bevor ich mit meinem Weib gesprochen, keine richtige Antwort geben.“ Darauf erwiderte der Fremde, daß es sehr vernünftig sei, sich bei der Frau immer Rat zu holen. Er soll doch gleich' zu ihr gehen und ihr den Fall erzählen. Tewje blickte sich nach allen Seiten um, und da es nichts zu tun für ihn gab, sagte er sich, daß er den Weg nach Hause wagen könnte. So machte er sich gleich auf den Weg. Der Träger wohnte in einer Lehmhütte in der Vorstadt, wo das freie Feld begann. Als Serel ihren Mann durch die offene Tür erblickte, lief sie ihm freudig entgegen, doch er rief ihr zu: „Ich bringe dir kein Geld, Serel, denn Gott hat mir heute noch keinen Verdienst beschert, dafür hat mich aber ein merkwürdiger Mann auf gesucht.“ Er wiederholte ihr diie Worte des Fremden und erbat sich einen Rat von ihr. Doch Serel rief, ohne erst lange zu überlegen: „Sag dem Herrn, daß die sieben guten Jahre noch heute beginnen sollen.“ „Aber nach sieben Jahren werden wir wieder arm sein und nach der guten Zeit wind es uns schwer fallen, wieder im Elend zu leben,“ wendete Tewje ein. „Mach’ dir keine Gedanken, sondern nimm, was man dir gibt und danke dem lieben Gott dafür,“ erwiderte Serel „Sieh, man hat heute die Kinder aus dem Cheder geschickt, weil wir das Lehrgeld nicht bezahlen konnten.“ Tewje eilte gleich auf den Markt und erklärte dem Fremden, daß die sieben guten Jahre gleich jetzt beginnen sollten. „Überleg’ es dir gut,“ sagte der Jäger. „Jetzt bist du ein kräftiger Mann und kannst verdienen, aber dann wirst du die Strapazen nicht mehr so gut ertragen können.“ Tewje aber sagte: „Mein Weib will es so haben, Erstens, sagt sie, sollen wir dem lieben Gott für alles Gute, das er uns heute beschert, danken und' uns für später keine Sorgen machen und dann will der Lehrer die Kinder nicht mehr unterrichten, weil wir ihn nicht bezahlen können.“ „Wenn es so ist, dann geh’ nur nach Hause,“ erwiderte der Fremde. „Bevor du die Stube betrittst, bist du ein reicher Mann.“ Tewje wollte noch etwas fragen, aber der Jäger war plötzlich verschwunden. Der Träger ging also nach Hause. Vor seiner Hütte spielten die Kinder im Sand, doch als er näher trat, erkannte er, daß es kein Sand, sondern pures Gold war. Für den Träger begannen nun die sieben guten, glücklichen Jahre. Die Zeit jagt dahin, und die sieben guten Jahre waren gar schnell vorüber. Eines Tages kam nun der Jäger zu Tewje und erklärte iihfm, daß sein ganzes Geld am Vorabend verschwinden werde. Doch Tewje stand auf dem Markt wie vor sieben Jahren, hatte sein Trägergewand an und wartete auf Arbeit. Und Tewje erwiderte: „Sagt das meinem Weib, denn sie hat das Geld während der ganzen Zeit verwaltet.“ „Die beiden gingen nun in die Vorstadt, denn Tewje wohnte immer noch in; der alten Lehmhütte auf dem freien Felde. Serel stand vor der Tür und war ärmlich gekleidet; nur ihr Gesicht strahlte. Der Jäger sagte ihr nun, daß die sieben guten Jahre vorüber seien, aber Serel erwiderte, daß die [ Nun Es Glaub geogr Reich nach ein PJ fühl g doch sonde tische einer in eig stellt. 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